Montag, 4. Juni 2007

16.000 Polizisten im Einsatz bei G-8-Gipfel: Tausende Globalisierungsgegner erwartet

  • Experten schließen Gewalt und Terror dabei nicht aus
  • Tagungsort streng abgeriegelt, Kriegsschiffe vor Küste

Der G-8-Gipfel in Heiligendamm von 6. bis 8. Juni wird einer der größten Einsätze für Sicherheitskräfte in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Mit bis zu 100.000 Globalisierungsgegnern wird im Umfeld gerechnet, Sicherheitsexperten schließen auch Gewalt und Terror nicht aus. Dementsprechend umfangreich sind die Vorkehrungen: Der Tagungsort wird hermetisch abgeriegelt, mehr als 16.000 Polizisten sind im Einsatz und Kriegsschiffe patrouillieren vor der Küste.

Es gehe um eine "beispiellose sicherheitspolitische Herausforderung", sagt der Präsident des deutschen Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke. Es sei der erste Gipfel nach dem 11. September 2001 in Deutschland und daher vom Gefährdungsgrad und den bisher veranschlagten Kosten von 92 Millionen Euro mit keinem Vorgänger vergleichbar. Das Gewaltpotenzial ist laut Ziercke nicht vorhersehbar. Bekannt sei allerdings, dass umfangreiche und vernetzte Vorbereitungen von G-8-Gegnern weltweit angelaufen seien.

Ein wichtiger Bestandteil des Sicherheitskonzeptes ist die Abriegelung von Heiligendamm, das in eine äußere und eine innere Sicherheitszone eingeteilt wird. Die innere Zone, für die das Bundeskriminalamt zuständig ist, umfasst die eigentliche Tagungsstätte: die Gebäude des Kempinski Grand Hotels mit dem dazugehörigen, stets eingezäunten Gelände. Das Betreten ist nur Gipfelteilnehmern und ihren Mitarbeitern sowie Technik- und Service-Personal gestattet.

Die äußere Sicherheitszone umfasst die gesamte Ortschaft Heiligendamm. Ein mehr als zwölf Kilometer langer und 12,5 Millionen Euro teurer Sicherheitszaun riegelt das Seebad halbkreisförmig bis an den Strand ab. Der 2,50 Meter hohe Bau aus Stahlgittern und Beton ist mit Stacheldraht umwickelt und mit Kameras sowie Bewegungsmeldern ausgerüstet. Zugangsberechtigte wie die knapp 300 Einwohner von Heiligendamm, Dienstleister und angemeldete Besucher können diese Zone über zwei Kontrollstellen betreten und verlassen. Dazu ist ein Sonderausweis mit Passbild nötig.

Demonstrationsverbot
Damit G-8-Gegner gar nicht erst zu nah an diesen Sicherheitsbereich herankommen, hat die Polizeidirektion Rostock für den Zeitraum vom 30. Mai bis 8. Juni ein Demonstrationsverbot erlassen, das derzeit allerdings Gegenstand von Gerichtsstreitigkeiten ist. Nach dem Willen der Polizei soll die Bannmeile zunächst 200 Meter um den Zaun reichen und während des Gipfels auf rund 2,5 Kilometer ausgedehnt werden. Ein erstes, am Freitag gesprochenes Urteil, hat zumindest die Ausweitung abgelehnt.

Auch von der Seeseite her wird der Tagungsort gesichert. Der unmittelbar vor dem Hotel liegende Strand wird von den bis ins Wasser gezogenen Zaun-Endstücken auf einer Breite von 3,5 Kilometern abgesperrt. Zwischen ihnen wurden im Meer Netze gezogen. Amerikanische Kriegsschiffe werden ebenso wie die deutsche und britische Marine vor Heiligendamm Stellung beziehen. Auch der Luftraum über Heiligendamm wird beobachtet, für den Notfall stehen Abfangjäger bereit.

Mehr als 16.000 Polizisten aus ganz Deutschland sind im Umfeld des Gipfeltreffens im Einsatz. Die Sicherheitskräfte haben in den vergangenen Monaten Reaktionen auf Straßenblockaden, Verkehrsunfälle, Sachbeschädigungen und Demonstrationen mit Booten vor dem gesperrten Strand durchgespielt.

Gewaltbereite Globalisierungskritiker aus dem Ausland sollen bereits an der Grenze gestoppt werden: Der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble ordnete an, dass vor und während des G-8-Gipfels an den Grenzen zu den EU-Nachbarländern wieder Kontrollen durchgeführt werden können. Auch der Einsatz szenekundiger Sicherheitsbeamter aus den jeweiligen Ländern ist geplant.

(apa/red)

4.6.2007 07:36