Freitag, 1. Juni 2007

Erneut Kämpfe im Libanon: Mindestens 16 Tote bei Angriff auf Palästinenser-Lager

  • Libanesische Panzer rücken auf Flüchtlingscamp vor
  • Festgenommenen Islamisten droht Todesstrafe

Im Libanon haben die Kämpfe zwischen der Armee und den in einem palästinensischen Flüchtlingslager verschanzten Extremisten einen neuen Höhepunkt erreicht. Bei den Gefechten wurden in dem Lager Nahr al-Bared Sicherheitskreisen zufolge mindestens 16 Menschen getötet. Auch drei Soldaten der libanesischen Armee seien ums Leben gekommen, hieß es weiter. 60 Zivilisten und 17 Soldaten hätten Verletzungen erlitten. Ob es sich bei den im Lager Getöteten um Kämpfer der Gruppe Fatah al-Islam oder um Zivilisten handelte, war zunächst unklar.

Die Regierungstruppen feuerten fast ununterbrochen auf Positionen der Extremisten in Nahr al-Bared und sprachen von einer Vergeltung für deren Angriffe. Aus Sicherheitskreisen hieß es, Elitesoldaten hätten mehrere wichtige Stellungen der Gruppe zerstört. Eine groß angelegte Boden-Offensive gegen die Al-Kaida-nahen Aufständischen bestätigte das Militär indes nicht. Es war der schwerste Beschuss des Lagers seit fast zwei Wochen.

Schon am frühen Morgen war Artillerie- und Maschinengewehrfeuer zu hören. Zeitweise schlugen zehn Geschosse pro Minute in dem Lager ein. Aus Kreisen der Aufständischen hieß es, das Feuer sei erwidert worden. Die Kämpfe hätten rund neun Stunden gedauert. Am heftigsten entwickelten sich die Gefechte an den Eingängen im Norden und Süden des Lagers. Von beschädigten Gebäuden im Camp stieg Rauch auf. Militärvertreter nannten als Ziel der Operation, die Extremisten von ihren vorderen Stellungen zu vertreiben. Von dort hätten sie zuletzt die nähere Umgebung überschauen können und gezielt auf die Soldaten geschossen, sagte ein Vertreter des Militärs.

Die libanesische Armee kämpft mit Unterbrechungen seit fast zwei Wochen gegen die Mitglieder der militanten Fatah al-Islam. Es sind die schwersten innerlibanesischen Kämpfe seit dem 1990 beendeten Bürgerkrieg. Bei den Gefechten waren vor den Kämpfen am Freitag bereits mindestens 84 Menschen umgekommen, davon 20 Zivilisten. Mehr als 25.000 der 40.000 Bewohner sind inzwischen in das nahe gelegene Flüchtlingslager Beddawi geflohen, wo Hilfsorganisationen die Menschen versorgen.

Ein Ende der Auseinandersetzungen ist nicht absehbar. Auf einer von militanten Islamisten genutzten Internetseite tauchte am Freitag eine Botschaft des Extremisten Mohammed Hakaima auf, der Verbindungen zu Al-Kaida hat. Darin rief er zur Unterstützung von Fatah al-Islam im Kampf gegen die Armee auf. "Islamisten, erhebt Euch und helft Euren Brüdern in Nahr al-Bared", hieß es. "Das ist Eure religiöse Pflicht."

Die libanesische Regierung hatte die Extremisten zuletzt aufgefordert, sich zu ergeben. Die Armee darf auf Grund eines Abkommens aus dem Jahr 1969 das Lager nicht betreten. 20 festgenommene Fatah-al-Islam-Kämpfer wurden des Terrorismus angeklagt. Ihnen droht die Todesstrafe.
(apa/red)

1.6.2007 21:11