Freitag, 1. Juni 2007

"Die Radaubrüder sind nicht mehr da": Positive Bilanz des Alkverbots in Salzburg

  • Um ein Drittel weniger Delikte seit Mitte April
  • UMFRAGE: Alkverbot als Rezept gegen Komatrinken?

"Der Rudolfskai ist befriedet, die Radaubrüder sind nicht mehr da." Wirte-Sprecher Gerd Sendlhofer sieht das seit 17. April geltende Alkoholverbot an der Salzburger Lokalmeile und die schärferen Kontrollen von Polizei und Magistrat als Chance, eine "Vorzeigemeile" zu werden und mit Hilfe eines "Marketingfeuerwerks" den Umsatzverlust von bis zu 50 Prozent wieder wettzumachen. Die Zwischenbilanz von Polizei und Magistrat fällt durchwegs positiv aus. Die Delikte sind um ein Drittel zurückgegangen.

Das Bündel an Maßnahmen zur Bekämpfung von Raufereien und Alkoholexzessen "wurde bisher erfolgreich umgesetzt", sagte Stadtpolizeikommandant Manfred Lindenthaler im Gespräch mit der APA. Die strafbaren Handlungen gegen Leib und Leben und gegen fremdes Vermögen seien in den ersten vier Monaten dieses Jahres um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr gesunken. Im Vergleichszeitraum 2006 wurden 63 Delikte gegen Leib und Leben und 174 Diebstähle gezählt, für 2007 listete die Kriminalstatistik inklusive April 39 Delikte gegen Leib und Leben sowie 108 Diebstähle auf.

Auch der ressortzuständige Vizebürgermeister Harald Preuner ortete eine "deutliche Tendenz, dass es am Kai ruhiger geworden ist". In den vergangenen 18 Monaten habe die Polizei mit dem Magistrat und den Wirten intensiv zusammengearbeitet. Der Maßnahmen-Mix, bestehend u.a. aus Videoüberwachung, verstärkten Kontrollen, rigoroseren Strafen, wachsamen Türstehern sowie der Drohung, die Sperrstunde vorzuverlegen, zeige jetzt Wirkung. Das Alkoholverbot gilt jeweils in den Nächten auf Samstag und Sonntag von 22.00 bis 6.00 Uhr auf dem Gehsteig, der Straße und dem Radweg zwischen Staatsbrücke und Mozartsteg.

Drei Mal rückten Polizisten und besonders geschulte Magistratsbeamte im April und Mai zu Alkoholrazzien am Kai aus. Das Ergebnis der Amtshandlung ist mager. Das Amt für öffentliche Ordnung verzeichnete drei Verstöße gegen das Alkoholverbot mit einer Strafverfügung in der Höhe von jeweils 80 Euro. "In den Lokalen hat keiner gegen das Jugendgesetz verstoßen. Die Türsteher kontrollieren das Alter, die haben das gut im Griff", lobte Amtsleiter Michael Haybäck.

Anstandsverletzungen kommen noch teurer. "Beim ersten Vergehen hebt die Exekutive 100 Euro ein. Wird die Person ein zweites Mal erwischt, zahlt sie fünfzig Prozent mehr. Auf Grund der Verschärfung des Landespolizeistrafgesetzes kann die Polizei konkreter abstrafen", erläuterte Preuner. Bei der bisher letzten Schwerpunktkontrolle musste ein Wiederholungstäter, der auch gegen das Alkoholverbot verstieß, rund 600 Euro berappen. "Das wirkt abschreckend und ist ein Mitgrund, warum die Delikte zurückgingen."

Im Rahmen der Schwerpunktaktionen am Kai nahmen die Beamten zahlreiche Beisln in anderen Stadtteilen unter die Lupe, um einen Verlagerungseffekt vorzubeugen. Was laut Lindenthaler bisher auch gelungen ist.

Das Alkoholverbot am Kai wird noch einige Monate aufrecht bleiben, meinte Vizebürgermeister Preuner. Mitte Juni soll der Evaluierungsbericht der Polizei und der Magistratsabteilung 1 erstellt und dem Stadtratskollegium präsentiert werden. "Eine Dauerlösung kann das Verbot aber nicht sein. Wenn es keine Sicherheitsbedenken mehr gibt, gehört es aufgehoben."

Die Wirte am Kai bestünden darauf, dass die Verordnungen weiter exekutiert werden, erklärte Sendlhofer, Sprecher von neun Lokalen. "Die beruhigte Zone können wir jetzt nutzen, um mit einem hochwertigen Angebot wieder gut zu werden. Die Politik darf uns nicht im Stich lassen." Ab 15. Juni rühren die Wirte mit einem Sommer-Unterhaltungsprogramm die Werbetrommel - dabei spielt auch das Thema "Trend und Mode" eine Rolle. Ein Mal im Monat ist ein großes Rudolfskai-Event geplant. Bis zum 31. August gibt es alkoholfreie Getränke um 1,30 Euro. Mit einer gehobenen Gastronomie will man den Gästeschwund stoppen. Einige Lokale, die bis zu 8.000 Euro im Monat an Miete zahlen, "stehen am Rande der Existenz", so Sendlhofer.

(apa/red)

1.6.2007 14:12