Mehr Organspender werden gebraucht:
Nimm Deine Organe nicht mit in den Himmel
- Österreich in Europa an Stelle 2 bei Transplantationen
- Dennoch befinden sich 1000 Patienten auf Wartelisten

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"Nimm Deine Organe nicht mit in den Himmel! Der Himmel weiß, wir brauchen sie hier", lautet die Devise. Österreich liegt mit rund 24 Organspendern pro Million Einwohner und Jahr nach Spanien (34,6) in Europa an zweiter Stelle. Doch rund 1.000 Menschen stehen auf den Wartelisten, ein nicht geringer Prozentsatz stirbt. Darauf verwiesen Experten und Betroffene bei einer Pressekonferenz in Wien aus Anlass des bevorstehenden "Tages der Organspende" (2. Juni).
"Österreich ist immer ganz gut gewesen. Wir sind an zweiter Stelle. Aber trotzdem erleben 20 bis 25 Prozent der Menschen, die sich zu einer Lebertransplantation entschlossen haben, den Zeitpunkt der Operation nicht. Bei den Herztransplantationen sind es zehn bis 15 Prozent, bei den Nierentransplantationen sind es fünf Prozent, die den Zeitpunkt der Operation nicht erleben", sagte Ferdinand Mühlberger, Vorstand der Chirurgischen Universitätsklinik am Wiener AKH.
1.000 Menschen befinden sich auf den Wartelisten
Rund 1.000 Menschen befinden sich auf den Wartelisten. Um mehr Organe zur Verfügung zu haben, müsste dieser Sektor der Medizin noch mehr unterstützt werden. Albert Reiter, Intensivmediziner und NÖ Transplantationsreferent: "Wenn ich weiß, dass ich Patienten nicht mehr helfen kann, weiß ich so wenigstens, dass ich Patienten habe, mit denen ich anderen Menschen das Leben retten kann." Die Organe eines Spenders können bis zu sieben Schwerstkranken das Überleben sichern oder ihnen zumindest eine bessere Lebensqualität bieten.
Unfallchirurgie rettet immer mehr Schwerstverletzte
Das Problem: Während an den großen Spitälern mit Intensivstationen die Erfassung von Hirntoten als mögliche Organspender in Österreich weitgehend funktioniert, hinken kleinere Spitäler ohne Intensivstationen noch nach. Waren früher vor allem junge Menschen nach Motorradunfällen die "klassischen" Organspender, hat sich in Richtung 45- bis 60-Jähriger nach Gehirnblutungen (Bluthochdruck) verschoben. Die moderne Unfallchirurgie rettet eben immer mehr Schwerstverletzte. Gerade Patienten mit Hirnblutungen aber kommen oft auch in kleinere Krankenhäuser.
Gesetzliche Widerspruchslösung
Österreich ist bei den Organtransplantationen einfach deshalb so gut, weil hier in weiser Voraussicht eine gesetzliche Widerspruchslösung geschaffen wurde: Wer nicht zu Lebzeiten seinen Widerspruch zu einer Organentnahme dokumentiert hat, dessen Organe dürfen entnommen werden. Angehörige haben hier keine Entscheidungsgewalt.
Mühlbacher: "Ich bin ein entschiedener Verfechter dieser Widerspruchslösung. Es ist für die Angehörigen schlimm genug, wenn sie einen Verwandten verlieren. Da muss man ihnen nicht auch noch die Entscheidung über eine Organentnahme aufbürden." Nur zehn Prozent der Angehörigen wären wohl dagegen. Wo immer es geht, wird mit den Angehörigen ein Aufklärungsgespräch geführt. Reiter: "Ich sehe das als ethische Pflicht an, mit den Angehörigen entsprechende Gespräche zu führen."
Organ- und Transplantationstourismus
Das einzige aber, was unerwünschte Entwicklungen wie Organ- oder Transplantationstourismus verhindern kann, ist die Beseitigung des Engpasses an in den einzelnen Ländern aufgebrachten Organen. Mühlbacher: "Griechenland hat eine Organspenderrate von acht auf eine Million Einwohner und Jahr, England eine von 14, die Niederlande eine von zwölf und Deutschland eine von 14. Das sind erbärmliche Zahlen. Europa muss Organspendezahlen zusammen bekommen, die den österreichischen entsprechen." Oft gelingt das einfach nicht, weil eben die selben gesetzlichen Bedingungen wie in Österreich fehlen.
Halbwertszeit bei den Funktionsraten ist hoch
Die Halbwertszeit bei den Funktionsraten der transplantierten Organe ist hoch: Bei den Nieren beträgt sie neun bis zehn Jahre, bei Herz und Leber 14 bis 15 und bei der Lunge fünf bis sechs Jahr. Die Einjahres-Überlebensrate der Patienten beträgt 95 Prozent bei Nierentransplantationen und bei Leber und Herz 85 bis 90 Prozent.
Wie segensreich die Eingriffe sind, dokumentierte Horst Achatz, Präsident der Gesellschaft der Nierentransplantierten und Dialysepatienten (Wien, NÖ, OÖ): "Als ich zum ersten Mal an die Blutwäschemaschine angeschlossen wurde, ist die Welt für mich zusammen gebrochen." Mit der dritten transplantierten Niere lebt er nun schon seit 1991 - gut.
Nicht verwirren lassen sollte man sich durch eine neue Eurobarometer-Umfrage, bei der die Österreicher mit einer Zustimmungsquote zu Organspenden (bei sich bzw. bei Angehörigen) von 33 bzw. 35 Prozent ganz am Ende der EU-25-Staaten liegt. Die Fragen waren einfach falsch gestellt, weil sie wegen der gesetzlichen Regelung in Österreich einfach nicht relevant sind.
(apa/red)
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