Mittwoch, 30. Mai 2007

Grenzwert vielfach überschritten: Raab mit Chemikalien aus Lederfabrik verschmutzt

  • Boxmark leitet Schadstoffe in steirischen Fluss ab
  • Greenpeace fordert Maßnahmen seitens der Behörden

Untersuchungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace an den Emissionen der oststeirischen Lederfabrik Boxmark in den Fluss Raab haben zum Teil vielfach Grenzwert überschreitende Schadstoffbelastungen aufgezeigt. Die Ergebnisse wurden in Graz der Öffentlichkeit präsentiert, wobei die Aktivisten Maßnahmen seitens der Behörden und der Fabrik forderten. Boxmark soll innerhalb von zehn Tagen Pläne für die Einhaltung der Grenzwerte bis Ende des Jahres 2007 vorlegen, forderte Greenpeece. Seitens Boxmark hieß es gegenüber der APA, dass man erst nach Prüfung der Greenpeace-Unterlagen eine Stellungnahme abgeben könne.

Herwig Schuster, Greenpeace-Chemiker, sagte, dass selbst er die Probleme rund um den Raabschaum erst nicht ernst genommen habe. Er ging davon aus, dass solch eine Verschmutzung nicht durch eine österreichische Fabrik verursacht werden könnte. Die nun gewonnen Ergebnisse durch die Untersuchung der Raab am Abwassereinlass von Boxmark in Feldbach habe ihm gezeigt, dass seine "Einschätzung falsch war". Die Werte hätten ihn an "Abwässer in Polen und Rumänien" erinnert.

Die höchsten Überschreitungen der für Boxmark geltenden Grenzwerte der Abwasseremissionsverordnung (AEV) von 1994 - ein neuerer Wasserrechtsbescheid wurde von den Behörden bisher nicht erteilt - wurden bei Phosphor gemessen. Die Analysen der beauftragten Labors in Österreich und Ungarn zeigten eine bis zu zehnfache Überschreitung. Bei den nicht wasserlöslichen Stoffen wurde ebenfalls eine zwei- bis dreifache Übertretung festgestellt. Die Eisenwerte lagen bis zu 40 Prozent über den Grenzwerten.

Die mutmaßlichen Schaumverursacher, die so genannten Naphthalinsulfonate, liegen "mindestens fünffach über dem Grenzwert" der neueren AEV, die nach wie vor für Boxmark nicht gelte, so Schuster. Er ortete eine "Verzögerungstaktik", die es möglich macht, dass die Fabrik mit einem seit 1999 ausgelaufenen Bescheid arbeitet. Ebenfalls "dringenden Handlungsbedarf" sah der Experte bei der Salzemission. Sie betrage auf das Jahr hochgerechnet rund 7.000 Tonnen. Die Salzkonzentration im Abwasser der Fabrik sei "fast mit Meerwasser vergleichbar". Anhand der Ergebnisse stehe für die Organisation fest, dass die Fabrik "mit großer Wahrscheinlichkeit Hauptverursacher" der Schaumbildung auf der ungarischen Seite der Raab sei.

Greenpeace forderte nun die Lederfabrik, die bisher immer behauptet hatte, die Grenzwerte einzuhalten, binnen zehn Tagen der Öffentlichkeit Maßnahmen und Zeitpläne zur Einhaltung der Schadstoffgrenzwerte vorzulegen. Bis Ende des Jahres 2007 soll dieses Ziel erreicht sein. Von den Behörden verlangten die Aktivisten indes eine rasche Ausstellung des neuen Wasserbescheids für Boxmark sowie einen bisher nicht festgelegten Grenzwert für Salzemissionen einzuführen. (apa/red)

30.5.2007 12:19