Pneumologen fordern striktes Rauchverbot:
Nicht genug Schutz durch Nichtraucherzonen
- Rauchen kein Kavaliersdelikt, sondern eine Krankheit
- Gastronomie-Arbeiter brauchen auch Recht auf Schutz
·Weltnichtrauchertag: Jährlich 5 Mio. Tote!
2,3 Mio. Österreicher hängen am Glimmstängel
·Umfrage: Österreich ist für Rauchverbote
Im EU-Vergleich dennoch geringste Zustimmung
·Alle Züge ab sofort rauch- und qualmfrei
PLUS: In EU wird es für Raucher immer enger
·Strafen bei fehlenden
Nichtraucherzonen!
Ministerin Kdolsky will ab 2008 hart durchgreifen
·Lokale: Generelles Rauchverbot bleibt aus
Nichtraucher-Zonen: Die Betriebe hinken hinterher
Nichtraucherzonen bieten laut der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) keinen ausreichenden Schutz vor Passivrauchen. "Das geht nur durch Rauchverbote", betonte Sylvia Hartl, Generalsekretärin der ÖGP und der Europäischen Gesellschaft der Lungenspezialisten (ERS), bei einer Pressekonferenz in Wien, anlässlich des bevorstehenden Weltnichtrauchertags am 31. Mai. Othmar Karas, Leiter der ÖVP-Delegation und Vizepräsident der EVP-ED Fraktion im Europäischen Parlament, pflichtete bei. "Wir wissen, dass der Schutz nicht mit Nichtraucherzonen schaffbar ist", so der Politiker.
Rauchen sei nicht nur eine Frage der Verantwortung gegenüber sich selbst, sondern auch gegenüber seinen Mitmenschen und der Gesellschaft, betonte Karas. Insofern stelle sich der Gesellschaft die Frage, ob unter dem Deckmantel der Freiheit eine selbstzerstörerische Tätigkeit als Kavaliersdelikt abgetan werden solle. Rauchen sei kein Kavaliersdelikt, sondern eine Krankheit.
Die EU habe in einem Aktionsprogramm mehrere Punkte zum Nichtraucherschutz vorgesehen, so Karas. Teile davon seien die Informationskampagnen "Help" für ein rauchfreies Leben, der Aktionsplan "Umwelt- und Gesundheit 2004 - 2010" mit einer Verpflichtung zur Verbesserung der Luftqualität in Innenräumen sowie ein Grünbuch für ein rauchfreies Europa. Dies soll mögliche Strategien auf EU-Ebene aufzeigen.
Arbeitnehmer in der Gastronomie seien im Vergleich zu anderen Berufsgruppen einer Ungleichheit ausgesetzt und hätten wie jeder andere das Recht, geschützt zu werden, kritisierte Hartl. Regelmäßiges Passivrauchen erhöhe das Sterblichkeitsrisiko bei Nichtrauchern um 30 Prozent. Laut einem Experiment des Deutschen Krebsforschungszentrums sorgen bereits drei glimmende Zigaretten in einem 60 Quadratmeter großen Raum für eine Überschreitung der europäischen Grenzwerte um das Siebenfache.
Eine Nichtraucherzone in einem Lokal sei wie eine "Lulu-Ecke im Swimmingpool", betonte Hartl. Selbst Entlüftungsmaßnahmen würden keine Schadstoffe aus der Atemluft im gesamten Lokal fern halten. Man könne daher nur an Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky appellieren, dies bei dem geplanten neuen Gesetz zum Nichtraucherschutz zu berücksichtigen. Weiters hoffe man, dass die Ministerin das Rahmenprogramm für einen weltweiten Nichtraucherschutz der "Global Smokefree Partnership" unterschreibe. Führende Gesundheitsorganisation hätten darin acht Regeln für den Schutz vor Passivrauchen festgeschrieben. Karas kündigte an, morgen, Mittwoch, Kdolsky das Papier bei einem Gespräch in Brüssel vorlegen zu wollen.
Rauchen verursache 500.000 Todesfälle pro Jahr in der EU. Passivrauchen koste rund 80.000 EU-Bürger jährlich das Leben. In Österreich stirbt alle 40 Minuten ein Mensch an den Folgen des Rauchens.
(apa/red)
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