Donnerstag, 31. Mai 2007

Buchkritik: Die 50 größten Bio-Lügen - Was aus Ihrem Einkaufskorb wirklich gesund ist

  • Traurig, aber wahr: Bio-Kühe sind viel ärmer dran
  • Aufgrund diverser Bio-Siegel herrscht Chaos im Regal

Sie sind ein Bio-Fan? Sie sind davon überzeugt, dass wo Bio draufsteht, auch Bio drin ist? Dass Bio keine Zusatzstoffe bedeutet? Oder glauben, dass Bio zumindest besser schmeckt? Vergessen Sie die meisten der Illusionen, die im derzeitigen Hype rund um die Bio-Branche von Werbestrategen und Lebensmittelherstellern wohl nicht ganz zufällig und aufs subtilste genährt werden. Denn wer „Die 50 größten Bio-Lügen“ des Autorenduos Markus Groll und Gernot Loitzl zur Hand nimmt, verliert seine ökologische-naive Unschuld.

So etwa beim stärksten Verkaufsargument mancher Öko-Marktstrategen, dass gesünder ist, wer mehr Bio isst. Nach Durchsicht der wichtigsten internationalen Studien kommen die Autoren zu der ernüchternden Erkenntnis, dass die Wissenschaft derzeit einfach keinen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Verzehr von Bio-Lebensmitteln und besserer Gesundheit herstellen kann. Was etwa auch daran liegt, so die Autoren, dass der angebliche Vitaminvorteil von Bio ein reiner Marketing-Gag ist.

Kein gesundheits-relevanter Unterschied
Zum einen differiere der Vitamingehalt von Obst und Gemüse
weit eher nach Kriterien wie Standort, Reifegrad, Liegedauer,
Sorte, Sonneneinstrahlung der Obst- oder Gemüseprodukte als nach ihrer Produktionsweise. Wer scharf auf Vitamin C aus Äpfeln ist, finde es beispielsweise eher in der Sorte Braeburn als in Golden Delicious, und nicht etwa diskriminiert nach dem Kriterium bio oder nicht. Und wenn es einen Unterschied gibt, dann ist der so gering, dass er gesundheitlich nicht mehr relevant ist – zumindest in jenen Regionen der Welt, in denen Mangelernährung kein Schicksal ist.

Bio-Kühe leiden länger im Transporter
Bei der Aufarbeitung mancher Themen werden Bio-Fans echt enttäuscht – mit voller Absicht der Autoren! Denn Loitzl und Groll, selbst Bio-affin, möchten ihren Beitrag als Ent-Täuschung, Aufklärung hin zum entscheidungsfähigen Konsumenten verstehen: Wussten Sie etwa, dass es für Bio-Kühe keineswegs eine Sonderregelung zum Transport in den Schlachthof gibt? Im Gegenteil, so die bittere Erkenntnis: Weil es viel weniger bio-zertifizierte als konventionelle Schlachthäuser gibt und die Bauern in der Regel weniger Tiere abgeben, müssen die Transportrouten über längere Strecken geführt werden, um eine rentable Größenordnung zu erreichen.

Bio-Chaos!
Und wer hätte gedacht, dass die oft verteufelten
Glashaustomaten ganz legal ein Bio-Siegel tragen dürfen. Zumindest in Österreich ist das Beheizen mit den Bio-Richtlinien durchaus kompatibel. Auch der staatliche Agrar-Vermarkter AMA, der eben eine große Bio-Kampagne gestartet hat, bekommt sein (Bio-)Fett weg: Immerhin sei er an der statistisch messbaren Verunsicherung der Konsumenten bezüglich des Durcheinanders bei den Biosiegel alles andere als unschuldig.

Kompakt und überschaubar
In fünf großen Kapiteln lassen die beiden Autoren so gut wie keines der beliebtesten Bio-Klischees aus. Sie relativieren die angeblich besseren inneren Werte von Bio-Food („Besser Essen“ = Inhaltsstoffe), klären auf, wann Ei, Milch Huhn & Co wirklich Bio sind – und wann nicht („Tolle Knolle“ = Produkte). Groll und Loitzl entlarven, wie und wo vermeintlich Bioware an den Konsumenten gebracht wird („Gesunde Geschäfte“ = Marketing), untersuchen, was Bio-Landwirte versprechen – und nicht halten können („Grüne Erde“ = Landwirtschaft) und analysieren kritisch, wer aller mit dem Zusatz Bio wirbt – aber wenig damit zu tun hat („Besser Leben“ = Non-Food).

Wissenswerte Infos in ödem Layout
Wir wissen: Das Auge isst mit! "Die 50 größten Bio-Lügen" zu lesen, lohnt sich ob seines strukturierten Aufbaus und der verständlich aufbereiteten Informationen. Dem Autoren-Duo gelingt es, interessante Fakten mit feinem Sarkasmus zu würzen, was zu einem lockeren Lesevergnügen führt. Nichtsdestotrotz lässt das fade Cover-Foto leider auch auf die öde Bebilderung im Buchinneren schließen. Doch lassen Sie mögliche optische Vorurteile bei Seite und informieren Sie sich über unser aller Lebensmittelangebot. Schließlich schmeckt ja auch ein Schnitzel viel besser als es aussieht! (red)

Groll Markus und Gernot Loitzl: Die 50 größten Bio-Lügen - die gängigsten Irrtümer rund um glückliche Kühe und gesunde Geschäfte". Wien: Hubert Krenn Verlag 2007

Preis: 16,90 €


www.hubertkrenn.at

31.5.2007 15:42