Von Holland aus zur Weltspitze navigiert:
Der Navi-Marktführer TomTom im Porträt
- Marketing-Vorstand Alexander Ribbink im Gespräch

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Biker-Version und Update
mit XL-Screen vorgestellt
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SiRF und Motorola gehen neue Kooperation ein
Gouda, Tulpen und Coffeeshops sind klar eine holländische Domäne - heute sind es auch Navigationssysteme. Das weiß nur keiner, nicht einmal die Niederländer selbst. Dass der Marktführer bei Navigationssystemen TomTom eine Amsterdamer Firma ist, wissen die wenigsten Grachtenbewohner, obwohl die Marke sogar im niederländischen Wörterbuch steht - als Synonym für GPS-Navigation - und ein Gattungsbegriff geworden ist wie iPod für Musikplayer.
Perfektes Marketing ist aber nur ein Teil dieses europäischen Start-up-Traums, der in nur vier Jahren demonstrierte, wie aus einer kleinen Klitsche an der Amsterdamer Rembrandtplein ein Konzern mit 1,3 Milliarden Euro Umsatz (222 Mio. Euro Gewinn) und 800 Mitarbeitern in 25 Ländern wird.
Die Basis legten die beiden Techniker Peter-Frans Pauwels und Pieter Geelen, die 1991 mit dem Betriebswirt Harold Goddijn als Geschäftsführer die Firma gründeten. Goddijn stieg bald wieder aus und wurde Vertriebspartner für Psion (Anm.: einstiger Pionier für Organizer). Erst 2001 stieg er mit zwei Millionen Euro wieder in die 20-Mann-Company TomTom ein, die zwar eine gute Navisoftware entwickelt hatte, aber abgesehen von ein paar Geschäftslösungen nicht recht vom Fleck gekommen war.
Goddijn überwand auch die Katerstimmung nach dem Dot.com-Crash schnell und gab die Marschrichtung vor: ein günstiges und einfach zu bedienendes Navigationssystem für Otto Normalverbraucher, der gar nicht erst merken sollte, "wie kompliziert es ist, das Signal eines Satelliten auf eine digitale Karte zu übersetzen und zeitgleich die Software dazu zu bewegen, links oder rechts zu sagen", wie es Marketing-Vorstand Alexander Ribbink beschreibt. Mit einer konsequenten Vermarktungsstrategie eroberten - oder besser schufen - die Holländer in vier Jahren einen rasant wachsenden Markt. Das Navi war kein Edelprodukt mehr, das sich nur in einigen Luxuskarossen fand, sondern ein Gebrauchsgegenstand, den es beim Elektronik-markt um die Ecke um wenige Hundert Euro gibt.
Die Klinkenputzerei und das Händeschütteln auf Messen erledigten die Gründer selbst, bis sie Media Markt / Saturn überzeugt hatten - was den Durchbruch brachte. Ribbink: "Wir waren die Ersten, die die Dinger so designt haben, dass sie nicht nur Ingenieure, sondern ganz normale Autofahrer bedienen konnten."
Die Firma explodierte, 2005 erfolgte der Börsengang und machte die Gründer zu Millionären. Goddijns Zwei-Millionen-Investment wurde mit 100 Millionen belohnt. Heute rangiert die Company in einer Liga mit dem holländischen Nationalheiligtum Philips, wo Mitgründer Pieter Geelen einst seine Brötchen verdient hatte.
Entwicklungsarbeit und Design passieren nach wie vor in Amsterdam und dem zweiten Hauptquartier in London, gefertigt wird in Taiwan. TomTom ist so unglaublich schnell an die Spitze geschossen, dass der Geist aus der Start-up-Zeit noch durch die Büros weht. "Es ist für uns nicht immer leicht, das Wachstum zu planen. Wir arbeiten lang und hart, aber der Erfolg setzt ungeheure Energie in den Leuten frei." Die wird derzeit voll in die USA-Expansion investiert (Marktanteil 20 Prozent). Dort streitet man gerade mit dem Konkurrenten Garmin vor Gericht darüber, ob das TomTom-Design "geklaut" wurde.
Zudem arbeiten die Holländer ständig an der technischen Weiterentwicklung, kaufen immer wieder Spezialfirmen zu und wollen mit Lösungen auch den Firmenmarkt erobern. Es gibt einiges zu verteidigen - denn die Konkurrenz kommt von mehreren Seiten, etwa in Gestalt der Handyhersteller, was Ribbink aber noch kalt lässt: "Viele reden davon und wenige verdienen Geld. Der Bildschirm ist klein und der Akku bald leer."
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