Dienstag, 22. Mai 2007

FORMAT zeigt Chips, die in Mode kommen:
RFID-Technologie kurz vor dem Durchbruch

  • Chips bald auch auf Warenetiketten, Flugtickets & Co.
  • Hemmschuh für Verbreitung derzeit noch hohe Kosten

Berührungslose Funkchips sind technisch ein alter Hut. Dass das Thema jetzt aber breitenwirksam wird, liegt nicht bloß daran, dass derzeit viele Hersteller das große Geschäft wittern und alten Wein in neue Schläuche schenken, sondern auch an einigen Fortschritten der RFID-Technologie in letzter Zeit.

Pioniere in der Industrie beeindruckt das Grundprinzip von RFID schon lange nicht mehr. In der produzierenden Industrie wird RFID schon fleißig eingesetzt. Siemens, heute einer der großen RFID-Verfechter, nützt RFID bei der Produktion von Schaltgeräten in seinem Gerätewerk Amberg bereits seit 15 Jahren. Die Chips enthalten sämtliche Produktionsdaten und werden vor und nach jedem Fertigungsschritt ausgelesen; so kann das Werk die unterschiedlichen Varianten vollautomatisch steuern. Das funktioniert ohne händische Manipulationen und ohne Netzzugang, da die Daten am Chip das Produktionsprogramm direkt steuern. Zudem hilft das System bei der Qualitätssicherung, da sich defekte Module praktisch selbst aussortieren.

155.000 Euro betrugen die Investitionen in die Infrastruktur, 35.000 mehr, als eine Barcode-Lösung gekostet hätte. Diese Differenz konnte das Werk bereits im ersten Jahr zweifach wieder einspielen, durch höhere Durchlaufzeiten - und damit mehr Umsatz - und den Wegfall von Datenbanken und Ausgabegeräten.

Dennoch sind die Kosten für die RFID-Tags einer der Hauptgründe, warum sie noch nicht allerorts eingesetzt werden. Schließlich sind andere Branchen gegenüber der produzierenden Industrie in einem deutlichen Nachteil: Ihre Tags müssen am Produkt bleiben und können nicht im Werk für den nächsten Durchlauf wiederverwendet werden. Sollen Tags für Anwendungen in großer Masse eingesetzt werden, summieren sich die Chipkosten schnell.

Den Chip billig und massentauglich zu machen, hat sich die Siemens-Tochter PolyIC zum Ziel gemacht. Ihre Tags werden als Massenprodukt vor allem für kurzlebige Produkte hergestellt: Warenetiketten, Gepäckanhänger oder auch Flugtickets. Die Tags sind foliendünn und werden in einer Art überdimensionalem "Tintenstrahldrucker" produziert.

Im Gegensatz zu den teureren Silizium-Chips lassen sich die hier verwendeten Polymere zu "Tinten" verarbeiten, die schnell und kostengünstig auf Folien aufgetragen werden. Während traditionelle Chips nicht um unter 10 Cent produziert werden können, soll dies mit den Kunststoff-Chips gelingen. Die Messlatte liegt bei einem Cent pro Tag. So könnte eines der viel zitierten Szenarios vom Zukunftssupermarkt, in dem alle Produkte bzw. deren Verpackung eine dieser intelligenten Etiketten enthalten, tatsächlich Realität werden.

Ein weiteres Szenario zeigte der Firmensoftware-Marktführer SAP in seiner "Future Factory" auf der CeBIT: Tags in Medikamentenpackungen ermöglichen es Kontrolleuren der Hersteller, mit einem handelsüblichen Organizer und Lesegerät in der Apotheke direkt zu prüfen, ob das Medikament erstens echt ist und zweitens nicht über den Graumarkt geliefert wurde.

Der RFID-Chip kommuniziert dabei über die Verbindung des Organizers direkt mit der zentralen Firmendatenbank, die die Produktionsdaten auf dem Weg überprüfen kann.

Wann die billigen RFID-Chips nun tatsächlich die Welt erobern, hängt von zwei Faktoren ab. Tags sollten nur für Befugte auslesbar sein und zudem fälschungssicher. Sollen RFIDs Identitäten nachweisen, muss es unmöglich sein, sie zu kopieren. Für die Dosenbohnen an der Supermarktkasse ist die Gefahr von "geklonten" RFIDs freilich gering; werden hochwertigere Güter damit geschützt oder dienen die Tags gar dem Zutritt zum Firmengelände, wird das Risiko ungleich höher. Die klassischen Tags, die im Prinzip nicht viel mehr als ein Barcode-Ersatz sind, senden ihre Seriennummer im Klartext aus.

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22.5.2007 08:36