50.000 Österreicher sind Internet-Junkies:
Experten fordern stärkere Sensibilisierung
- Jugend wegen Konsumsozialisation extra gefährdet
- Mehr Forschung, Prävention und Therapie notwendig

·Internet-User surfen am meisten bei Google
Suchriese erstmals vor Microsoft positioniert
·Über zwei Millionen Chinesen websüchtig
Wenig Abwechslung an Schulen und zuhause
·Stundenlang aus der realen Welt entflohen
Rund ein Achtel der US- Bürger internetsüchtig
·Jeder zehnte Web-User spielesüchtig
Videospiele und Alkohol mit ähnlichen Symptomen
Rund 50.000 Österreicher sind Internet-Junkies. Das gab das "Institut Suchtprävention" anlässlich einer Tagung bekannt. Knapp zwei Drittel der Betroffenen halten sich überwiegend in Chatrooms auf, der Rest seien "pathologische" Computerspieler.
Sucht hat nicht unbedingt mit Alkohol oder illegalen Drogen zu tun. Statt Substanzen kann auch ein "Kick", ein durch ein Verhalten ausgelöster Erlebniszustand, abhängig machen. "Die Betroffenen verdrängen zum Beispiel durch suchtartiges Kaufen, Glücksspiel oder Computerspielen negative Gefühle wie Frustrationen, Ängste oder Langeweile", erklärte Christoph Lagemann, Leiter des Instituts Suchtprävention. Die Kennzeichen einer Verhaltenssucht seien u.a. der unwiderstehliche Drang, dem Verhalten nachzugehen, der Verlust der Kontrolle über beispielsweise Geld und Entzugserscheinungen.
Schuldenfalle Internet
Der Grund, warum junge Menschen stärker gefährdet sind, liege in der Konsumsozialisation: Kinder und Jugendliche würden über mehr eigenes Geld als früher verfügen und seien gleichzeitig in viel größerem Ausmaß dem Einfluss von Medien und Werbung ausgesetzt als dies in der Generation ihrer Eltern der Fall war. "Marken haben die Rolle von Identitätsstiftern übernommen", erklärte Lagemann. Bankomat- und Kreditkarten bzw. Einkaufen im Internet würden den Kontrollverlust über das eigene Kaufverhalten begünstigen.
Sensibilisierung gefordert
Im Kampf gegen Verhaltenssüchte sei mehr Forschung, Prävention und Therapie nötig, betonte der Experte. Der aktuelle Stand der Erhebungen sei noch nicht zufrieden stellend, es brauche mehr repräsentative Studien als Basis für Prävention und Behandlung. Derzeit seien Verhaltenssüchte in den internationalen Krankheitskatalogen wie jenen der WHO nicht einmal offiziell als Suchterkrankung anerkannt, obwohl es eindeutige Parallelen zu beispielsweise Alkoholismus gebe. "Das wirkt sich negativ auf die zur Verfügung gestellten Gelder aus", so Lagemann. (apa/red)
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