Wachstumsprognose für Österreich erhöht: OECD erwartet BIP-Anstieg um 3,2 Prozent
- Ausgeglichener Staatshaushalt vermutlich erst 2010
- Auch Weltwirtschaft befindet sich in einer Bestform
Die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) hat ihre Wachstumprognose für Österreich für 2007 kräftig nach oben revidiert, die Konjunktur dürfte sich heuer gegenüber dem Vorjahr nur leicht abschwächen. In ihrem veröffentlichten "World Economic Outlook" rechnet die Organisation nun für heuer mit eine Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 3,2 Prozent, in der Herbstprognose im November waren nur 2,5 Prozent erwartet worden.
Gegenüber 2006 mit einem BIP-Anstieg von 3,4 Prozent bedeutet die jüngste Prognose nur einen leichten Wachstumsrückgang. 2008 dürfte sich die Konjunktur aber dann stärker abschwächen. Die OECD rechnet nun in der Frühjahrsprognose mit einem BIP-Plus von 2,6 Prozent für 2008, verglichen mit plus 2,4 Prozent in der vorigen Prognose.
Die OECD ist in ihrem Wirtschaftsausblick etwas optimistischer als die heimischen Wirtschaftsforscher zuletzt: Das Wifo ging in seiner März-Prognose für 2007 von einem Wachstum von 3,0 Prozent aus, das IHS von 2,9 Prozent. Für 2008 erwartet das Wifo ein BIP-Plus von 2,4 Prozent, das IHS von 2,6 Prozent. In seiner Schnellschätzung für das erste Quartal 2007 hat das Wifo ein Wachstums von 3,2 Prozent errechnet.
Das BIP werde sich heuer und im kommenden Jahr unter dem Einfluss einer Verlangsamung von Nettoexporten und Investitionen abschwächen, schreibt die OECD. Die Inflation (HVPI) könnte bis 2008 auf 1,9 Prozent (nach 1,6 Prozent 2007 und 1,7 Prozent 2006) leicht steigen, wenn sich die gesamtwirtschaftliche Produktion der vollen Kapazitätsauslastung annähere. Die Arbeitslosigkeit befinde sich trotz der anhaltenden Zunahme des Arbeitsangebots im Abwärtstrend.
Obwohl das Haushaltsdefizit in diesem und im kommenden Jahr zurückgehen werde, dürfte sich der konjunkturbereinigte Haushaltssaldo leicht verschlechtern. Die Regierung sollte daher die lebhafte Konjunktur nutzen und strukturpolitische Maßnahmen einführen, um ehrgeizigere Haushaltsziele zu erreichen. Die Verabschiedung eines mittelfristigen Ausgabenrahmens würde diesen Anstrengungen förderlich sein, so die OECD. Die neue Regierung habe im Vergleich zu ihrer Vorgängerin einen langsameren Pfad der Haushaltskonsolidierung gewählt.
So dürfte der Haushaltssaldo des Staates "zumindest bis 2010 im Defizit verharren, statt 2008 ausgeglichen zu sein, was sich z.T. aus den Einmalkosten im Zusammenhang mit dem Kauf von Militärflugzeugen erklärt".
Zum Erreichen eines ausgeglichenen Haushaltes bis 2008 bedürfe es wahrscheinlich zusätzlicher Anstrengungen, vor allem bei den Transferleistungen und Beihilfen sowie den föderalen Finanzbeziehungen.
Hauptwachstumsmotor 2006 sei die solide Auslandsnachfrage vor allem aus den Nicht-EU-Ländern gewesen. Belebt hätten sich auch die Investitionen. Das Wachstum des privaten Konsum sei auf Grund der verhältnismäßig moderaten Erhöhung der verfügbaren Realeinkommen der privaten Haushalte und ihrer in der Tendenz steigenden Sparquote gedrückt. Dennoch habe sich das Konsumklima im Jahresverlauf 2006 stetig aufgehellt.
Konjunkturabschwächungen im Euroraum und in den USA werden das Exportwachstum 2007 und 2008 voraussichtlich etwas dämpfen, was vor allem 2008 zu einer geringeren Investitionstätigkeit führen dürfte. Das sich aufhellende Konsumklima lasse aber gleichzeitig eine kräftige Belebung der Verbrauchernachfrage erwarten. Der private Konsum sollte heuer um 2,1 Prozent wachsen, 2008 dann um 2,3 Prozent. Bei der Arbeitslosenrate erwartet die OECD für heuer und für das kommende Jahr jeweils 5,3 Prozent, nach 5,5 Prozent 2006.
Das Wachstum könnte sich aber negativer entwickeln als prognostiziert, wenn sich die Konjunktur in Europa und den USA stärker abschwäche als erwartet. Günstiger verlaufen könnte die Entwicklung, wenn sich das Konsumklima deutlicher verbessere als angenommen. Bei der Inflation seien die Ölpreise und die Löhne im Inland der größte Unsicherheitsfaktor. Ein weitere Aufwertung des Euro würde einen Abwärtsdruck auf die Inflation auslösen, gleichzeitig aber auch die Exporte schwächen.
Auch Weltwirtschaft in Bestform
Die Weltwirtschaft befindet sich nach Einschätzung der OECD in Bestform. "In der Tat ist die Wirtschaftslage gegenwärtig in vielerlei Hinsicht besser, als wir sie in den letzten Jahren erlebt haben", heißt es in dem Ausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Besonders in Europa seien die konjunkturellen Aussichten rosig: Die OECD rechnet hier mit einer "starken und dauerhaften" Erholung, so dass Europa die USA als Motor des weltweiten Aufschwungs ablösen kann. Doch auch in den USA dürfte die Wirtschaft nach einer sanften Landung allmählich wieder in Fahrt kommen.
Das Wachstum in der Euro-Zone taxiert die OECD in diesem Jahr auf 2,7 Prozent und im kommenden Jahr auf 2,3 Prozent - nach 2,8 Prozent im vergangenen Jahr.
(apa/red)

