24.5.2007 11:04

"Ganz Österreich wird kopfstehen!": EURO-Organisator Heinz Palme im Interview

  • Asfinag verspricht EM-Autobahnen ohne Baustellen
  • Deutsche Fans hätten durch Teamstärke Heimvorteil

Der 48-jährige Steirer Heinz Palme übt bei der EURO 2008 eine Doppelfunktion aus. Einerseits ist er EURO-Koordinator der österreichischen Bundesregierung, andererseits Geschäftsführer des Vereins "2008 - Österreich am Ball", eine der drei Säulen, auf denen die gemeinsam mit der Schweiz stattfindende Fußball-Europameisterschaft in Österreich steht.

Der ehemalige Generalkoordinator der Fußball-WM-Endrunde 2006 gibt im Interview mit der APA Einblick, wie weit die Vorbereitungen in den heiklen Bereichen Sicherheit, Verkehr und Stadien gediehen sind und erläutert, warum Autofahren auf Autobahnen während der EURO in Österreich richtig Spaß machen wird. Außerdem zieht er Vergleiche zwischen Deutschland und Österreich, erklärt, warum der deutsche Fan begeisterungsfähiger ist als der rot-weiß-rote und verrät, dass Franz Beckenbauer schon früher als Österreich auf ihn gesetzt hat.

APA: Herr Palme, wie fühlen Sie sich in der Doppelrolle - sind das zwei Funktionen, die sich gut ergänzen, oder doch zwei verschiedene paar Fußballschuhe?

Palme: "Es ist eine gute Kombination, allerdings sehr fordernd und anstrengend, weil es doch unterschiedliche Ausrichtungen sind. Der Koordinator-Job ist Moderieren, Koordinieren, die Menschen zusammenbringen, die letztlich auch wichtige Vorbereitungen zu treffen haben - Infrastruktur, politische Entscheidungen. Bei 'Österreich am Ball' geht es ganz stark ums Kreieren, Kreatives voranbringen, ums Stimmung machen."

Was liegt Ihnen mehr, die Motivator- oder die Vermittlerolle?

"Ich habe beides schon gemacht in meinem Leben, irgendwie habe ich immer Jobs gehabt, die das Ganzheitliche umfasst haben, das ist auch das Reizvolle daran. Ähnlich war es bei der Weltmeisterschaft in Deutschland, wo auch alles enthalten war, der ganze bunte Strauß an Blumen, der da irgendwo auch gepflegt werden musste. Wenn man mittendrin steckt, dann gibt es sowieso keine andere Wahl, dann geht es eh nur mitten durch den Dschungel, der sich natürlich aufgetürmt hat im Vorfeld. Es ist eine Riesenoperation, es ist die drittgrößte (Sport/Anm.-)Veranstaltung der Welt und dementsprechend breit gefächert sind auch die Aufgaben."

Als Regierungskoordinator befassen Sie sich mit heiklen Bereichen wie Sicherheit, Verkehr und Stadien. Wo steht Österreich ein Jahr vor der EURO?

"Österreich steht sicher sehr gut da, von den grundsätzlichen Aufgabenstellungen liegen wir voll im Plan. Es gibt sicher viele Detailfragen, die noch gelöst werden müssen, aber das wichtigste ist, dass das Verständnis für die Aufgaben da ist, das Verständnis dafür, dass man rechtzeitig fertig sein muss. Ein wesentlicher Punkt ist, dass die Stadien voll im Zeitplan liegen oder sogar vor dem Zeitplan."

Sicherheit ist ein Schlüsselthema. Wie laufen die Vorbereitungen?

"Am Sicherheitskonzept wird schon seit Jahren gearbeitet. Und da hat sich die günstige Konstellation ergeben, dass Deutschland als WM-Ausrichter Nachbarland war, und Österreich und die Schweiz schon von Beginn an in die diversen Besprechungen immer miteinbezogen waren. Sie konnten somit das ganze Know-how schon lange vor der WM in Deutschland mitnehmen. Das Sicherheitskonzept kann man mit gewissen Abweichungen aber doch wesentlich 1:1 übernehmen."

Ist das Verkehrskonzept auf Straßen und Schienen schon richtig geknüpft oder noch ein verworrener Knoten?

"Ein Riesenbonus ist das Bekenntnis der Asfinag (Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft, Anm.), dass 2008 während der EURO Österreichs Autobahnen baustellenfrei sein werden. Das ist wahrscheinlich etwas Historisches, das hat es vermutlich in der Geschichte der Autobahnen noch nie gegeben und wird auch nachher wieder schwer zu erreichen sein. Was das Kombiticket betrifft, gibt es noch Verhandlungen, aber das politische Commitment ist durch, die Abstimmungen mit der Schweiz sind durch. Die Lösung, dass man den öffentlichen Nahverkehr und auch den Fernverkehr mit einer Matchkarte nützen kann, ist auch unter dem Aspekt der umweltfreundlichen Spiele oder der nachhaltigen Entwicklung zu sehen."

Gibt es einen Bereich, der im Vergleich zu ihrer Tätigkeit in Deutschland in Österreich einfacher zu bearbeiten ist? Oder andersrum, was ist in der Alpenrepublik mühsamer?

"Einfacher ist die Größe des Events. Weil wir für Österreich nur vier Spielorte haben und nur 16 Spiele - beide nur unter Anführungszeichen - das macht es überschaubarer. Und ich habe fünfeinhalb Jahre WM gemacht, da geht man die Dinge sicher gelassener an. Schwieriger ist sicherlich der Aspekt, dass man mehr anschieben muss in Österreich, dass man den Leuten bewusst machen muss, welche Bedeutung dieses Turnier hat, welchen Stellenwert, welche Chance für Österreich damit gegeben ist. Das hat man in Deutschland in dieser Form nicht gebraucht, weil eine WM in Deutschland kennt man, das ist nichts Neues. Und da hat die Vorfreude schon früher eingesetzt."

Die Europameisterschaft steht in Österreich auf drei Standbeinen, der EURO 2008 SA, dem ÖFB und "2008 - Österreich am Ball". Wie sieht dieses Miteinander aus?

"Bisher funktioniert es sehr gut, was nicht so einfach ist, weil man ja doch irgendwo parallel arbeitet und jeder hat seine Zielsetzungen und Aufgaben. Als ich begonnen habe am 1. Oktober, habe ich gesagt, 'Jungs alle gleich zusammen an einen Tisch, tauschen wir uns aus, wo gibt es mögliche Synergien, wie können wir kommunizieren, wie darauf achten, dass wir nicht aneinander vorbeiagieren'. Ich glaube, es passt im Gesamtgefüge gut zusammen, wir haben einen gemeinsamen Terminkalender erstellt. Es ist schon sehr wichtig, dass man gut abgestimmt kommuniziert. Ansonsten besteht der Vorteil darin, dass wir uns alle ja jahrelang kennen. Es ist ein sehr gutes, kompaktes Miteinander."

Gibt es einen verbalen Austausch mit WM-Chef und Botschafter Franz Beckenbauer, mit dem Sie in Deutschland zusammengearbeitet haben?

"Man trifft sich ab und zu oder telefoniert. Es ist lustig, für ihn war immer klar, dass ich für die EURO arbeiten werde. Und ich habe immer gesagt, 'Franz, wie kommst du darauf? Ich habe kein Angebot'. Er sagte dann: 'Ich bin überrascht, das kann ja nicht sein, die werden dich brauchen.' Und jetzt beobachtet er das, er wird jetzt dann in Salzburg wohnen auf Grund seiner Beratertätigkeit bei Red Bull Salzburg und immer mehr in die EURO hineingehen. Aber ich glaube, er ist auch relativ froh, dass er nicht täglich mit der EURO zu tun hat. Natürlich hoffe ich, dass er die eine oder andere unserer Veranstaltungen von 'Österreich am Ball' besuchen wird, das hat er mir auch zugesagt."

Wer ist begeisterungsfähiger, der deutsche oder der österreichische Fußball-Fan?

"Der deutsche hat einen gewissen Heimvorteil, was Begeisterungsfähigkeit betrifft, weil in Deutschland natürlich die Dimensionen des Fußballs wesentlich größer sind. Der Fußball hat mehr Tradition, Deutschland ist es gewohnt, Weltmeister oder Europameister zu werden oder zumindest im Finale zu stehen. Damit ist eine Grundbegeisterungsfähigkeit natürlich da. Auf der anderen Seite wissen wir, dass es immer wieder gelingt, die Österreicher in das höchste Maß an Begeisterung zu treiben."

Wann haben Sie wahre Fußball-Euphorie in Österreich erlebt?

"Ich habe es selbst erlebt in meiner Tätigkeit beim ÖFB als Pressechef und vor der WM 1990 in Italien. Zwei Jahre vorher war die Mannschaft eigentlich bedeutungslos, wir hatten in der EM-Qualifikation gespielt vor 5.000 oder 7.000 Zuschauern im Praterstadion. Und dann beginnen wir mit der WM-Qualifikation und plötzlich springt der Funke über. Und am Ende war dann bei den Spielen gegen die Türkei und DDR das Stadion voll und die Menschen haben die Mannschaft eigentlich schon zum WM-Mitfavoriten gestempelt. Und im direkten Vorfeld der WM ist überhaupt der Super-Hype ausgebrochen, als wir dann gegen Europameister Niederlande gespielt und gewonnen haben und gegen Weltmeister Argentinien 1:1 gespielt haben. Also was da an Begeisterung los war, war gigantisch. Und ich glaube, das wird auch bei der EURO so sein. Die Menschen lassen es jetzt an sich herankommen, heranwachsen, und wenn die Mannschaft nur halbwegs gut spielt in der Vorbereitung, dann wird ein Super-Super-Hype entstehen und ganz Österreich wird Kopfstehen."

(apa/red)

24.5.2007 11:04
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