"Nacht der Schande": Krawalle in Türkei bringen Istanbuls Großklubs in die Bredouille
- Galatasaray-Fans randalierten während Stadt-Derby
- Rufe nach Zwangsabstieg für Großklubs werden laut
Das jüngste Fußball-Lokalderby zwischen den Istanbuler Traditionsklubs Galatasaray und Fenerbahce geht als "Nacht der Schande" in die Geschichte ein. Fans des Gastgebers Galatasaray sorgten bei der 1:2-Niederlage des Heimteams für die schlimmsten Ausschreitungen seit Jahren, Regierung, Vereine und Medien suchen nun nach Lösungen. Dabei wird in Zeitungen sogar die Forderung nach einem Zwangsabstieg der drei großen Istanbuler Klubs laut.
Das Derby zwischen Galatasaray und Fenerbahce war noch nie eine zahme Angelegenheit. Doch selbst die an Gewaltszenen gewöhnte türkische Öffentlichkeit reagierte geschockt auf das, was sich nun abspielte. Tausende Sitzschalen wurden zertrümmert und auf den Rasen geworfen, auch Feuerzeuge, Steine, Leuchtraketen und Handys regneten auf die Spieler herab. Fünfzehn Verdächtige wurden festgenommen, es gab Dutzende Verletzte, darunter 18 Polizeibeamte. Ein Polizist wurde so schwer verletzt, dass er erblinden könnte.
Die "Nacht, in der der Fußball starb", schrieb die Zeitung "Hürriyet", der frühere Wolfsburger Coach und jetzige Galatasaray-Trainer Erik Gerets sprach von "Barbarei". Fenerbahce stand schon vor dem Spiel als neuer türkischer Meister fest, nach Zeitungsberichten schmuggelten einige Galatasaray-Fans daraufhin schon zwei Tage vor dem Spiel ihre Leuchtraketen ins Stadion, um bei den Personenkontrollen nicht aufzufallen. Zudem stellte sich heraus, dass einige der mittels Fernsehaufnahmen identifizierten Gewalttäter bereits an der tödlichen Messerstecherei zwischen türkischen und britischen Fans vor sieben Jahren beteiligt waren.
In der türkischen Liga ist der extreme Fanatismus längst zur Normalität geworden. "Es ist eine Kultur, in der Siege nur die eigene Seite aufwerten und Niederlagen alles wertlos machen und die Zerstörungswut steigern", analysierte die Zeitung "Radikal". Der Kolumnist Okay Gönensin schlug deshalb radikale Schritte vor: Die drei großen Istanbuler Klubs Besiktas, Galatasaray und Fenerbahce, deren Fans für ein Großteil der wöchentlichen Gewalt in den Stadien verantwortlich sind, sollten zur Strafe in die zweite Liga abgestuft werden. Gegen einen solchen Einschnitt würden zwar wahrscheinlich "einige tausend Halunken protestieren", schrieb Gönensin. "Aber das ganze Land würde applaudieren."
(APA/red)

