"Pippo, das war einfach großartig": Milans Sieg sorgt für italienisches "Euro-Delirium"
- Filippo Inzaghi schoss Italiener "auf den Olymp"
- Liverpool-Held Gerrard "hat ein gebrochenes Herz"
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Als Kapitän Paolo Maldini Matchwinner Filippo Inzaghi umarmte und dann die wertvollste Trophäe des europäischen Klubfußballs in Händen hielt, war das älteste Sieger-Team der Champions-League-Geschichte am Ziel seiner Träume. "Das war unser größter Sieg. Fast keiner hatte ihn uns zugetraut, viele sprachen sogar von Utopie", jubelte Trainer Carlo Ancelotti nach dem 2:1-Finalsieg des AC Milan im Champions League-Finale gegen Liverpool und schwärmte: "Pippo, das war einfach großartig."
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Auch Italiens Medien feierten am Tag nach dem Final-Triumph "Super-Pippo", der aus zwei Chancen zwei Tore machte, euphorisch. "Matador Inzaghi rächt Milan mit einem Doppelschlag und stürzt Mailand ins Euro-Delirium. Die Legende lebt", titelte die "Gazzetta dello Sport" über Inzaghi, der Milan mit seinen Europacup-Treffern Nummer 57 und 58 "auf den Olymp" ("Liberta") geschossen hatte.
Die Revanche gegen die "Reds" für die bittere Finalpleite 2005 war gelungen und nach dem WM-Titel gehört nun auch der höchste kontinentale Cup den stolzen Italienern. "Seit ich ein kleines Kind war, habe ich von diesem Triumph geträumt", sagte der brasilianische Star Kaka mit Tränen in den Augen.
"Ich empfinde eine große Befriedigung über meine Tore. Aber das Wichtigste ist der Cup, eine wertvolle Auszeichnung", betonte Inzaghi. Kurios war, dass ausgerechnet der als "Spieler des Spiels" ausgezeichnete Angreifer bis zuletzt der einzige Wackelkandidat im Team war, ehe Ancelotti mit seiner Nominierung den siegbringenden Glücksgriff tat.
"Ancelotti war perfekt, Inzaghi mörderisch", lobte "L'Unione Sarda" die Hauptdarsteller. In England herrschte nach der verpassten Wiederholung von 2005 hingegen Ernüchterung. "Liverpools Träume werden zu Staub: Auf das 'Wunder von Istanbul' vor zwei Jahren folgte jetzt eine griechische Tragödie", titelte die "Times".
Neben Inzaghi, der erst einen Pirlo-Freistoß entscheidend abfälschte (45.) und dann einen Kaka-Traumpass eiskalt vollstreckte (82.), wurde besonders Maldini, der im achten Endspiel des Meistercups seinen fünften Titel holte, gefeiert. "Ich bin stolz, in diesem Team spielen zu dürfen. Und ich will noch einen Cup", betonte der fast 39-Jährige, der jedoch auch Milans Problem versinnbildlicht. Mit 31 Jahren und 34 Tagen stellen die "Rossoneri" die im Schnitt älteste Sieger-Elf in der Königsklasse.
Trainer Ancelotti erinnerte nach Milans siebentem Europacup-Sieg auch an weniger ruhmreiche Zeiten. "Viele Teams haben unter dem Fußballskandal in Italien gelitten. Daher ist das auch ein Sieg für den gesamten italienischen Fußball", betonte Ancelotti. Da sein Team nach einem Punkteabzug in der Qualifikation starten musste, wiederholte sich Geschichte: Auch 2003 hatte Milan nach diesem Umweg die Champions League gewonnen.
Liverpool-Held Gerrard "hat ein gebrochenes Herz"
Auf Seiten der Engländer regierte nach der Pleite im Athener Olympia-Stadion Katzenjammer. "Wir haben das Finale, eines der größten Spiele, das man mitmachen kann, verloren. Deswegen habe ich ein gebrochenes Herz", gestand Kapitän Steven Gerrard. Trotz klarer Überlegenheit der "Reds" stellte das 0:1 Sekunden vor dem Pausenpfiff den Spielverlauf auf den Kopf. "Wir waren in den ersten 45 Minuten sehr gut, aber im Fußball muss man auch Tore machen", beklagte Trainer Rafael Benitez.
Englands Medien stieß vor allem der erste Gegentreffer sauer auf. "Beraubt durch die Hand von Zag", titelte der "Daily Mirror", der "Daily Telegraph" erläuterte: "Filippo Inzaghis knochiger Oberarm sorgte bei den Engländern für schwere Schmerzen." Auch für Benitez war der erste Gegentreffer der Schlüssel zum Erfolg. "Milan ist gerade mit einem Vorsprung im Rücken eine Klasse für sich", analysierte der Spanier. "Und wenn man nicht aufpasst, dann killen sie einen."
(apa/red)
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