Krönt sich "Thronfolger" Hamilton in Monte Carlo zum Fürst? Spannung vor F1-Highlight!
- Saison-Höhepunkt voller Tradition, Glamour & Stars
- Jungstar Hamilton im Fürstentum noch ungeschlagen

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Der 65. Grand Prix de Monaco geht am Sonntag zum 54. Mal als Formel-1-Rennen in Szene. Begleitet von einem einzigartigen Star-Rummel beginnt auch heuer das viertägige Motorsport-Festival im Winzig-Fürstentum an der Cote d'Azur mit dem ersten Training. Und mit einem neuen "Fürsten". Der 22-jährige Engländer Lewis Hamilton kommt als jüngster WM-Führender aller Zeiten zum fünften Saison-Lauf.
30 Punkte und damit zwei mehr als sein McLaren-Teamkollege, Weltmeister Fernando Alonso, hat der Formel-1-Rookie nach vier Podestplätzen in vier Rennen auf dem Konto. Zumindest die Statistik lässt also glauben, dass Hamilton am Sonntag (ab 14:00 Uhr LIVE auf networld.at) ausgerechnet im "wichtigsten Rennen des Jahres" auch den ersten GP-Sieg seiner jungen Karriere einfahren kann. Denn Hamilton ist auf dem Stadtkurs ungeschlagen. 2005 gewann er in der Formel 3, im Vorjahr triumphierte er in der GP2.
Monaco hat für Fahrer und Fans eine nach wie vor magische Anziehungskraft, obwohl der Motorsport selbst - heuer sind mit der Formel 1, der GP2, dem Porsche-Supercup und der Formel Renault gleich vier Klassen am Start - in den engen und winkeligen Straßenschluchten eher ein sportlicher Anachronismus ist.
Der aber mehr als wett gemacht wird vom Glamour und der Tradition im Fürstentum. Das Promi-Fußball-Match im Stade Louis II. und eine dem sechsfachen Monaco-Rekordsieger Ayrton Senna gewidmete Ausstellung umrahmen ein langes Wochenende, zu dem Hollywood dank des benachbarten Film-Festivals in Cannes mit einer Dichte an Stars anrückt, wie sie sonst nur bei Oscar-Verleihungen zu sehen ist. Nur US-Skandalnudel Paris Hilton musste wegen ihres bevorstehenden Gefängnis-Aufenthalts ihren Monaco-Auftritt abblasen.
Monaco ist nach wie vor das einzige Rennen, das ausschließlich auf öffentlichen Straßen gefahren wird. Die Magnetwirkung des gefährlichen Tanzes zwischen den Leitplanken im Spieler- Steuer- und Heimschläfer-Paradies hat dafür gesorgt, dass mit Valencia, Singapur und später auch Abu Dhabi bereits weitere Stadtkurse am Entstehen sind. Aber an die Tradition (Rennen seit 1929), dem Glamour und die weltweite Anziehungskraft von Monaco wird so schnell wohl keines dieser neuen Retorten-Rennen herankommen.
Sportlich ist Monaco ein Paradoxon. Die kürzeste (3,340 km) Strecke mit der niedrigsten Durchschnittsgeschwindigkeit (150 km/h) und der langsamsten Kurve (45 km/h) ergibt das kürzeste Rennen (nur 260,520 km) des Jahres, um mit den 78 Runden durch die jeweils 19 Kurven und der Tunnel-Durchfahrt in zwei Stunden fertig zu sein. Nur für kurze Zeit sind die Autos nach dem Tunnel auch mal mit bis zu 280 km/h unterwegs. Aber Höchstgeschwindigkeit ist in Monaco nicht das Thema.
Vielmehr Bodenhaftung und Wendigkeit. Bridgestone stellt hier die weichsten Reifen des Jahres, denn nirgendwo ist Grip und Abtrieb so gefragt wie in den engen Straßen von Monaco. Zusätzliche Flügel für den Anpressdruck der 800-PS-Boliden sind ebenso angesagt wie - mangels langer Geraden - höchste Kühlung und Lenkeinschlag. Eine Runde dauert im Schnitt lediglich 75 Sekunden. Und jeden Tag wird der Kurs am Abend wieder für den Straßenverkehr geöffnet und ist damit auch am GP-Wochenende für Jedermann befahrbar.
Als "fast schizophren" hat der heuer erstmals fehlende Rekord-Weltmeister Michael Schumacher das Leitplanken-Billard in Monaco einmal beschrieben. Nirgendwo sonst ist der Grat zwischen Unfall und Sieg so schmal wie hier und nirgendwo sonst zählt die Startaufstellung so viel wie in Monaco, wo Überholen praktisch unmöglich ist. "Auf der Qualifying-Runde suchst du deshalb praktisch pausenlos Millisekunden, sonst bist du hier chancenlos", beschrieb Weltmeister Alonso die Herausforderung.
"Aber wenn man sich einen Grand Prix zum Siegen aussuchen könnte, wäre das immer hier", weiß auch der zweimalige Monaco-Sieger und aktuelle Red-Bull-Pilot David Coulthard um die Wirkung eines Sieges im Fürstentum. Und Vorjahres-Sieger Alonso gab zu: "Du schaust am Jahresbeginn auf den Kalender und weißt, dieses Rennen will ich gewinnen!" Für den Österreicher Alexander Wurz, der seit zehn Jahren im Fürstentum lebt, ist der Kurs eine Droge. "Fast schon eine Sucht!"
Ähnlich empfindet es auch Hamilton. "Hier einmal Formel 1 zu fahren, davon habe ich immer geträumt. Für mich ist das die beste Strecke des Jahres, denn nirgendwo sonst kommt das Adrenalin derart in Fluss wie hier. Hier gibt es keinen Platz für Fehler", sagte der Jungspund, von dem Landsmann Jackiey Stewart überzeugt ist, "dass er die Geschichtsbücher umschreiben wird!". Hamilton gab sich vor seinem Formel-1-Debüt in Monte Carlo jedenfalls forsch. "Für mich ist es hier immer gut gelaufen. Ich komme auch diesmal mit der Absicht, um den Sieg zu kämpfen."
(apa/red)
