Freitag, 25. Mai 2007

Skiverband um Beruhigung bemüht: ÖSV
zahlt in Olympia-Affäre 1 Mio. Dollar an ÖOC

  • Geld zweckgebunden für den Anti-Doping-Kampf
  • MITREDEN: Schröcksnadel Schuld an der Misere?
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Der Österreichischen Skiverband (ÖSV) ist um Beruhigung der nach den IOC-Sanktionen eskalierten Situation bemüht. Wie von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel angekündigt, hat das Präsidium des Skiverbandes beschlossen, dem Österreichischen Olympischen Comite (ÖOC) "unpräjudiziell" eine Million Dollar zweckgebunden zu überweisen.

"Dieser Betrag soll der Bekämpfung von Doping und der Verbesserung der medizinischen Betreuung insbesondere bei Olympischen Spielen dienen", hieß es in einer ÖSV-Aussendung vom Freitagabend. Darin wurde die Zahlung mit den Worten "um die in den letzten Wochen geführte Mediendiskussion um die Turin-Affäre zu beruhigen" begründet.

In der Aussendung heißt es weiter, das Präsidium des Österreichischen Skiverbandes verlange unabhängig von er Zahlung bis zur endgültigen Abklärung der Verantwortlichkeit und eines eventuellen Fehlverhaltens die Installierung eines unabhängigen Schiedsgerichtes, das mit Personen richterlicher Kompetenz besetzt sein soll. Das Schiedsgericht solle die Ereignisse im Zusammenhang mit der Affäre in Turin objektiv und lückenlos aufklären. Daraus resultierende Konsequenzen würden "zur Gänze" anerkannt, teilte der ÖSV mit.

Innauer: Selbstverständlich war es Doping
"Selbstverständlich war es Doping, da gibt es für mich keine Zweifel", sagte Toni Innauer, der ÖSV-Sportdirektor für Skispringen und Nordische Kombination in einem Interview mit dem "Standard" auf die Frage, ob es für ihn bei den Spielen in Turin Dopingfälle bei österreichischen Langläufern und Biathleten gegeben hätte.

Was die Stimmung innerhalb des ÖSV betreffe, so wären die Leute "ziemlich angefressen" auf die Dinge, die bei den Spielen in Turin vorgefallen sind. "Man hat das nicht differenziert genug dargestellt, es wurde zu wenig als große Krise eingeschätzt". Athleten fragten sich zu Recht, was sie dafür könnten und sie litten unter dieser Sippenhaftung. "Eine Sparte ist auf die andere böse."

Im Ausland wird das Ganze bewusst zur österreichischen Posse gemacht, das Image sei beschädigt. Es habe sich etwas hinter den Kulissen angebahnt, und viele hätten es unterschätzt, meinte Innauer. "Die Spannungen zwischen dem ÖSV und ÖOC bestehen ja nicht erst seit Turin. Ich bin selbst Olympiasieger, möchte aber weder Öl ins Feuer gießen noch ketzerisch klingen. Aber es gibt Sportarten, die ohne Olympische Spiele sehr gut leben. Ich denke an Fußball, Tennis oder Golf. Einem Tennisprofi ist der Titel in Wimbledon wichtiger als eine Goldmedaille. Das heißt, die Frage der Abhängigkeit sollte gar nicht gestellt werden."

Auf die Frage, wie man sinnvoll Doping bekämpfen könne, ob man Ausdauersportarten überhaupt verbieten sollte, meinte Innauer: "Nein, aber das Reglement muss natürlich auf die Biologie des Menschen passen. Es gibt eine Tradition im Sport, die gebrochen gehört. Der eventuell gedopt habende Athlet wird automatisch Trainer, man tritt immer selbst in die eigenen Fußstapfen." So sei keine Selbstheilung möglich, dazu wäre eine unabhängige Kraft von außen notwendig, die keine unmittelbaren Interessen habe.

Innauer hätte sich gewünscht, dass nach Turin sich auch auch einige ÖSV-Athleten (wie jetzt einige Radprofis) geoutet hätten, oder gewisse Trainer. "Aber die sind ja lieber in der Nacht einfach abgehauen." Ob Peter Schröcksnadel als ÖSV-Boss nun Schwierigkeiten bekomme? "Über den eigenen Chef spricht man nicht. Schon deshalb, weil die Leute sonst glauben, ich will es werden. Schröcksnadel ist der Beste und verdient kein Geld. Er wird gewatscht für Dinge, an denen er völlig schuldlos ist." Innauer fürchtet, es werde im Streit zwischen dem ÖOC und dem ÖSV "keinen Sieger, aber zwei Verlierer geben".

(apa/red)

25.5.2007 19:46