"Man sucht jetzt irgendwelche Opfer": Die Drohung des IOC schlägt weiter hohe Wellen
- Gandler stellt sich vor ÖSV-Präsident Schröcksnadel
- MITREDEN: Schröcksnadel Schuld an der Misere?
PLUS: Auszüge aus dem IOC-Protokoll im Wortlaut
·Das wurde bei ÖSV- Athleten gefunden
Auszüge aus dem IOC- Protokoll im Wortlaut
·Auszüge aus IOC-
Urteilsbegründung
Kritik an Verantwortung von ÖOC und ÖSV
·Weiter harte Fronten zwischen ÖSV & ÖOC
Schröcksnadel will nicht vom Amt zurücktreten
·Olympia: ÖSV muss 1 Million $ Strafe zahlen!
Schröcksnadel unter Beschuss - MITREDEN!
·Ist Schröcksnadel der ÖSV-Sündenbock?
IHRE MEINUNG zum IOC-Rüffel gegen Österreich?
·UMFRAGE: Soll ÖSV- Schröcksnadel gehen?
Mächtiger Manager gerät massiv unter Beschuss
·"Unsere Bewerbung ist deshalb nicht tot!"
Salzburgs Bürgermeister rechnet nicht mit Troubles
·Klicken: Chronologie der Doping-Affäre
Ereignisse seit der Razzia bei Olympia 2006 in Turin
·Nachlesen: Bericht des IOC zu Österreich
14-seitiges Dokument in englischer Sprache
Nach den Olympia-Sanktionen von Seiten des IOC gegen Österreich haben sich die Wellen in der österreichischen Sport-Szene und insbesondere im ÖSV freilich noch lange nicht geglättet. Markus Gandler, der Nordische ÖSV-Direktor für Langlauf und Biathlon will sich die Pauschalverurteilungen jedenfalls nicht gefallen lassen. Gandler stellt sich auch vehement vor den ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel und denkt sogar an eine Verleumdungsklage in Richtung ÖOC.
Der Tonfall im Konflikt zwischen dem ÖSV einerseits und dem ÖOC andererseits ist keinesfalls sanfter geworden. Gerüchte, wonach Gandler vom ÖSV bereits suspendiert worden ist, bestätigte dieser im Gespräch mit der APA nicht. "Ich weiß nichts davon. Für mich ist wichtig: Was wirft man mir vor? Ich bin - im Gegensatz zu anderen - zu dieser Anhörung nach Lausanne gefahren, aber man hat mir wahrscheinlich nicht geglaubt", sagte Gandler.
"Sucht jetzt irgendwelche Opfer"
Der Druck auf den früheren Spitzen-Langläufer ist gewaltig gestiegen, schließlich steht zumindest für künftige Olympische Winterspiele eine Sperre für alle in Turin beteiligten ÖSV-Langlauf- und Biathlon-Trainer im Raum. "Man sucht jetzt irgendwelche Opfer, damit Ruhe einkehrt", glaubt der Tiroler. Zwar wolle er nicht auf andere zeigen, aber: "Wenn ich nach Freiburg schaue, dann fühle ich mich verarscht", meinte er in Anspielung auf die skandalösen Dopingenthüllungen des deutschen Telekom-Teams im Radsport.
Gandler wehrt sich weiterhin - wie auch sein Präsident - gegen eine Pauschalverurteilung. "Das ist ja wie eine Sippenhaftung." Seine letzte Hoffnung ist der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne. "Der CAS muss auch Dinge klären wie ob ein Tauber ein Hämoglobinmessgerät besitzen darf oder nicht", ging Gandler ins Detail.
Der 40-jährige, gebürtige Kitzbüheler, der am 12. Februar 1998 in Nagano mit Silber über 10 km klassisch für die erste Olympia-Langlauf-Medaille Österreichs überhaupt gesorgt hat, stößt derzeit vieles sauer auf. Selbst Reaktionen von Doppel-Kombi-Olympiasieger Felix Gottwald auf die Sperren. "Wenn ich eh schon seit Jahren unter Beobachtung des IOC stehe, wohne ich doch im Dorf, um ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen", hatte Gottwald Anfang Mai im APA-Interview gemeint. "Der Felix soll für seine Sportart reden, auch viele andere Nationen wohnen außerhalb des Olympischen Dorfes."
Stärkt Schröcksnadel den Rücken
Der ÖSV-Funktionär stellt sich auch eindeutig vor seinen Chef Schröcksnadel: "Was dieser Mann für Österreich geleistet hat, das vergessen die damaligen Schulterklopfer heute alles. Er schützt keinen, der dopt. Bevor sie ihn, den man ja auch noch in den anderen Sparten braucht, absägen, sollen sie halt mich köpfen." Aber aufgeben will Gandler keinesfalls so schnell. Auch im Sport habe er schon immer gekämpft.
Für seine doch heftigen Aussagen, hatte er eine einfache Begründung: "Irgendwann reicht's auch dem Gandler. Ich habe den Heinz Jungwirth mehrmals gebeten, sich mit mir an einen Tisch zu setzen. Aber das tut er nicht, weil er mir nicht in die Augen schauen kann." Bisher habe er noch nicht darüber nachgedacht, aber er schließe auch eine Verleumdungsklage in Richtung ÖOC nicht aus.
Politische Machtspiele
Der Olympia-Skandal hat längst politische Dimensionen angenommen. Grünen-Sportsprecher Dieter Brosz kritisierte Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka für dessen Rückendeckung für Schröcksnadel. Lopatka hatte keinen Anlass für einen Rücktritt von Schröcksnadel gesehen und stattdessen vielmehr dessen Auftreten gegen Doping hervorgehoben.
"Lopatkas vorbehaltlose Unterstützung für Peter Schröcksnadel ist fahrlässig. Er hat offenbar immer noch nicht verstanden, dass Österreichs Olympiateilnahme bei den nächsten Spielen an einem seidenen Faden hängt," meinte Brosz in einer Presseaussendung. "Anstatt Schröcksnadel zum Rücktritt aus dem ÖOC zu bewegen, stärkt Lopatka ihm öffentlich den Rücken. Lopatka spielt hier in unverantwortlicher Art und Weise mit dem Feuer. Es kann nicht sein, dass die hervorragenden Beziehungen Schröcksnadels zur ÖVP hier eine Rolle spielen."
(apa/red)
