Doping-Affäre im Team Telekom eskaliert: Ex-Ass Totschnig will nichts bemerkt haben
- Auch Radstar Erik Zabel gibt EPO-Doping nun zu
- Universität Freiburg trennt sich von Doping-Ärzten

·Totschnig: "So habe ich das nicht erlebt!"
Tour-Etappensieger: Nicht
jeder wusste Bescheid
·Rad: Ullrich & Team Telekom haben gedopt
Ex-Radprofi Bert Dietz belastet Kollegen schwer
·Landis bestreitet Doping bei Hearing
Könnte auf Tour-Sieg mit Betrug "nicht stolz sein"
Der deutsche Radsport-Star Erik Zabel hat als erster noch aktiver Fahrer im Skandal um das ehemalige Team Deutsche Telekom Doping-Missbrauch gestanden. Der 36-Jährige gab im Rahmen einer Pressekonferenz seines Ex-Teams T-Mobile in Bonn zu, vor der Tour de France 1996 EPO-Doping probiert zu haben. Dem Deutschen, der sechsmal das Grüne Trikot des besten Sprinters der Tour gewonnen hat, droht damit automatisch eine zweijährige Sperre. Zur Zeit fährt Zabel für das Team Milram. Auch der Österreicher Georg Totschnig fuhr von 1997 bis 2000 im Team Telekom, von organisiertem Doping will er nichts bemerkt haben.
Unmittelbar vor Zabel hatte auch der aktuelle Sportdirektor des Teams T-Mobile, Rolf Aldag, gestanden, in seiner aktiven Karriere gedopt zu haben. Mit Bert Dietz, Christian Henn und Udo Bölts haben damit bereits insgesamt fünf ehemalige Fahres des Teams Telekom, dem auch Jan Ullrich angehört hatte, Doping zugegeben. T-Mobile hat dennoch angekündigt, sein Engagement im Profi-Radsport weiter fortsetzen zu wollen.
Der Österreicher Georg Totschnig, der von 1997 bis 2000 beim deutschen Team Telekom aktiv war, will vom offenbar weit verbreiteten Doping in seinem Ex-Team nichts bemerkt haben. Mit dem ehemaligen Team-Telekom-Masseur Jef d'Hont, der in einem Buch jüngst über systematisches Doping in dem Rennstall während seiner bis 1996 dauernden Tätigkeit berichtet, hat Totschnig als Profi keinen Kontakt gehabt. Der spätere Etappensieger der Tour de France war 1997 in der Tour de France beim Sieg in der Mannschaftswertung dabei und einer der Helfer von Jan Ullrich bei dessen Gesamtsieg.
Die jüngsten Äußerungen von Dietz hinsichtlich der Verwicklung der Team-Ärzte bestätigte Totschnig nicht. "Mit Bert Dietz bin ich selbst im Team gefahren, aber ich kann das von meiner Seite nicht bestätigen. Ich habe das nicht so (in dieser Form, Anm.) miterlebt, was die Freiburger Ärzte angeht", erklärte Totschnig am 22. Mai gegenüber der APA. Weiter ausholen wolle er selbst zu diesem Thema nicht, sagte der frühere Kletter-Spezialist. "Das ist seine (Dietz', Anm.) Meinung und sein Erlebnis. Jeder muss für sich selbst entscheiden, was er macht. Ich kann das nicht bestätigen", betonte Totschnig.
Totschnig meint, es müsse den Beteiligten am Radsport gelingen, Regeln aufzustellen, damit die Fälle für die Fahrer nicht vor Gericht endeten. Die Doping-Problematik sei nicht zu verleugnen, man müsse einen Weg finden, "dass Rennfahrer gar nicht auf die Idee kommen, etwas zu machen". Dem Tiroler, der sich später ein Engagement in einem Nachwuchsteam vorstellen könnte, liegt die Zukunft seines Sports am Herzen. "Was kann man tun, dass in drei bis fünf Jahren wieder mehr über den Sport und nicht über die schwarzen Schafe berichtet wird?"
Udo Bölts gab als 3. Telekom-Fahrer EPO-Doping zu
In Udo Bölts hatte zuvor dritter ehemaliger Profi des deutschen Radsport-Teams Telekom Doping- Praktiken gestanden. "Ich habe EPO probiert und meine Erfahrung damit gemacht", sagte der 40-Jährige am Mittwochabend in der ARD. "Nach dem schlechten 95er Jahr habe ich 1996 damit angefangen, um in der Tour-Mannschaft dabei zu sein."
Er habe die Blutdopingpräparate aber nicht von den Freiburger Teamärzten, sondern vom belgischen Betreuer Jef d'Hont bekommen. 1997 habe er aber wieder damit aufgehört. "Danach war Schluss damit", versicherte Bölts, der heute als Sportlicher Leiter beim Team Gerolsteiner, bei dem auch der österreichische Meister Bernhard Kohl beschäftigt ist, fungiert.
Bölts bedauerte, dass er "gelogen und betrogen" habe, aber "ein Mensch macht Fehler". Im Lauf der Woche hatten bereits die beiden früheren Telekom-Profis Bert Dietz und Christian Henn EPO-Doping zugegeben. Auch die Mannschaftsärzte von der Uni-Klinik Freiburg, Andreas Schmid und Lothar Heinrich, sind inzwischen geständig.
Universität Freiburg trennt sich von Schmid und Heinrich
Die Universität Freiburg zieht Konsequenzen aus den Doping-Geständnissen der Teamärzte des deutschen Profiradrennstalls T-Mobile Andreas Schmid und Lothar Heinrich und trennt sich mit sofortiger Wirkung von den beiden Medizinern. Das gab die Hochschule bekannt. Zudem wird die Universität die Freiburger Sportmedizin mit ihren gesamten Aktivitäten während der vergangenen 20 Jahre auf den Prüfstand stellen.
Heinrich und Schmid hatten eingeräumt, als Mannschaftsärzte Doping-Praktiken des Telekom-Radsportteams in den 90er Jahren unterstützt zu haben. Beide sollen "unverzüglich" von der Untersuchungskommission der Uni vorgeladen werden.
(apa/red)
