Olympia-Sperre abgewendet: ÖOC und ÖSV schieben sich nun gegenseitig die Schuld zu
- Schröcksnadel dachte an Rücktritt als ÖSV-Präsident
- Gusenbauer: Regierung hat Schlimmeres verhindert
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14-seitiges Dokument in englischer Sprache
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"Too small country to make good doping!"
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Reaktionen zu den Sperren der Athleten
·Erklärung des IOC zu Sperren der Athleten
"Besitz allein ist genug
für ein Regelverletzung"
Das Österreichische Olympische Comite (ÖOC) hat in einer Presseerklärung von Präsident Leo Wallner den Österreichischen Skiverband (ÖSV) und dessen "schwerwiegendes Fehlverhalten" bei den Winterspielen 2006 in Turin für einen drohenden Olympia-Ausschluss aller österreichischer Athleten von den Spielen 2008 und 2010 verantwortlich gemacht. Diese Sperre durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) sei durch "vielfältige Maßnahmen" des ÖOC, der Bundesregierung und des Nationalrates jedoch in eine "Geldstrafe erheblicher Größenordnung" abgemildert worden.
Peter Schröcksnadel hat auch an Rücktritt als ÖSV-Präsident gedacht. "Aber ich habe in den letzten Stunden sehr viel Zuspruch erhalten, deshalb arbeite ich mit Freude weiter", sagte Schröcksnadel der "Tiroler Tageszeitung" und empfahl ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth, seine Funktion ruhend zu stellen.
Das ÖOC hat für 29. Mai eine Dringlichkeitssitzung seines Vorstands einberufen. Dabei wird über erforderliche Konsequenzen aus dem IOC-Urteil entschieden. Wallner schlug in seiner Erklärung weitere Maßnahmen vor, darunter den Ausschluss aller Betreuer des in die Doping-Affäre verwickelten ÖSV-Langlauf- und Biathlon-Teams der Spiele von Turin von künftigen Olympischen Spielen.
Zudem will sich das ÖOC auf Grund in Zukunft ausbleibender finanzieller Unterstützung durch das IOC schadlos halten. Wallner schlug daher eine Forderung in der Höhe von einer Million Dollar (741.290 Euro) an den ÖSV vor.
Schröcksnadel will von Schuld nichts wissen
ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel weist jede Schuld von sich, der Verband habe sich immer korrekt verhalten und habe die nötigen Schritte bereits gesetzt. Für 30. Mai kündigte der Verbandschef die aktuellen Ergebnisse der Disziplinar-Kommission an.
Das Exekutiv-Komitee des Internationalen Olympische Komitees (IOC) hat direkte oder indirekte Fördermittel in Höhe von einer Million US-Dollar (741.290 Euro) bereits gestrichen. Das teilte das IOC in einer Aussendung mit.
Ultimatum: ÖOC hat ein Jahr Zeit zu Handeln
Das IOC forderte das ÖOC außerdem auf, bis spätestens 30. Juni 2008 Nachweise dafür zu erbringen, dass es innerhalb der Organisation nachhaltige Änderungen gegeben hat. Außerdem sollen bis dahin eigene Ermittlungsergebnisse vorgelegt werden.
Bereits Ende April hatte das IOC die sechs Athleten Wolfgang Rottmann, Wolfgang Perner (beide Biathlon), Roland Diethart, Johannes Eder, Jürgen Pinter und Martin Tauber (alle Langlauf) auf Grund ihrer Verwicklung in die Affäre von Turin lebenslang von Olympischen Spielen ausgeschlossen. Die IOC-Disziplinar-Kommission will laut eigenen Angaben gemeinsam mit den italienischen Behörden weiter ermitteln.
Für Bundeskanzler Gusenbauer "schwerwiegend"
Die vom IOC verkündeten Sanktionen gegen das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) hat Bundeskanzler Alfred Gusenbauer als "schwerwiegend" bezeichnet. In einer Aussendung nannte der für den Sport zuständige Kanzler "als oberste Priorität, das Ansehen der nationalen Athleten und des gesamten österreichischen Sportes wieder herzustellen".
Durch die diplomatischen Aktivitäten vom ÖOC und der österreichischen Bundesregierung sei es gelungen, den größten Schaden, nämlich das im Raum gestandene Startverbot für österreichische Athleten, zu verhindern. SPÖ und Grüne fordern den Rücktritt von ÖSV-Präsident Schröcksnadel als Vizepräsident des ÖOC, die ÖVP lehnt dies bisher ab.
Die Affäre von Turin hatte am 18. Februar 2006 mit einer auf IOC-Hinweis durchgeführten Razzia der italienischen Behörden in den Privatquartieren der österreichischen Langläufer und Biathleten ihren Anfang genommen. Dabei wurde zahlreiches belastendes Material sichergestellt, die im Anschluss durchgeführten Dopingtests zehn österreichischer Athleten fielen aber allesamt negativ aus.
Der unabhängige Disziplinarausschuss des Österreichischen Skiverbandes seinerseits hat den Vorwurf, mit den Vorgängen von Olympia 2006 zu "lasch umgegangen" zu sein, entschieden zurückgewiesen. Unmittelbar nach den Winterspielen sei eine eingehende Untersuchung eingeleitet worden, Dopingvergehen werden "rigoros und konsequent" verfolgt, hieß es.
Schaden für Salzburgs Bewerbung?
Die Bewerbung Salzburgs um die Olympischen Winterspiele 2014 soll von der Aufarbeitung des Doping-Skandals nicht belastet werden. "Die Bewerbung hat nach wie vor Chancen", meinte Gusenbauer. Dass sich die aktuellen Entwicklungen nicht positiv auf die Chancen auswirke, darüber sind sich aber alle Beteiligten einig. Das IOC vergibt die Spiele 2014 am 4. Juli bei seiner Vollversammlung in Guatemala. Die beiden verbliebenen Konkurrenten Salzburgs sind Sotschi (Russland) und Pyeongchang (Südkorea).
(apa/red)
