Freitag, 25. Mai 2007

Weiterhin Müllbrände in Süditalien: Gefahr eines Cholera-Ausbruchs in Neapel akut

  • Aufgebrachte Bürger stecken Müllsäcke in Brand
  • Neapolitanische Mafia verdient Millarden am Notstand

In Neapel herrscht weiterhin Müllnotstand. Dutzende von aufgebrachten Bürgern steckten Säcke von Unrat in Brand, die sich seit Tagen auf den Straßen türmen. Tonnen von Mist häufen sich in den Straßen der kampanischen Metropole und verrotten unter der vorsommerlich heißen Sonne. Die Gefahr eines Cholera-Ausbruchs ist laut der Gesundheitsbehörde akut. Der Chef der Zivilschutzbehörde, Guido Bertolaso, ist auf der Suche nach provisorischen Mülldeponien, wo man den Unrat lagern könnte, berichtete die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera".

Italienische Umweltaktivisten warnten, dass die Camorra, die neapolitanische Variante der Mafia, am so genannten "Müllnotstand" Milliarden verdient. Die Strohfirmen der Camorra entsorgen den Abfall, wenn es die städtischen Betriebe nicht mehr schaffen - allerdings zu überteuerten Preisen, berichteten italienische Medien. Die Mafia benutze dafür illegale Müllhalden. Sie entsorgt für die Industrie auch giftige Abfälle in der freien Natur. Immer wieder werden solche Deponien entdeckt.

Nach Angaben des italienischen Umweltschutzverbands "Legambiente" gründen mafiaartige Organisationen Scheinfirmen, die dann die Ausschreibungen für die Entsorgung der Giftstoffe gewinnen. Ihre Angebote sind bis zu 90 Prozent günstiger als jene der legalen Rivalen. Besonders betroffen sind die südlichen Regionen Sizilien, Kampanien, Apulien und Kalabrien.

Die Camorra hat sich in den vergangenen 20 Jahren mit Erfolg in das Geschäft mit der Abfallbeseitigung gedrängt. Die Behörden vermuten, dass sie auch hinter den Bürgerprotesten gegen die geplante Einrichtung von Lagerstätten und Verbrennungsanlagen in der Region steckt. Die Bürger Kampaniens verlangen zwar Mülldeponien, aber nicht in ihrer Nähe. Die örtlichen Behörden stehen auf ihrer Seite und blockieren die Einrichtung von Lagerstätten mit allen rechtlichen Möglichkeiten. Damit floriert das Geschäft der Camorra mit ungenehmigten illegalen Deponien.

(apa/red)

25.5.2007 14:15