3.000 Tonnen Müll auf den Straßen: Neapel versinkt im Unrat - Epidemien befürchtet
- VIDEO: Müllberge brennen - Gefahr durch Dioxin
- Mafia steckt möglicherweise hinter Abfall-Misere

Neapel versinkt im Unrat. In der süditalienischen Stadt und mehreren Orten in der Umgebung türmen sich seit Tagen mehr als 3.000 Tonnen Abfall, dutzende Müllhaufen wurden angezündet. Beißender Rauch verbreitet sich vor allem im Norden Neapels. Die Zivilschutzbehörden warnen vor dem Ausbruch von Epidemien, Ärzte wiesen wegen des Qualms auf die Gefahr durch hochgiftige Dioxine hin.
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Feuerwehren stehen seit Tagen im Einsatz, um brennenden Abfall zu löschen. "Die Situation ist dramatisch", sagte die Bürgermeisterin von Neapel, Rosa Russo Jervolino, nach Medienangaben. Die Stadt fürchtet auch um den Fremdenverkehr. Der Präsident des neapolitanischen Hotelierverbands, Pasquale Gentile, warnte vor einer Touristenflucht.
In den Gemeinden der Region Kampanien sammelt sich schon seit vielen Monaten Müll auf den Straßen. Seit Jahren weiß die Region nicht mehr, wohin mit den Abfällen. Es fehlt an Verbrennungsanlagen und Deponien. "Seit Jahren warten wir auf moderne Müllverbrennungsanlagen. Die Politiker versprechen vieles, doch es geschieht nichts", so ein Sprecher der Bürgerinitiative von Ariano Irpino bei Neapel.
"Wir müssen den Müll sofort beseitigen, um den Notstand zu überwinden. Dann muss man mittelfristige Strategien finden, um den Abfall zu entsorgen und Recycling-Projekte in die Wege zu leiten", erklärte Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio. Er drängte, den Müll in Gruben zu verscharren, die im Zuge von Ermittlungen gegen die Mafia beschlagnahmt wurden.
Die Regierung in Rom hat inzwischen den Rücktritt des Präsidenten des Zivilschutzes, Guido Bertolaso, abgelehnt. In einem Schreiben rief Regierungschef Romano Prodi Bertolaso auf, seinen Einsatz zur Lösung des Müllproblems fortzusetzen. Der Präsident der Umweltkommission der Abgeordnetenkammer, Ermete Realacci, meinte, man müsse Bertolaso in Ruhe arbeiten lassen. "Die Müllentsorgung in Kampanien soll endlich wieder auf legalen Wegen ablaufen", sagte Realacci.
Steckt Mafia hinter Müllmisere?
Der Hintergrund: Die Mafia könnte von dem Müllproblems profitieren. Sie könnte, so Experten, vor allem auf steigende Preise für Grundstücke spekulieren, die als Deponien in Frage kommen. Außerdem würde die Organisierte Kriminalität an der Anschaffung neuer Müllcontainer mitverdienen.
Italien produziert nach Angaben von Umweltschützern mit 1,3 Kilogramm pro Kopf und Tag mehr Müll als der EU-Durchschnitt. Auch Recycling wird deutlich weniger gefördert als in anderen europäischen Ländern. (apa)
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