Freitag, 25. Mai 2007

17.000 Kartons voller Akten: Umzug des Finanzministeriums ist echtes Mega-Projekt

  • Standort Himmelpfortgasse wird nun renoviert
  • 700 Beamte müssen bis 2011 in Ausweichquartier

Seit 1848 residieren die österreichischen Finanzminister im Winterpalais des Prinzen Eugen in der Himmelpfortgasse - am verlängerten Pfingstwochenende übersiedeln Finanzminister Wilhelm Molterer und seine Beamten in ihre neue Bleibe am Rand der Wiener Innenstadt. Zumindest bis 2011 soll das Finanzministerium dort bleiben, während das Winterpalais generalsaniert wird. Die Kosten für die Renovierung des 1697 nach den Plänen von Fischer von Erlach errichteten Gebäudes schätzt die zuständige Burghauptmannschaft auf rund 80 Mio. Euro.

Zumindest ein Teil der Sanierung wird aus dem Verkauf von Büro-Neubauten in der Himmelpfortgasse an die Bundesimmobiliengesellschaft finanziert, der laut Finanzministerium rund 55 Mio. Euro eingebracht hat. Der Umzug startet Freitagmittag und soll bis Sonntagabend abgeschlossen sein. 17.000 Kartons mit Büro- und Aktenmaterial müssen bis dahin in das Ausweichquartier - ein generalsanierte Gebäude der Bundesimmobiliengesellschaft in der Hinteren Zollamtsstraße - gebracht werden. Nach Einrichtung der Büros sollen am Pfingstmontag die EDV-Anschlüsse fertig gestellt werden. Für die 700 Mitarbeiter beginnt die Arbeit Dienstagfrüh dann bereits an der neuen Adresse.

Nach Angaben des Finanzministeriums erfolgte die letzte Sanierung des Winterpalais in der Himmelpfortgasse in den Jahren 1967 bis 1973. Eine Generalsanierung sei daher unumgänglich und wird unter anderem mit Wasserschäden in den historisch wertvollen Prunkräumen begründet. Dabei sollen auch verschiedene Gebäudeteile auf deren ursprüngliches Erscheinungsbild "zurückgeführt" werden. Ab 2011 sollen dann wieder 530 Finanzministeriums-Mitarbeiter in dem Barock-Palais Platz finden (der Rest in einem nebenan gemieteten Bürogebäude).

Wer auch immer dann Finanzminister ist - Molterer kann bis auf weiteres jedenfalls einen traumhaften Ausblick über die Wiener Innenstadt inklusive Stephansdom genießen, wurde das neue Ministerbüro doch im 12. Stock des generalsanierten Ausweichquartiers eingeplant.

Das Finanzministerium ist übrigens nicht das einzige Ressort, das in historischen Bauten aus der Monarchie untergebracht ist: Der Bundeskanzler sitzt traditionell in der ehemaligen "Geheimen Hofkanzlei" am Ballhausplatz (dem früheren k. u. k. Außenministerium) und im Kriegsministerium der Habsburger sind die heutigen Ressorts für Wirtschaft, Soziales und Landwirtschaft untergebracht. Auch Verkehrsminister Werner Faymann (S) hat einen Teil seines Ministeriums in das historische Gebäude verlegen lassen.

Andernfalls wäre sein Ministerbüro in einem weit weniger schmucken, bunten Zweckbau aus den 70er Jahren untergebracht gewesen, in dem auch das Gesundheitsministerium sitzt.

Das Außenministerium ist erst im Vorjahr ins niederösterreichische Landhaus übersiedelt - Ausgangspunkt der "Märzrevolution" von 1848 und Tagungsort der provisorischen Nationalversammlung bei der Republiks-Gründung 1918. Mit dem so genannten "Revolutionsjahr" 1848 verknüpft ist auch die Rossauer Kaserne, Sitz des Verteidigungsministeriums: Die Habsburger ließen das Gebäude 1864 errichten, um im Fall eines weiteren Aufstandes Truppen in unmittelbarer Zentrumsnähe mobilisieren zu können.

Noble Adressen haben traditionell die Minister für Justiz, Inneres und Unterricht, die in den Stadt-Palais früherer Adelsfamilien untergebracht sind.

(APA/red)

25.5.2007 12:24