Dienstag, 22. Mai 2007

Prügelvorwürfe gegen Wiener Polizei: Wurde Nigerianer in der Schubhaft misshandelt?

  • Beamte sollen ihn als "Neger" beschimpt haben
  • Besuchsverbot: Werden Misshandlungen vertuscht?

Ein Schubhäftling aus Nigeria hat Prügelvorwürfe gegen die Wiener Polizei erhoben. Der 34-jährige Henry O. soll von Beamten des Polizei-Anhaltezentrums Hernals geschlagen worden sein, sagte SOS Mitmensch-Sprecher Philipp Sonderegger. Laut "Standard"-Bericht seien dabei auch die Worte "Uns ist egal, wenn hier ein Neger stirbt" gefallen. Dem an Diabetes leidenden Mann wurde zuvor nach eigener Aussage ein vom Amtsarzt verschriebener Hofgang verweigert.

Der Asylwerber dürfe seit Sonntag keinen Besuch mehr empfangen, so Sonderegger. Dieses mysteriöse Verbot spreche dafür, dass eine Misshandlung des Nigerianers vertuscht werden soll. Eine Mitarbeiterin seines Rechtsanwalts Herbert Pochieser habe den Mann zudem besucht und seine Vorwürfe anhand körperlicher Anzeichen bestätigt. Auch die Menschenrechtskommission Wien habe dem 34-Jährigen bereits einen Besuch abgestattet und werde einen Bericht an den Menschenrechtsbeirat verfassen.

Henry O. wurde vor etwa zwei Wochen bei einer Schwerpunktaktion in Wien-Floridsdorf festgenommen und habe dort erst von seinem abgelehnten Asylantrag erfahren, erklärte Sonderegger. Da ihm für Diabetiker notwendige Medikamente verweigert wurden, habe er bereits bei der Einlieferung einen Zuckerschock erlitten. Nach der Behandlung durch einen Amtsarzt wurden ihm schließlich die Arzneimittel und ein täglicher Hofgang verordnet. Am Samstag habe der Nigerianer eine Bekannte in einem Telefonat von den Prügelvorwürfen informiert.

"Die Vorwürfe werden derzeit überprüft", sagte der amtsführende Landespolizeikommandant Generalmajor Karl Mahrer zu den Beschuldigungen. "Wir können derzeit keine Erhärtung der Vorwürfe feststellen." Das Büro für besondere Ermittlungen habe die bisherigen Informationen bereits an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Für die betroffenen Beamte gebe es auf Grund der Verdachtslage derzeit keine dienstrechtlichen Konsequenzen. Dem Ermittlungs-Ergebnis wolle er aber in keiner Weise vorgreifen.

(apa/red)

22.5.2007 19:17