Die Vielfalt in Person: Burgschauspieler
Wolfgang Gasser 79-jährig verstorben
- Erfolg als Dr. Schuster in Bernhards "Heldenplatz"
- Spielte ingesamt mehr als 150 Rollen an der Burg

Burgschauspieler Wolfgang Gasser ist am 20. Mai im Alter von 79 Jahren in Wien gestorben. Gasser war einer der vielfältigsten Schauspieler des Burgtheater-Ensembles und seit zehn Jahren dessen Ehrenmitglied. Vor allem seine souveräne Gestaltung des Dr. Schuster in Thomas Bernhards "Heldenplatz" ist unvergesslich - aber "Wolfgang Gasser war mehr", wie Bundestheater-Holdingchef Georg Springer in einer Reaktion betonte. "Er gehörte zum 'Kernensemble' des Burgtheaters, begleitete uns durch mehr und weniger stürmische Jahre, war immer da, gehörte zum Selbstverständnis der Wiener Theaterbesucher."
Gasser hat in seiner Karriere über 150 Rollen am Wiener Burgtheater gespielt und dabei mit Regisseuren wie Ex-Burgtheater-Chef Claus Peymann, Jürgen Flimm, Andrea Breth, Adolf Dresen oder Hans Neuenfels gearbeitet. Der am 31. Mai 1927 in Wolfsberg (Kärnten) geborene Schauspieler hatte sein erstes Engagement mit 28 Jahren in Baden bei Wien, wo er in vielen Operetten spielte; danach trat er in Wien an verschiedenen Kellerbühnen wie "Parkring", "Courage", "Tribüne" und "Kaleidoskop" auf. 1959 wurde er an das Burgtheater geholt, wo er in "Wallensteins Lager" debütierte, und war dort seither Mitglied des "Burg"-Ensembles. 1997 wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.
Gasser überzeugte in den großen Grillparzer-Rollen ebenso wie als Arzt in Tschechows "Möwe" und war u.a. als Kurt in Strindbergs "Totentanz", Josef in Musils "Die Schwärmer", Dr. Dorn in Tschechows "Die Möwe", als Bürgermeister Stockmann in Ibsens "Ein Volksfeind" und als Pluto in "Orpheus in der Unterwelt" zu erleben. Daneben wirkte er bei den Salzburger Festspielen, den Melker und den Forchtensteiner Sommerspielen mit und unternahm auch Tourneen ins Ausland.
1987 wurde er pensioniert, blieb aber vielbeschäftigt. Seine schauspielerische Wirkung kam auch in zahlreichen Fernsehspielen zur Geltung. Ab 1988 spielte er den Professor Robert Schuster in Thomas Bernhards "Heldenplatz" und feierte darin den größten persönlichen Erfolg seiner Karriere. Zuletzt stand Gasser als Ottokar von Hornek in Grillparzers "König Ottokars Glück und Ende" in der Regie von Martin Kusej auf der Burg-Bühne.
Direktion und Ensemble des Burgtheaters trauern um einen "wunderbaren Schauspieler und Kollegen", hieß es in der Aussendung des Theaters. Als "Personifikation des Theaters in all seiner Vielschichtigkeit" hat Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) Gasser bezeichnet. Kulturministerin Claudia Schmied (S) sagte, "Wolfgang Gasser verstand es, Menschen an das Theater zu binden. Unverkennbar war seine Stimme und theatralische Noblesse, mit denen er jahrzehntelang das Burgtheater als Ensemblemitglied glanzvoll repräsentierte." Österreich ist Wolfgang Gasser "die vornehmste Erinnerung schuldig", sagte ÖVP-Kultursprecher Franz Morak. "Unzählige Sternstunden" des Wiener Theaterlebens mit Gasser würden "unvergessen" bleiben.
Für die Rolle des Professor Schuster in "Heldenplatz" wurde Gasser 1990 mit der Josef-Kainz-Medaille ausgezeichnet. 1976 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, 1986 wurde er zum Kammerschauspieler und 1997 zum Ehrenmitglied des Burgtheaters ernannt.
(apa/red)
