Dienstag, 15. Mai 2007

Man fährt anscheinend wieder Bahn: ÖBB kann 2006 ein Rekordergebnis einfahren

  • Sparen beim Personal: 4.700 Mitarbeiter abgebaut
  • Zahl der Fahrgäste wurde um acht Millionen erhöht

Die ÖBB haben im vergangenen Jahr fast 5.000 Mitarbeiter abgebaut und ein Rekordergebnis eingefahren. 4.700 Mitarbeiter seien 2006 aus dem Unternehmen ausgeschieden, sagte ÖBB-Holding-Vorstand Martin Huber bei der Bilanzpressekonferenz. In den vergangenen vier Jahren ist der Personalstand des Bahn-Konzerns damit in Summe um 10.000 auf rund 43.000 im Jahr 2006 gesunken.

Umsatz und Gewinne sind dagegen im vergangenen Jahr noch etwas stärker gestiegen als nach den vorläufigen Zahlen erwartet. Die Gesamterträge erhöhten sich um 8,6 Prozent auf 5,466 Mrd. Euro, das Betriebsergebnis (EBIT) um 39 Prozent auf 314 Mio. Euro und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) um knapp 150 Prozent auf 32,3 Mio. Euro - laut dem amtierenden Vorstand "das beste Ergebnis seit der Ausgliederung der ÖBB im Jahr 1994", wobei die Zahlen mit jenen vor der Strukturreform im Jahr 2005 nur bedingt vergleichbar sind.

"Wäre es nicht gelungen, den Personalstand zu reduzieren, hätten wir um 140 Mio. Euro höhere Kosten gehabt", sagte der Finanzvorstand der ÖBB-Holding, Erich Söllinger. Das EGT wollen die Bundesbahnen heuer auf 78,2 Mio. Euro erneut mehr als verdoppeln. Es gehe aber nicht darum, Personal abzubauen, um die Gewinne weiter zu steigern, sondern um einen "Personal-Change", versicherte Huber.

65 Prozent der Eisenbahner seien über 40 Jahre alt, 80 Prozent definitiv gestellte Eisenbahn-Beamte. Die ÖBB wollten deshalb "junge, frisch, und anders ausgebildete Mitarbeiter ins Unternehmen bekommen". Deshalb habe man 2007 auch 1.800 neue Mitarbeiter eingestellt. Auch heuer würden wieder etwa 1.000 dazukommen. Wie sich der Personalstand unterm Strich weiter entwickeln wird, wollte Huber nicht prognostizieren. "Das hängt vom Markt ab", betonte der Vorstand.

2006 ist die Zahl der Fahrgäste um 8 Millionen auf 443 Millionen gestiegen. Das transportierte Gütervolumen kletterte um 5 Mio. auf 93 Mio. Tonnen. Damit wurden in Österreich etwa 8 Prozent des Personenverkehrs und 36 Prozent des Güterverkehrs auf der Schiene abgewickelt. Bis 2010 wollen die Bundesbahnen am Heimmarkt die Fahrgastzahlen um 15 Prozent und ihr Gütertransportvolumen um 7 bis 10 Prozent anheben, erklärte Huber.

Wachsen wollen die ÖBB aber vor allem auch im Güterverkehr in Osteuropa. "Wir haben uns das Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren die Nummer Eins in Ost- und Südost-Europa zu werden", sagte Huber. Der ÖBB-Chef bestätigte, dass die Bundesbahnen für den ungarischen Güterverkehr ein Angebot legen werden. Die Privatisierung läuft. In der Slowakei, wo die ÖBB bereits Bestbieter waren, die Privatisierung aber nach einem Regierungswechsel gestoppt wurde, wollen die Bundesbahnen jetzt mit der slowakischen Bahn in ein Joint Venture gehen oder ansonsten selbst in den Markt hineinfahren und der Staatsbahn Konkurrenz machen. "Wir sind in Verhandlungen", sagte Huber. (apa/red)

15.5.2007 13:39