Dienstag, 15. Mai 2007

Horror: Zurück aus der Hölle

  • Betteln, stehlen, prostituieren: Das Schicksal der verkauften Roma-Kinder.

NEWS auf Spurensuche in Bulgarien: So leben die Buben und Mädchen jetzt. Alltag des Grauens. Betteln, stehlen, Schläge. Aus Bulgariens Roma-Ghetto direkt auf Wiens Straßen.

Die Rauchschwaden werden dichter, der Gestank von Fäkalien und Fäulnis wird beißender. Die Straße, bald ohnedies nur noch ein Meer aus Schlaglöchern, schlängelt sich den Hügel nach oben. Dort angekommen, ist das Herz der Hölle erreicht.

Hunderte Verschläge aus Holz und Wellblech, mit streunenden Hunden davor, denen es besser geht als den Menschen drinnen. Kein Strom, kein Gas, kein fließendes Wasser. Müll vor und hinter den Hütten – und dazwischen überall Kinder, die darin herumstrotten. In Lumpen gehüllt, suchen sie nach Verwertbarem in all dem Abfall – stundenlang und Tag für Tag. Ihre Heimat ist zugleich ihre Endstation: Sofia, Stadtteil Fakulteta – Bulgariens größtes Roma-Ghetto. Für die 60.000 Menschen, die hier am Rande der Hauptstadt an den Hängen hausen, gibt es kein Entrinnen.

Und wenn doch, dann endet es so wie für Svetla: Auf der Rückbank eines Wagens auf dem Weg nach Wien. Tausend Kilometer in eine andere Welt. Genug Zeit für die 13-Jährige, darüber nachzudenken, was der Mann, der das Auto steuerte, mit ihr und den beiden anderen Mädchen aus Fakulteta wohl vorhatte. „Bei der Abreise sagte meine Mama zu mir, ich würde für ein paar Monate zu einer Tante nach Österreich fahren“, erinnert sich Svetla, „aber das habe ich ihr schon damals nicht geglaubt.“

Das Netzwerk der Paten. Drei Grenzen galt es bis Wien zu überwinden, und keine bereitete Probleme. Wie auch, hielt der Fahrer doch an jedem der Übergänge dem Zöllner eine notarielle Beglaubigung entgegen, welche bestätigte, dass die Kleine ohne Eltern unterwegs sein darf – unterschrieben war sie von Svetlas eigenem Vater. Der hatte seine Tochter verkauft. Verkauft – für drei Monate, um 3.000 Euro. Geld, das Svetlas Familie einem Wucherer schuldete. Einem jener Männer in Fakulteta, die als einzige über Geld verfügen und ihren Reichtum auch gern zur Schau stellen. Sie sind die Paten der Roma-Siedlung, wohnen mit ihren Schuldnern Tür an Tür – und parken ihre Porsche Cayennes inmitten des Infernos.

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15.5.2007 15:51