Dienstag, 19. Juni 2007

Das große Bienen-Sterben: Was ist schuld am mysteriösen Massentod der Insekten?

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  • "Bienen-Aids": Immunsystem bricht zusammen

Sie verschwinden buchstäblich spurlos. Keine Toten werden gefunden - weder am Schauplatz des mysteriösen Geschehens noch in der Umgebung. Übrig bleiben verwaiste Behausungen. Und die wenigen, die darin überleben, sind hilflos dem Untergang geweiht.

Was wie ein Szenario aus einem apokalyptischen Horrorschocker anmutet, findet tatsächlich statt - und zwar in unzähligen Bienenvölkern diesseits und jenseits des Atlantiks. In den USA grassiert seit November 2006 ein dramatisches Massensterben unter Honigbienen. Aber auch in Europa, vor allem in Deutschland, Spanien, Portugal, Griechenland, Italien und der Schweiz, beunruhigt das Bienensterben Imker ebenso wie Forscher. In Österreich werden vor allem im Raum Wien Ausfälle beklagt. "Die Winterverluste sind mit 30 Prozent doppelt so hoch wie normal ausgefallen. Aber von einem generellen Massensterben kann in Österreich keine Rede sein", sagt Bienenforscher Norbert Moosbeckhofer von der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES).

Ernährungsengpässe drohen
In den USA sieht man hingegen durch den mysteriösen Exodus von Milliarden Bienen - von der Wissenschaft "Colony Collapse Disorder" (Kolonien-Zerfallsstörung) genannt - bereits die Nahrungsmittelversorgung bedroht, weshalb eine eigene Expertengruppe gegründet und sogar Anhörungen im Kongress abgehalten wurden.

Ein Drittel der menschlichen Nahrung hängt direkt oder indirekt von der enormen Leistung der fleißigen Brummer ab - die an einem einzigen Tag bis zu 3.000 Blütenkontakte je Tier schaffen und die für einen Kilo Honig nicht weniger als 200.000 Flugkilometer zurücklegen. "Nicht ohne Grund ist die Biene nach Schwein und Rind das drittwichtigste landwirtschaftliche Nutztier - noch vor dem Huhn", betont Bienenforscher Moosbeckhofer.

Seltsames "Bienen-Aids"
Tatsache ist, dass das Massensterben mit Symptomen einhergeht, die so noch nie aufgetreten sind. So werden die verlassenen Bienenstöcke - in denen nur die dem Tod geweihte Königin samt Brut zurückbleibt - nicht wie üblich von Nachbarvölkern oder Parasiten ausgeraubt. Hält sie ein unbekanntes Gift fern? Seltsam ist auch, was bei den wenigen noch lebend in den verwaisten Stöcken gefundenen Tieren nachgewiesen wurde. "Wir haben noch nie so viele verschiedene Viren auf einmal gesehen", so Dennis van Engelstorp von der Universität in Pennsylvania, "außerdem haben wir Pilze, Flagellaten und andere Mikroorganismen gefunden. Diese Vielfalt an Pathogenen ist verwirrend." Wegen dieses offensichtlichen Zusammenbruchs des Immunsystems der Insekten sprechen Experten auch bereits vom "Bienen-Aids".

Letztlich bedroht das Massensterben der Bienen sogar den Menschen. Das verdeutlicht folgendes Zitat von Albert Einstein: "Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr …" (NEWS)

19.6.2007 14:37