Samstag, 19. Mai 2007

Rosen aus Österreich, Misstrauen der USA: Russische Planspiele von Oleg Deripaska

  • FORMAT: Heimische Wirtschaftskapitäne mit viel Lob
  • Für Vereinigte Staaten ist Deripaska Sicherheitsrisiko

Er machte mit dem Oligarchen Oleg Deripaska schon Geschäfte, lange bevor Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner und Magna-Gründer Frank Stronach auf die Idee kamen, dem Russen Anteile an ihren Firmen zu überlassen: Alfred Heinzel, Papierindustrieller und vormaliger Aufsichtsratschef der Staatsholding ÖIAG, verkaufte dem Oligarchen bereits 2004 sein 12,5-Prozent-Aktienpaket an der tausend Kilometer nördlich von Moskau gelegenen Zellstoff- und Papierfabrik Archangelsk.

Alles sei verblüffend schnell gegangen, erinnert sich Heinzel. Er habe auf eine schriftliche Interessenbekundung von Deripaskas Firmengruppe Basic Element reagiert und sei dem Konzernchef selbst zweimal von Angesicht zu Angesicht gegenübergesessen. Er habe dafür einen Spießrutenlauf durch Sicherheitsvorkehrungen absolvieren müssen, aber das sei eben so in Russland. Am Ende landete er jeweils in einem stilvollen Loft, Deripaskas Firmenzentrale. Heinzel: "Es gibt eine Menge Gerüchte über den Mann, aber es wurde alles höchst professionell abgewickelt. Das sage ich, weil es so war."

In Heinzels Lob für Deripaska stimmen inzwischen auch Österreichs führende Wirtschaftskapitäne ein. Magna-Vorstand Siegfried Wolf nennt ihn einen "geraden Michel". Raiffeisen-General Christian Konrad meint: "Er ist sehr sachlich. Ich wünsche mir mehr Gesprächspartner dieser Art." Der sonst eher schmallippige Deripaska gibt die Komplimente vollmundig zurück. "So weit wir die Österreicher kennen gelernt haben, sind sie sehr sympathisch, verlässlich und geradlinig", richtet sein Pressesprecher Konstantin Plantin FORMAT aus. "Sie stehen hinter dem, was sie tun. Es ist sehr angenehm, mit ihnen zu arbeiten."

Der Oligarch, der fließend Deutsch spricht, weiß Österreich nun umso mehr als Insel der Seligen zu schätzen, als ihm nicht überall auf der Welt so großzügig Rosen gestreut werden. Während ihn hierzulande der Geld- und Wirtschaftsadel hofiert, weht ihm international ein viel rauerer Wind ins Gesicht. So wurde er als frischgebackener Magna-Gesellschafter für Stronach zum Hemmschuh beim Rennen um die Daimler-Tochter Chrysler. Die Amerikaner lehnten ihn nicht nur wegen ihrer Berührungsängste mit Russland als ihren ehemaligen Staatsfeind Nummer eins ab: Deripaska hat wegen angeblicher - nicht durch Fakten belegter -, aber vom FBI vermuteter Kontakte zur organisierten Kriminalität Einreiseverbot in den USA. "Wer immer solche Vorwürfe erhebt, soll aus dem Schatten treten", hat Deripaska immer wieder verlangt. "Ich kann sie widerlegen."

Eine offene Weltsicht brachte einst die Karriere des studierten Quantentheoretikers und späteren Brokers, der sich erst jüngst im noblen Londoner Stadtteil Belgravia eine 25 Millionen Pfund teure Luxusvilla leistete, so richtig in Schwung: Er fiel damit mächtigen westlichen Rohstoff-Baronen auf, die mit ihm als Stroh- und Mittelsmann die Hand im russischen Spiel haben wollten. Jetzt unterstreicht Deripaska, der in der Industriestadt Dserschinsk in bescheidenen Verhältnissen zur Welt kam, mit seinem kosmopolitischen Gebaren, dass er ein Mann der globalen Visionen ist: Er will, so seine Selbstdarstellung, in Russland ein kapitalistisches System bauen und dabei vom Westen unterstützt oder in Ruhe gelassen werden.

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19.5.2007 12:52