ÖFB-Teamkader mit Patocka, Prödl und Hoffer: 4 Neue gegen Schottland & Paraguay
- Fragezeichen bei Stranzl - Salmutter statt Prager
- "Hicke" hält im Angriff an vereinslosen Kuljic fest
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Teamchef Josef Hickersberger gibt im Rahmen der beiden EURO-Testspiele im Wiener Hanappi-Stadion gegen Schottland und Paraguay (2. Juni) vier Neulingen eine Chance. Jürgen Patocka (Mattersburg - ab kommender Saison Rapid), Erwin Hoffer (Rapid), Emin Sulimani (Ried - ab kommender Saison Austria) und Sebastian Prödl (Sturm Graz) stehen erstmals im ÖFB-Aufgebot, das gleich 24 Spieler umfasst.
Den großen Kader begründete "Hicke" mit Personalproblemen, so ist der Einsatz von Martin Stranzl (Spartak Moskau), Markus Weissenberger (Eintracht Frankfurt) und Yüksel Sariyar (Pasching) derzeit fraglich.
Thomas Prager wird dem Team sowohl im Trainingslager in Lindabrunn als auch in den beiden Länderspielen nicht zur Verfügung stehen. Der 21-jährige Mittelfeldspieler von Heerenveen laboriert weiter an einer Knöchelverletzung. Hickersberger nominierte deshalb Sturm-Profi Klaus Salmutter nach.
Jürgen Säumel (Sturm Graz) und Markus Katzer (Rapid) feiern nach längerer Abwesenheit ihr Comeback in der Nationalmannschaft, ansonsten setzt der Teamchef überwiegend auf bewährte Kräfte.
"Bei der Kaderzusammenstellung war eine gewisse Kontinuität oberstes Prinzip. Ich wollte so wenig wie möglich gegenüber den Ghana- und Frankreich-Spielen ändern, in denen die Mannschaft die Erwartungen im Großen und Ganzen erfüllt hat", erklärte Hickersberger.
Kuljic wieder im Kader
Aus diesem Grund steht auch Sanel Kuljic wieder im Kader, obwohl der Stürmer seit seinem Vertragsaustritt beim FC Sion Anfang März kein Klub-Match mehr bestritten hat. "Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass er gegen Frankreich sowohl physisch als auch was Ballkontakte betrifft einer der Besten war. Ihm kommt auch zugute, dass es auf dieser Position derzeit wenige Alternativen gibt", gab Hickersberger zu und lieferte eine weitere Begründung. "Ich bin der Meinung, dass wir ihn bei der EURO als Spitze benötigen werden."
Während sich Kuljic zuletzt in Eigenregie fit hielt, war für Stranzl, Weissenberger und Sariyar in den vergangenen Tagen bestenfalls leichtes Training möglich. Stranzl laboriert laut "Hicke" seit zweieinhalb Wochen an einer Viruserkrankung und hat derzeit wegen Fiebers Trainingsverbot. "Er ist ein Schlüsselspieler und wird auf alle Fälle nach Wien kommen, dann wird man sehen. Wenn er sich fit fühlt, wird er spielen."
Auch Weissenberger ist noch von einer Knöchelblessur gehandicapt. "Aber seiner Meinung nach könnte die Verletzung bis zu den Länderspielen ausgeheilt sein", sagte Hickersberger.
Auf Kevlak und Junuzovic verzichtet
Auf Veli Kavlak (Rapid) und Zlatko Junuzovic (GAK) verzichtete der Teamchef. "Sie sind nicht dabei, weil sie zuletzt bei ihren Vereinen viel gespielt haben, Zeichen von Überbelastung gezeigt haben und sich gut auf die U20-WM vorbereiten sollen", meinte Hickersberger, der dafür in Prödl und Hoffer zwei weitere U20-Kicker holte. "Hoffer hat durch seinen Mittelfußknochenbruch zuletzt weniger Spiele absolviert und ist in sehr guter körperlichen Verfassung." Über Prödl holte Hickersberger Informationen von Sturm-Coach Franco Foda ein. "Auch er ist der Meinung, dass Prödl sehr großes Potenzial hat."
Der Sturm-Verteidiger profitierte so wie Patocka vom aktuellen Mangel an Innenverteidigern. Ferdinand Feldhofer ist verletzt, von einer Rückkehr des Middlesbrough-Legionärs Emanuel Pogatetz sah Hickersberger vorläufig noch ab. "An seiner Sperre von zwei EURO-Spielen hat sich bisher nichts geändert, daher ist es sinnvoll, andere Leute zu testen."
Im Offensiv-Bereich kam Sulimani auch deswegen zum Zug, weil der im Frühjahr starke Rapid-Flügelspieler Ümit Korkmaz wegen eines Muskelfaserrisses absagen musste. "Korkmaz wäre im Kader gewesen, aber es ist nicht so, dass ich den Ausfall eines Debütanten an die große Glocke hänge. Sulimani ist vielleicht nicht so schnell wie Korkmaz, aber technisch gut und stark in Eins-zu-Eins-Situationen", meinte Hickersberger.
Nicht viele Experimente
Trotz eines Neuling-Quartetts im Kader betonte der Teamchef, dass es gegen Schottland und Paraguay nicht allzu viele Experimente geben wird. "Es geht in erster Linie nicht um die Debütanten, sondern um die Bestätigung der Entwicklung des Nationalteams", so Hickersberger.
Der Niederösterreicher nominierte erstmals auf Abruf die beiden Stürmer Marco Arnautovic (Twente) und Stefan Maierhofer (Koblenz). "Arnautovic ist mit zweimal sehr positiv aufgefallen. Maierhofer hat sich laut verschiedenen Meinungen in den letzten eineinhalb Jahren rasant weiterentwickelt. Wenn er diese Entwicklung fortsetzt, kann er ein Thema für das Team werden."
Vastic lobend erwähnt
Gedanken macht sich Hickersberger aber nicht nur über potenzielle neue Teamspieler, sondern auch über arrivierte Kräfte. "Baur (Anm.: 38 Jahre alt) ist bei Pasching in der Defensive noch immer das Um und Auf, von seiner Leistung her hätte er sich eine Einberufung verdient", so der ÖFB-Coach, der auch Ivica Vastic lobend erwähnte, allerdings darauf hinwies, dass der mittlerweile 37-Jährige seine Top-Leistungen in der Ersten Liga brachte, "in der das Niveau nicht so hoch ist wie in der Bundesliga."
Der 59-Jährige wiederholte zwar sein Bekenntnis zur Jugend ("Ich glaube, dass die Lösungen von gestern keine Zukunft haben"), ließ aber im Hinblick auf mögliche Personalsorgen unmittelbar vor der EURO die Tür für die Rückkehr von Routiniers einen Spalt breit offen. "Wenn so eine Situation wie jetzt vor der EM eintritt, ist das eine andere Frage. Aber jetzt ist es wichtig, mit den Jungen zu arbeiten."
"Hicke" optimistisch für Doppel
Hickersberger, der sich für das Länderspiel-Doppel optimistisch zeigte ("Ich bin zuversichtlich, dass wir den einen oder anderen Erfolg landen können"), zieht seinen Kader am 27. Mai, eine Woche nach der letzten Bundesliga-Runde, für sieben Tage in der Sporthauptschule Lindabrunn zusammen, wo striktes Spieler-Manager-Verbot herrschen wird. Auf eine längere Kasernierung verzichtete er, auch wenn es auf Grund der FIFA-Termine möglich gewesen wäre. "Aber wir haben Saisonende, da ist es meiner Meinung nach vernünftiger, dass die Spieler im Kreis ihrer Familie vom Fußball abschalten können."
(apa/red)










