Samstag, 19. Mai 2007

Absprung ins Ungewisse: Eiskunstläufer
Pfeifer will zukünftig für die USA starten

  • Vorarlberger übersiedelt im Juni nach Philadelphia
  • Bei Olympischen Spiele in Vancouver nicht dabei

Österreichs Eiskunstlauf-Sport verliert sein derzeit wohl größtes Talent: Viktor Pfeifer, der im Vorjahr bei seinen ersten Olympischen Spielen in Turin Rang 22 erreicht hat, verlegt seinen Lebensmittelpunkt in die Vereinigten Staaten. Der seit 20-jährige Vorarlberger übersiedelt im Juni nach Philadelphia, wird dort mit seiner Trainerin Uschi Keszler die Karriere fortsetzen und strebt die US-Staatsbürgerschaft an. Er wird damit definitiv die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver versäumen, da er frühestens im Juni 2012 US-Bürger werden kann.

"Es war eine persönliche Entscheidung, ich erfülle mir damit den Traum von Amerika. Mit meinem Charakter ist es das Land, in dem ich am meisten aus meinen Fähigkeiten herausholen kann", erklärte Pfeifer am Samstag auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Feldkirch, die er gemeinsam mit ÖEKV-Präsidentin Christiane Mörth abgehalten hat. "Es ist keine Entscheidung gegen Österreich, sondern eine Entscheidung für Amerika."

Dass die Entscheidung auch mit den Querelen mit dem österreichischen Verband in den vergangenen Monaten zu tun hatte, die bis zu seinem Verzicht, bei der WM anzutreten, geführt hatte, wollte Pfeifer nicht bestätigen. Doch es ist wohl auch nicht von der Hand zu weisen, dass sich sein Verhältnis mit dem Verband seit der Abwahl der früheren Präsidentin Trixi Schuba und der Übernahme durch Mörth drastisch verschlechtert hat.

Pfeifer war zur Star-Trainerin Uschi Keszler nach Aston bei Philadelphia übersiedelt, wo er nun schon fast ein Jahr trainiert. Keszler ist Deutsche mit österreichischen Eltern und hatte auch einmal einen österreichischen Pass. Sie war aber weder Beispiel noch Beraterin für Pfeifers großen Schritt nach Übersee. "Die Entscheidung ist ganz von mir allein getroffen worden", bestätigte der Vorarlberger gegenüber der APA - Austria Presse Agentur. Er selbst habe Keszler und auch seine Eltern von seinen Plänen überzeugen müssen.

Es sei eine klare Entscheidung. "Man muss auch sagen, dass meine Karriere auch sehr gefährdet war", gestand Pfeifer. Denn die Finanzierung seines Trainings in den USA, das er sehr zu schätzen gelernt hat, wäre nicht mehr möglich gewesen. "Und ich bin sehr ehrgeizig. Wenn man als Sportler weiß, dass es besser geht, dann ist es unmöglich mit weniger zufrieden zu sein", so der Frastanzer.

Und ein Leben nach Vorbild Markus Rogan - mit sportlicher und beruflicher Ausbildung in den USA und danach Rückkehr nach Österreich - ist nichts für Pfeifer. Er will sich eben ganz für die USA entscheiden. Im Iceworks Skating Club in Aston ist er schon gut integriert, gibt auch selbst schon Unterricht und er wird auch demnächst ein Studium (Business Management am Neumann College) beginnen.

Der Schritt Pfeifers erfolgt nach Absprache mit dem ÖEKV und einem Gespräch mit Präsidentin Mörth. "Es ist sehr schade, dass eines der größten Talente einen persönlichen Weg gewählt hat, der nicht im Sinne des österreichischen Sports ist", sagte Mörth. Die Hand bleibe jedenfalls ausgestreckt, sollte der Sportler seine Entscheidung noch einmal überdenken. Steine wird man dem Youngster jedenfalls nicht in den Weg legen, wofür sich Pfeifer bedankte.

Der Vorarlberger Sportlandesrat Siegi Stemer äußerte sich hingegen kritisch in Richtung Verband. "Viktor ist seit geraumer Zeit von gewissen Personen im Verband verschaukelt worden. Es hat sich gezeigt, dass Verbandszentralen die Interessen des Sportlers mitunter erst an dritter, vierter oder fünfter Stelle führen." Stemer will diesbezüglich auch mit Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka Gespräche führen. "Es müssen seitens der Bundesorganisation objektivere Kriterien in der sportlichen Beurteilung möglich sein."

(apa/red)

19.5.2007 16:03