Wer kommt nach Putin? Früherer Stabschef
Medwedew oder Ex-Minister Iwanow möglich
- Auch dritte Amtszeit von Putin nicht ausgeschlossen
- Präsident präsentierte gleich meherere Nachfolger

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Medwedew, Iwanow oder
auch Putin selbst möglich
Mit einer Regierungsumbildung im Februar hat der russische Präsident Wladimir Putin im Rennen um seine Nachfolge die Richtung vorgegeben. Im Halbfinale stehen zwei Schwergewichte der russischen Politik: Ex-Verteidigungsminister Sergej Iwanow und Putins früherer Stabschef Dmitri Medwedew. Beide wurden mit dem Amt eines Ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten ausgestattet, beide verantworten in der russischen Regierung milliardenschwere Projekte. Putin löste damit sein Versprechen ein, für die Wahl im März 2008 nicht einen einzigen Nachfolger zu präsentieren, sondern mehrere Kandidaten.
Putin hatte seinen Weggefährten Iwanow nach Ansicht von Beobachtern als Verteidigungsminister entlassen, um ihn aus der Schusslinie öffentlicher Kritik zu nehmen. Die russische Armee mit ihrem brutalen Dienstalltag ist jederzeit für Skandale gut. Der 54-jährige Iwanow gehört zum engsten Vertrautenkreis.
Iwanow ist wie Putin gebürtiger Petersburger und Geheimdienstoffizier. 1976 kam er zum KGB, wo er mit Putin eng zusammenarbeitete. Anfang der 1980er Jahre war er Agent in London, von wo er wegen des Vorwurfes der Spionage 1983 ausgewiesen wurde. Auch in den 1990er Jahren arbeitete Iwanow an der Seite Putins und wurde 1998 dessen Vize im KGB-Nachfolgedienst FSB. 1999 stieg er zum Sekretär des Sicherheitsrates auf, um zwei Jahre später das Verteidigungsressort zu übernehmen.
Gegenkandidat Medwedew
Der Gegenkandidat Medwedew, mit 41 Jahren deutlich jünger, darf schon seit Monaten mit guten Nachrichten im Fernsehen auftreten. Er verantwortet die "nationalen Projekte" Wohnungsbau, Bildung und Medizin. "Medwedew schenkt den Müttern Kinder, Iwanow nimmt sie ihnen weg" - das sei auf die Dauer ein so ungleicher Wettbewerb wie "zwischen Sprint und Sackhüpfen" gewesen, schrieb dazu der Militärexperte Alexander Golz. Iwanow erhält nun zu seinen bisherigen Fachgebieten Rüstungsindustrie und Flugzeugbau ein drittes dazu: Er soll die Rohstoff-Ökonomie Russlands in eine Hochtechnologie-Wirtschaft umwandeln.
Beide Kandidaten stehen für eine Fortsetzung von Putins Politik, auch wenn sie persönlich unterschiedlich wirken. Der Petersburger Jurist Medwedew ist höflich und gewandt. Er kann gut in Davos auf dem Weltwirtschaftsforum das liberale Gesicht Russlands verkörpern. Als größtes Handicap für einen Wahlsieg Medwedews gilt jedoch der Mangel an Persönlichkeit.
Sein Kontrahent Iwanow spricht gut Englisch. Der Beatles-Fan gerät leicht ins Poltern. Sicherheitspolitisch ist er ein "Falke" wie Putin, das zeigten ihre Auftritte bei der Sicherheitskonferenz in München. Die starke Ausgangsposition der Kronprinzen Iwanow und Medwedew macht es unwahrscheinlich, dass noch ein Überraschungskandidat an ihnen vorbeiziehen kann.
Das Feld der Kandidaten könnte sich künftig noch erweitern. Auch die Gruppe um den einflussreichen Vize der Kreml-Administration und Rosneft-Aufsichtsratschef, Igor Setschin, könnte bereit stehen. Beobachter haben auch den Namen des Putin-Freundes Wladimir Jakunin, seines Zeichens Chef der russischen Eisenbahn, in die Debatte geworfen. Eines jedoch dürfte klar sein. Der Nachfolger Putins wird ein Mann sein, der dem Kreml-Chef genehm ist. Das war schon beim früheren Präsidenten Boris Jelzin so, der Putin zu seinem Nachfolger kürte.
Dritte Amtszeit Putins noch nicht vom Tisch
Die Idee von einer dritten Amtszeit, in der Putin die Rolle eines Stabilitätsgaranten spielt, ist noch keineswegs vom Tisch, selbst wenn der Präsident ständig das Gegenteil betont. Die meisten Russen wollen ihrem Staatsoberhaupt in dieser Frage nicht glauben. Aus den Regionen gehen in diesen Wochen schriftliche Aufforderungen nach Fortsetzung der Ära Putin ein, abgesandt von Regionalparlamenten und Gouverneuren. Das habe, so beteuert man in der Duma eilig, keinerlei rechtliches Gewicht.
(apa/red)
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