Samstag, 19. Mai 2007

Wirtschaftsleistung unter Putin um 40 % gestiegen: Russland profitiert vom Ölpreis

  • Österreichs Russland-Exporte '06 um 31 % gestiegen
  • Löhne steigen, Arbeitslosigkeit sinkt, Konsum zieht an

Seit Wladimir Putin am 31. Dezember 1999 die Amtsgeschäfte des zurückgetretenen Präsidenten Boris Jelzin übernommen hat, eilt die russische Wirtschaft von Rekord zu Rekord. Die Wirtschaftsleistung des Landes ist seither um rund 40 Prozent gestiegen und auch heuer wird ein reales BIP-Wachstum um mehr als 6 Prozent erwartet.

Ein Schlüssel zu Putins Erfolg ist der Ölpreis, der sich seit seiner Machtübernahme mehr als verdreifacht hat. Von der Entwicklung profitiert auch die breite Masse der Bevölkerung: 2006 stiegen die Reallöhne um 9 Prozent - mit knapp 300 Euro ist der monatliche Durchschnittslohn aber noch immer sehr niedrig.

Von der positiven Wirtschaftsentwicklung in Russland profitiert auch der bilaterale Handel mit Österreich: Österreichs Exporte nach Russland legten 2006 um 31 Prozent auf 2,23 Mrd. Euro unterwartet stark zu, die Importe aus Russland stiegen zwar nur um 6 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro, vor allem wegen der hohen Energieimporte ist Österreichs Handelsbilanz mit Russland jedoch negativ. In der Rangliste der wichtigsten Exportländer Österreichs sei Russland seit Dezember 2005 vom 13. auf den 11. Rang vorgerückt, heißt es im jüngsten "Wirtschaftsreport Russland" der Außenwirtschaft Österreich.

Wichtigster Handelspartner: Deutschland
Russlands Warenausfuhren stiegen im vergangenen Jahr um ein Viertel, nachdem sie bereits in den beiden Jahren davor um jeweils ein Drittel zugelegt hatten. Die Einfuhren nahmen um 31 Prozent zu. Der Überschuss im Außenhandel erreichte damit 139 Mrd. Dollar, das sind 14 Prozent des BIP. Wichtigster Handelspartner Russlands ist Deutschland, wobei nach Deutschland fast ausschließlich Energie und Rohstoffe geliefert werden.

Preis für Erdöl seit Putin verdreifacht
2007 wird Russland bereits das neunte Jahr in Folge ein starkes Wirtschaftswachstum verzeichnen: Zwar dürfte sich das BIP-Wachstum von 6,5 Prozent im Vorjahr heuer und im kommenden Jahr auf knapp unter 6 Prozent verlangsamen, es wird aber noch immer deutlich über jenem in Westeuropa liegen. Die Prognosen hängen allerdings sehr stark mit der Entwicklung des Ölpreises zusammen, da Erdöl und Erdgas mehr als zwei Drittel aller russischen Exporte ausmachen. Der Preis für russisches Erdöl hat sich seit Putins Amtsantritt mehr als verdreifacht: 1999 lag er bei 105 Dollar pro Tonne, bereits bei 2005 bei 330 Dollar.

Brutto-Auslandsverschuldung bei 35 % des BIP
Dank der hohen Exporterlöse konnte Russland seine Auslandsschulden vorzeitig zurückzahlen. Die Auslandsschulden der Föderalregierung sanken bis Ende 2006 auf 44 Mrd. US-Dollar (rund 4 Prozent des BIP). Im August 2006 zahlte Russland nahezu die gesamten noch offenen Verbindlichkeiten an den Pariser Klub zurück. Berücksichtigt man auch die Staatsunternehmen, dann betragen die russischen Auslandsschulden rund 310 Mrd. US-Dollar. Die Brutto-Auslandsverschuldung liegt derzeit bei etwa 35 Prozent des BIP. Zum Vergleich: Österreichs Schuldenstand betrug im vergangenen Jahr 62,5 Prozent des BIP.

Netto-Gläubiger gegenüber dem Ausland
Seit 2000 weist das russische Budget Jahr für Jahr einen Überschuss auf. Die Währungsreserven sind 2006 um zwei Drittel auf rund 304 Mrd. US-Dollar gestiegen. Über höhere Währungsreserven verfügen nur Japan und China. Da die russischen Währungsreserven inzwischen höher sind als die staatliche Auslandsverschuldung, ist Russland jetzt Netto-Gläubiger gegenüber dem Ausland.

Löhne um 9 Prozent gestiegen
Ein wichtiger Wachstumstreiber der russischen Wirtschaft ist der steigende private Konsum mit Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich - von der guten Wirtschaftsentwicklung profitiert allen Unkenrufen zum Trotz auch die breite Masse der Bevölkerung. So stiegen die Reallöhne 2006 um rund 9 Prozent. Lag der Durchschnittslohn im Jahr 2000 noch bei 80 Dollar, beträgt er jetzt bereits rund 400 Dollar (297 Euro). Die Teuerungsrate konnte im vergangenen Jahr unter 10 Prozent gedrückt werden und soll auch heuer und im kommenden Jahr sinken.

Arbeitslosigkeit konstant rückläufig
Auch die Arbeitslosigkeit ist konstant rückläufig und lag 2006 nach ILO-Berechnung bei 7,4 Prozent. Dabei gibt es allerdings, wie auch in anderen Ländern Mittel- und Osteuropas, starke regionale Unterschiede: Während in einigen Großstädten das Angebot an guten Arbeitskräften rar ist, gibt es in den Provinzen ein Überangebot an billigen Arbeitskräften.

Wirtschaftsreformen umgesetzt
Einen Großteil der wichtigen Wirtschaftsreformen hat Russland in den vergangenen Jahren bereits umgesetzt. Der Steuersatz für Unternehmensgewinne wurde auf 20 bis 24 Prozent gesenkt, die Mehrwertsteuer auf 18 Prozent, der Einkommensteuersatz beträgt einheitlich 13 Prozent, die Vermögen werden mit höchstens 2,2 Prozent besteuert.

Kritik an Staatseingriffen in Wirtschaft
In Putins zweiter Amtszeit, die im kommenden Jahr zu Ende geht, sind die Reformen jedoch ins Stocken geraten. Kritisiert werden international vor allem die Eingriffe des Staates in die Wirtschaft - so wird vor allem die Expansionspolitik des staatlichen Gas-Monopolisten Gazprom mit Sorge betrachtet. Nach Ansicht von OECD-Experten soll der Anteil privater Unternehmen an der Gesamtproduktion in letzter Zeit sogar rückläufig sein.

Die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Russland betrugen 2006 nach Schätzungen der Experten der UniCredit Group 2,2 Prozent des BIP. Bei einem ebenfalls geschätzten BIP von 1.000 Mrd. Dollar (742 Mrd. Euro) wären das über 16 Mrd. Euro. Heuer und im kommenden Jahr dürfte der FDI-Zufluss leicht zunehmen.

(apa/red)

19.5.2007 21:32