Österreich ausländerfeindlich? Qualifizierte Fachkräfte von Zuwanderung abgeschreckt
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Die latente Fremdenfeindlichkeit in Österreich führe dazu, dass qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland abgeschreckt würden und andere Zielländer wählten. Das war der Tenor einer Diskussion bei der Tagung "Migration - Integration", die im Bildungszentrum St. Virgil in Salzburg stattfand. Die Nationalratsabgeordneten Terezija Stoisits, Reinhold Mitterlehner, Elisabeth Hlavac sowie Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, sprachen sich in ungewohnter Einigkeit für qualifizierten Zuzug von ausländischen Arbeitskräften und deren Familien aus.
Kritik an der Migrations- und Integrationspolitik der eigenen Partei übte Mitterlehner: Die ÖVP habe das Thema in der Vergangenheit zu sehr aus der Sicherheitsperspektive diskutiert. Die Übergangsfristen auf dem Arbeitsmarkt seien betont worden, um sich abzuschotten. "Österreich ist ein Zuwanderungsland", stellte er klar. Es brauche einen Zuzug mit klaren Spielregeln. Jene 800 Fräser, Dreher und Schweißer, die gebraucht werden, könne man kaum finden, weil auch andere Länder einen Mangel an Facharbeitern hätten und "Österreich von vielen als ausländerfeindlich gesehen wird". Das müsse sich ändern.
Ähnlich argumentierte auch Beyrer: In der österreichischen Gesellschaft müsste das Bewusstsein dafür entstehen, dass Migration etwas Positives sei. "Wir müssen ein Klima schaffen, wo die Menschen, die zu uns wollen, das Gefühl haben, dass sie willkommen sind."
Die Erwerbsmigration aus Drittstaaten stelle nur einen kleinen Aspekt der Zuwanderung dar, sagte Stoisits. "Wenn es nicht wesentliche Begleitmaßnahmen gibt, können wir uns das beste Punktesystem zur Zuwanderung in die Haare schmieren", sagte die Grünabgeordnete. Es gehe darum, dass diese Menschen gerne in Österreich leben. Der qualifizierte Inder komme nicht, "weil Menschen mit dunkler Hautfarbe in diesem Land diskriminiert werden", erklärte Stoisits. Neben der qualifizierten Zuwanderung müssten deshalb Modelle erarbeitet werden, die das Land attraktiv für potenzielle Migranten machen.
ÖGB gegen Verkürzung der Übergangsfristen
Nur Richard Leutner, Leitender Sekretär des ÖGB, gab sich restriktiver: Die Debatte über den Fachkräftemangel in Österreich werde als Vehikel benützt, um über eine Verkürzung der Übergangsfristen für die Freizügigkeit der Arbeitnehmer aus den jungen EU-Ländern zu diskutieren.
"Die Frage des Schutzes des heimischen Arbeitsmarktes wird auch 2009 nicht erledigt sein", sagte Leutner. Der Lohnunterschied betrage 1:5 und mehr, begründete Leutner. Derzeit suchten 100.000 Facharbeiter in Österreich eine Stelle. "Es ist für mich undenkbar, dass da nicht 800 Fräser und Schweißer zu bekommen sind", sagte Leutner.
Bedenken äußerte Leutner gegenüber dem von den Grünen vorgeschlagenen kanadischen Punktemodell beim Zuzug: Qualifizierte Arbeitnehmer erhielten viele Punkte und einen guten Aufenthaltsstatus, weniger Qualifizierte hingegen müssten das Land wieder verlassen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.
Wenn Österreich den Menschen nichts anbiete, werde man den Wettbewerb um die qualifizierten Arbeitskräfte verlieren, befürchtet Mitterlehner: "Unser Problem ist, dass die erste Welle der Bewegungsfreudigen, Qualifizierten und Kreativen schon an uns vorbeigefahren ist. Wenn wir die zweite Welle auch übersehen, dann hat das wirtschaftliche Nachteile."
(apa/red)
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