Donnerstag, 10. Mai 2007

Wiener Gänsehäufel wird 100 Jahre alt:
Florian Berndl "entdeckte" das Freibad

  • Großes Feierprogramm mit Jubelfest, CD und Buch
  • 330.000 Quadratmetern für Anhänger des Badespass

Wiens größtes Freibad feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen. Bereits 1907 öffnete das legendäre Bad an der Alten Donau seine Pforten für die Besucher. Das Jubiläum wird, mit einem Buch, einer von Willi Resetarits besprochenen CD und einem großen Fest mit Reinhard Fendrich gefeiert.

Auch neben den Jubiläumsveranstaltungen gibt es für die jährlich rund 360.000 Badegäste einige Neuigkeiten. Heuer steht neben zahlreichen Becken, einem Fußballplatz und Volleyball-, Basketball- und Badmintonplätzen erstmals auch eine Bocciabahn zur Verfügung.

Von Baum zu Baum
Außerdem hat ein privater Betreiber einen Hochseilklettergarten errichtet. In einigen Metern Höhe gilt es, verschiedene Seilbrücken von Baum zu Baum zu überwinden. Für müheloseres leibliches Wohl sorgen dagegen diverse Buffets, ein Strandcafé, eine Milchbar und ein Sektstand. Beibehalten wurde heuer auch der kostenlose Bäderbus-Shuttleservice von der U-Bahn-Station Kaisermühlen ins Strandbad und der Gratis-Wireless-Lan-Zugang im Gänsehäufel.

Eines der größten Bäder
Das Gänsehäufel gilt mit seinen 330.000 Quadratmetern als eines der größten Strandbäder Europas und befindet sich seit 1907 im Besitz der Gemeinde. Entdeckt hatte das Areal allerdings der schrullige Naturfreund Florian Berndl (1856 bis 1934), dessen Geburtstag sich am heutigen 10. Mai zum 151. Mal jährt.

Wie Gott ihn schuf
Dieser hatte bei seinen Streifzüge an der Alten Donau die unbesiedelte Insel entdeckt und 1900 gepachtet. Zusammen mit seiner Familie bezog er dort eine Hütte und verwirklichte seine Vorstellungen einer natürlichen Lebensweise, zu der auch das gemeinsame Nacktbaden von Mann und Frau gehörte. Dies erregte beträchtliches Aufsehen, was 1905 zur Annullierung des Pachtvertrages führte.

Nackig in Neu-Brasilien
Zwar blieb Berndl auch im gemeindeeigenen Gänsehäufel zunächst Oberbadewärter und später Aufseher über die Kindererholungsstätte. Da er sich allerdings weiter seinen umstrittenen Naturheilverfahren widmete, wurde er in letzter Konsequenz 1913 entlassen und delogiert.
An Berndl erinnert heute noch das abgetrennte Areal auf der Insel unter dem von ihm eingeführten Namen "Neu-Brasilien": Hier können die FKK-Anhänger die Hüllen fallen lassen. (apa/red)

10.5.2007 14:58