Süchtig nach weniger Kilos - NEWS schlägt Alarm: 200.000 Österreicher sind essgestört
- 20 Prozent sterben sogar an Bulimie und Anorexie
- sowhat: Aufklärungs-Kampagne von Andrea Kdolsky

·Therapeutin Kubelka-Chimani in NEWS
'Plakate & Modehefte sind
Essstörungspornografie'
·Essstörungen: 'Diäten sind Einstiegsdroge'
200.000 leiden derzeit an Bulimie oder Magersucht
·Dick oder dünn? Ess- Störungen nehmen zu
Immer mehr sind viel zu fett oder magersüchtig
·Magersucht nach Geburt am Vormarsch
Junge Mamis wollen zu schnell wieder dünn sein
·Gesundes Essen kann auch krank machen!
Zwangsverhalten als neue Form der Essstörung
Waltraut Kubelka-Chimani steht hinterm Herd und rührt resolut in einem silbernen 20-Liter-Topf, der voll ist mit Spiralnudeln. Im Gewürzregal über dem riesigen Esstisch hinter ihr lehnt ein blaues Blechschild. "Diätfreie Zone" steht darauf geschrieben. Für die 15 Mädchen und jungen Frauen, die sich hier, in der Küche des Therapiezentrums Weidenhof, gleich zum Mittagessen einfinden werden, eine Art Codewort für ihr neues Leben. Denn lange genug haben sie bereits "Diät" gehalten. Lange genug gehungert, gefressen, gekotzt und wieder gehungert. Und einige von ihnen hätte die Sucht nach weniger Kilos beinahe umgebracht.
250, Dulcolax' auf einmal. So wie die 20-jährige Maria. Sie ist eine der jungen Frauen, die Therapeutin Kubelka-Chimani in der Wohngemeinschaft am Kärntner Weidenhof langsam wieder das Essen lehrt. Im Alter von 15 Jahren - mitten in der Pubertät - verspürte Maria erstmals den Wunsch, dünner zu sein. So schlank wie die schönen Frauen auf den Werbeplakaten, die immer aussahen, als seien sie keine Sekunde ihres Lebens traurig oder unzufrieden mit sich selbst.
Der Griff zum Abführmittel
"Ich wollte um jeden Preis abnehmen", sagt die Brünette im Schlabberpulli heute, "aber für strenge Diäten war ich einfach nicht diszipliniert genug!" Also kam Maria auf die scheinbar simple Idee, nach jedem Essen Abführmittel einzunehmen. So, wie es ihre Mutter schließlich auch schon manchmal getan hatte. Nur: Maria blieb nicht bei ein oder zwei Tabletten, sondern steigerte ihre Dosis vier Jahre lang immer weiter, bis sie täglich bis zu 250 "Dulcolax"-Dragees auf einmal schluckte.
In Lebensgefahr...
"Ich hab das meistens am Abend gemacht und bin dann bis in der Früh am Klo gesessen. Zwischendurch musste ich auch immer wieder kotzen. Ich hab geglaubt, ich krepier, weil die Abführmittel solche Krämpfe verursacht haben. Aber am nächsten Morgen hat die Waage bis zu vier Kilo weniger angezeigt, und ich konnte richtig stolz auf mich sein!"
Stolz war Maria auch noch, als sie voriges Jahr bei einer Körpergröße von 1,68 Metern nur noch 36 Kilo wog. Und in Lebensgefahr ins Krankenhaus eingeliefert werden musste
20 Prozent sterben an Magersucht
200.000 Österreicherinnen und Österreicher leiden an Ess-Störungen wie Anorexie (Magersucht) und Bulimie (Ess-Brech-Sucht). Offiziell. Denn die Dunkelziffer, so schätzen Experten, ist um einiges höher. Mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 20 Prozent sind Anorexie und Bulimie außerdem die weltweit lebensbedrohlichsten psychosomatischen Erkrankungen. Nur 30 Prozent aller Betroffenen gesunden überhaupt jemals zur Gänze.
Kdolsky meint "sowhat"
Mit ein Grund, warum das Gesundheitsministerium jetzt gemeinsam mit dem Ernährungsinstitut "sowhat" eine Initiative zum Thema Essstörungen ins Leben gerufen hat. Ziel der Plakat- und Fernsehkampagne: Betroffene dazu zu bewegen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, und die Bevölkerung für Magersucht, Bulimie und Binge-Eating-Disorder (Fressanfälle) zu sensibilisieren. "Denn", so Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky, "es ist wichtig, die vorherrschenden Schönheitsideale zu hinterfragen".
www.sowhat.at
Weitere Informationen zum Thema Magersucht und Bulimie sowie ein Interview mit Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky lesen Sie im aktuellen NEWS!
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