Kein Blum-Bonus für Frisörinnen in Zukunft:
Bures will Bonus für Lehrstellen streichen
- Nur für "nicht traditionelle" Lehrberufe für Mädchen
- Problem: Viele Lehrstellen, aber danach keine Jobs
Frauenministerin Doris Bures ortet bei der Lehrstellenförderung über den so genannten Blum-Bonus erheblichen Reformbedarf und will in Zukunft traditionelle Mädchenberufe nicht mehr mit dieser Lehrlingsförderung unterstützt wissen.
Statt einer Förderung "mit der Gießkanne" sollen Betriebe, die Mädchen und Burschen etwa zu NachrichtentechnikerInnen, MaschinenbautechnikerInnen oder MediendesignerInnen ausbilden stärker gefördert werden als Branchen, wo es zwar reichlich Lehrstellenangebote gibt, aber nach der Lehre kaum Berufsaussichten bestehen", sagte Bures. Gemeint sind beispielsweise Ausbildungen zur Friseurin, Kellnerin oder Köchin.
"Von 22.000 Blumbonus geförderten Lehrstellen, sind nur 5.600 zusätzliche Lehrverträge in Betrieben geschaffen worden", kritisierte die Ministerin. Erfahrungen mit dem Blum-Bonus zeigten, dass die AMS-Förderung von Betrieben, die zusätzliche Lehrstellen anbieten, "zu einer Fortschreibung der traditionellen Berufswahl von Mädchen geführt hat: So werden Mädchen mit Blum-Förderung zu 70 Prozent in den fünf Berufen Handel, Büro, Friseure, Kellnerin und Köchin ausgebildet."
Der Haken: Nach abgeschlossener Lehre gibt es zu wenig offene Stellen, in der Branche gesucht sind nur die "billigen" Lehrlinge. Eine Untersuchung der Arbeiterkammer vom April 2007 zeige zudem, dass viele VerkäuferInnen lieber einen anderen Beruf erlernen wollten.
Der Blum-Bonus, dem die Sozialpartner zugestimmt haben, wurde mit 1. September 2005 eingeführt - die Lehrstellenlücke habe sich aber nicht verkleinert, bemängelt Bures. Während vor einem Jahr 922 Lehrstellen fehlten, mangelte es im April 2007 an 1.158 Lehrstellen. Auch das veranschauliche den Reformbedarf.
Bures verweist auf das Koalitionsabkommen, wo im Kapitel "Frauen" vereinbart wurde, dass beim Blum-Bonus der Schwerpunkt auf Mädchen und atypische Lehrberufe gelegt werden soll.
Einen guten Ansatz sieht Bures im Modell der Arbeiterkammer, das ein abgestuftes System der Förderung vorsieht: die volle Förderung (400 Euro monatlich im ersten Lehrjahr, 200 Euro im zweiten Lehrjahr und 100 Euro im dritten Lehrjahr) soll nur mehr dann gewährt werden, wenn es um nichttraditionelle Zukunftsberufe für Mädchen (Mädchenanteil am Lehrberuf unter 40 Prozent) geht. Die halbe Förderung soll es für die Lehrausbildung in Zukunftsberufen ohne spezielle Mädchenförderung geben. Hingegen soll die Blum-Förderung eingestellt werden, wenn es sich um "Sackgassenberufe" handelt - beispielsweise sollten Lehrstellen im Tourismus nicht mehr gefördert werden, wo zwar auf eine Lehrstellen suchende Person acht offene Lehrstellen kommen, aber nach der Ausbildung keine Jobs winken. "50 Prozent der Friseurinnen sind dann mit 18 beim AMS", hieß es im Frauenministerium.
Kritik bei Grünen und BZÖ
Die Idee der Frauenministerin stößt sowohl bei den Grünen als auch beim BZÖ auf heftige Kritik. "Die unüberlegte Streichung einzelner Fördermaßnahmen in der Lehrlingsausbildung ist ein Irrweg", teilte die Arbeitnehmersprecherin der Grünen, Birgit Schatz, am Montag in einer Aussendung mit. "Statt irgendwelcher Streichungen sollte es zusätzliche Mittel für Projekte geben, die den Einstieg von jungen Frauen in nicht-frauenspezifischen Berufe fördern", forderte Schatz.
Es gebe bereits erfolgreiche Programme für Kindergarten-Pädagoginnen und Lehrerinnen, über die versucht werde, jungen Mädchen verstärkt auch technische Berufe zu erschließen. "Diese Projekte leiden immer wieder unter Finanzierungsschwierigkeiten und gehören deshalb abgesichert und ausgebaut", so Schatz.
Klare Ablehnung zu den Plänen der Frauenministerin, Lehrlinge unterschiedlich zu behandeln, kommt auch von der stellvertretenden BZÖ-Klubobfrau Ursula Haubner: "Für das BZÖ ist jeder Lehrberuf und jeder Lehrling gleich viel wert und förderungswürdig." Der Blum-Bonus habe sich bestens bewährt und sei nicht in Frage zu stellen. Die SPÖ solle lieber jeden Betrieb, der Lehrlinge ausbildet, unterstützen anstatt über Strafaktionen für Unternehmer nachzudenken, so Haubner. Vielmehr sollten Mädchen durch noch besserer Information und Aufklärung in "frauenuntypische" Berufe gebracht werden.
(apa/red)
