90 Prozent aller E-Mails sind nur Spam:
Ungewollte Post in einem Jahr verdoppelt

  • Lukrative "Business-Modelle" lassen Spam aufblühen

Die Zahl von unerwünschten Spam-Mails hat sich in den vergangenen zwölf Monaten verdoppelt. Bereits 90 Prozent aller Nachrichten sind unerwünschte Werbemitteilungen, sagte Thomas Mandl, technischer Leiter des Sicherheitssoftware-Unternehmens Ikarus. Schon im Juni 2006 hätte es einen sprunghaften Anstieg gegeben, der bis jetzt angehalten habe, so die Beobachtungen des Virenspezialisten.

Zugenommen haben in den vergangenen zwei Monaten auch Mails mit so genannte Penny-Stock-Options. In diesen Nachrichten sollen User zum Kauf von billigen, wertlosen Aktien überredet werden, erklärte der Experte. Fallen genug Personen auf das vermeintlich lukrative Geschäft herein, steigt der Wert der Aktie und die Urheber der Nachricht können ihre Anteile Gewinn bringend verkaufen.

Für die einen lästig, für die anderen rentabel
Grund für die enorme Zunahme von Spam-Mails, ist das lukrative Geschäft mit dem Versand, erklärte Mandl. "Mittlerweile lässt sich das recht gut finanzieren." Es gebe komplette Business-Modelle, mit denen Geld verdient werden kann. Dabei würden zum Beispiel Spamer beauftragen für Produkte zu bewerben. Wird eine bestimmte Zahl der Spam-Mails gelesen oder sogar beantwortet, wird bezahlt. "Der Schwarzmarkt blüht wirklich auf", meinte der Mitarbeiter.

Schrittweise zum Gewinn
Für 1.000 geöffnete Mails werde etwa ein US-Dollar (knapp 0,75 Euro) bezahlt, so der Experte. Schafft es ein Spamer bei eben so vielen Computern Spyware zu installieren, erhält er 15 US-Dollar (rund elf Euro). Die höchste Summe gibt es, wenn Internetuser zum Besuch einer Homepage verleitet werden: Klicken 1.000 Personen einen in der Mitteilung angeführten Link an, verdient der Urheber der Nachricht 50 US-Dollar (knapp 37 Euro).

Geringe Opferzahl ausreichend
Gehe man von neun Millionen versandten Spam-Mails pro Tag aus, steigen bereits bei einem sehr geringen Erfolg die Gewinnsummen, erläuterte Mandl. Wenn nur ein Promille der Empfänger auf die Nachrichten reagiere, seien bereit 9.000 Personen in die Falle getappt und die oben genannten Beträge würden auf das neunfache Ansteigen. Je nach Verhalten der User verdienen Internetkriminelle bei diesem Szenario also bis zu 332 Euro täglich.

Schwerwiegende Bot-Hürden
Große Probleme beim Kampf gegen Spam und Viren bereiten den Virenspezialisten so genannte Bot-Netze, bei denen fremde Computer infiziert und von außen ferngesteuert werden. Über diese Rechner werden dann massenhaft Nachrichten verschickt, berichtete Mandl. Meist sind die zusammen agierenden PCs dabei über die ganze Welt verstreut und können nur schwer ausgeforscht werden. (apa/red)

11.5.2007 09:01
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