Mittwoch, 9. Mai 2007

Hermann Nitsch: Mistelbach im Kunstrausch

  • 40 Jahre ins Museum. Land und Stadt zahlen den Bau. Nitsch steuert leihweise die Kunst bei.

Der Meister der Orgien und Mysterien am Ziel: In Mistelbach wird sein Museum eröffnet. Der erste Lokalaugenschein.

Ein paar der Blitze, die aus der nahen Kleingemeinde Prinzendorf herüber wetterleuchteten, hatten die niederösterreichische Bezirksstadt Mistelbach ja schon bisher gestreift. Der Nachhall eines Skandals. Die Pfiffe einer Demonstration. Museumsdirektoren, die noch rasch einen Kaffee nahmen, ehe sie sich zurück in die Zentren der Kunstwelt verfügten. Am 24. Mai aber ist es vorbei mit der Randexistenz, und Mistelbach wird ein Fall für die Reiseführer, auch die überregionalen. Fürs Erste allerdings nehmen sich die Vorbereitungen in der stillgelegten Fabrik für Landwirtschaftsmaschinen noch bodenständig aus. Bauarbeiter trotzen dem näherrückenden Eröffnungstermin. Ein Lieferwagen, wie ihn Bau- oder Möbelhäuser verleihen, biegt in den Hof ein. Die Fracht: ein Herr mit grauem Rauschebart und schwarzem Hut. Und seine Kunst. Aktionsmaler Hermann Nitsch liefert die Ware für sein Museum: Kunst auf 4.500 Quadratmetern, die auch genügend Platz für Aktionen böten. Die aber sollen vorläufig in Prinzendorf bleiben, wo man die gewaltigen Orgien-Mysterien-Spiele schon fast gewöhnt ist. Wo indes andere Institutionen hochversicherte, teure Kunstspeditionen auf den Weg schicken würden, um die zwei Dutzend Großformate zu transportieren, gibt sich der sonst stets prestigebedachte Künstler bodenständig. Wandfüllende Farbflächen auf Jute und Leinwand reisen so schlicht wie die Pressspanplatten für die landschaftsdominierend verhüttelnden Eigenheime.


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9.5.2007 16:46