Das Outing des Song Contests: Wettbewerb ein Treffpunkt für Schwule aus ganz Europa
- Laut Forschern seit Jahren ein offenes Geheimnis
- Veranstalter und Produzenten stellen sich darauf ein
·Aus und vorbei für ein 'bisschen Frieden'
Skurriles und Schräges dominierte Song Contest
·Song Contest: Eric
bei der Generalprobe!
BILDER: Ex-Starmaniac fegte über Helsinki-Bühne
·KLICKEN: Das QUIZ zum Song Contest '07
GLEICH MITMACHEN
und Ihr Wissen abfragen!
·Eric Papilaya hat in Finnland ausgesungen
Österreichs Song Contest
Beitrag ist nicht im Finale
·Serbien ist großer Song Contest-Sieger
KLICKEN: Balkan-Ballade
gewinnt vor Skurril-Song
·Wer sich in Helsinki auf die Bühne wagte
DURCHKLICKEN: Alle 42
Teilnehmer im Porträt!
·Song Contest: So wird
die Show ablaufen!
42 Länder treten an, 24 starten im Finale am 12.5.
·Von Udo Jürgens bis hin zu Eric Papilaya!
KLICKEN: Österreichs Starter und ihre Erfolge
·Erster Ärger vorbei:
"Geht mir ganz gut"
Eric ist mit Performance und Fans "überglücklich"
Dass der jährlich stattfindende Eurovision Song Contest neben seinem Image als pflegeleichte TV-Familienunterhaltung am jeweiligen Veranstaltungsort auch ein Treffpunkt für Schwule aus ganz Europa ist, ist seit Jahren in Insiderkreisen ein offenes Geheimnis. Spätestens seit dem Sieg der transsexuellen Dana International 1998 im englischen Birmingham, als die Kameras die jubelnden Mitglieder des israelischen Fanclubs einfingen, konnten dies aufmerksame Zuschauer zumindest ahnen: Denn die fanatisch Fahnen schwingenden Fans waren durch die Bank Männer jüngeren und mittleren Alters.
Ein Blick durch die Runde der dieser Tage angereisten Fans bei den diversen Vor- und Rahmenveranstaltungen zum Song Contest sowie ein kurzer Besuch auf der Homepage des Netzwerks der nationalen Eurovision Fanclubs (OGAE), bekräftigen die Einschätzung des deutschen Journalisten Jan Feddersen: 95 Prozent der Mitglieder aller Song Contest Fanclubs sind Männer und fast alle davon sind schwul.
Spitzname "Gay World Cup"
Die Universität Helsinki veranstaltete unter dem Titel "Queer Eurovision!"("queer" = in einem sexuellen Sinn andersartig, verrückt, Anm.) ein internationales Seminar über die schwule Bedeutung des europäischen Schlager-Festivals. Was macht den Song Contest für Homosexuelle eigentlich so attraktiv? Dem irischen Theater- und Bühnenwissenschaftler Brian Singleton zufolge einerseits der Kitsch, das glamouröse Spektakel oder die oftmals auftretenden "Diven". Andererseits auch die gewisse Emotionalität der Lieder und das generelle, "uncoole" und damit von der Norm abweichende Image der Veranstaltung, die wegen ihrer einschlägigen Popularität mittlerweile den Spitznamen "Gay World Cup" (Die schwule Fußball-WM) bekommen hat.
Auch politische Komponente
Feddersen sieht in den jährlichen Fanclub-Treffen beim Song Contest außerdem eine politische Komponente. Gerade für Homosexuelle aus Ländern wie Polen oder Lettland, wo sie mit großer Feindseligkeit zu kämpfen hätten, ergebe sich beim Song Contest die Möglichkeit, sich gegenseitig - etwa bei der Punktevergabe - zu unterstützen und positives Networking zu betreiben. Das sei "total wichtig", so der Journalist.
Bewusst mehr auf schwules Klientel ausgerichtet
Bei einer in den vergangenen Jahren durchgeführten akademischen Studie über das "queere" Phänomen Song Contest kamen Singleton und zwei Kolleginnen, die Bühnenforscherin Karen Fricker und die italienische Soziologin Elena Moreno, zu dem Ergebnis, dass sich sowohl die Veranstalter als auch die Produzenten der einzelnen Beiträge sich ganz bewusst immer mehr auf die schwule Klientel ausrichten. Als Beispiele beim heurigen Song Contest nannte Singleton den britischen Beitrag von Scooch mit seiner kitschigen Stewart- und Hostessen-Optik, die beiden Drag-Queens aus Dänemark und der Ukraine sowie "zahlreiche weitere".
Eric sei "viel zu viel"
Der Versuch, das homosexuelle Fan-Segment zu bedienen und von dort Stimmen zu bekommen, gerät allerdings mitunter zum Bumerang: Der Beitrag der Isländerin mit dem Künstlernamen Silvia Night vom Vorjahr sei bei den Fanclubs wegen allzu billiger Anbiederung an schwule Klischees geradezu verabscheut worden, weiß Singleton zu berichten. Ein ähnliches Problem in diese Richtung sieht Feddersen auch mit dem heurigen österreichischen Beitrag: "Das ist alles viel zu viel", meint der deutsche Eurovision-Spezialist, selbst bekennender Schwuler über Eric Papilayas Show und Bühnen-Outfit.
Die Leiterin der österreichischen Delegation beim Song Contest, Ursula Stiedl, bestreitet entschieden, dass der ORF mit seinem diesjährigen Beitrag spezifisch bei den Gay-Gemeinden Europas landen wollte. "Wir haben einfach gemerkt, dass ein Song nicht genug ist und dass man eine Bühnenshow bieten muss", sagt sie. Die Tatsache, dass das offizielle Life-Ball-Lied "Get A Life - Get Alive" als Beitrag gewählt wurde, habe ebenfalls "nichts damit zu tun".
Stiedl räumt allerdings gleichzeitig ein, dass das Bewusstsein über die mittlerweile etablierte homosexuelle Fan-Basis des Eurovision Song Contests bei den nationalen Rundfunkgesellschaften vorhanden ist. "Das ist von Jahr zu Jahr stärker geworden. Es ist ja auch bei den Pressekonferenzen nicht zu übersehen", so Stiedl.
(apa/red)
Syrien-Krise18:14
Obama ein Feigling?Wegschauen oder eingreifen? US-Präsident schweigt zum Massaker von Houla
Nachbeben in Italien20:01
Mehrere TodesopferErneut große Schäden und Tote nach schweren Erdstößen in Norditalien
