Montag, 7. Mai 2007

EU-Konjunkturprognose geht nach oben: 2007 soll es 2,9 Prozent Wachstum geben

  • Brüssel revidiert Zahlen: 2008 Steigerung bei 2,7 %
  • Für Österreich heuer BIP-Prognose von 2,9 Prozent

Die Wirtschaft in Europa und in Österreich wird nach Schätzungen der EU-Kommission heuer stärker als bisher angenommen wachsen. Die EU-Kommission revidierte in ihrer Frühjahrsprognose die Konjunkturdaten gegenüber der Vorabschätzung vom Februar nach oben. Für 2007 erwartet die EU-Kommission 2,9 Prozent Wachstum für die EU und 2,6 Prozent für die Eurozone. Auch für Österreich hob die Kommission die Prognosen an: Heuer rechnet die EU-Behörde mit einem BIP-Zuwachs von 2,9 Prozent, 2008 sollen es 2,5 Prozent sein.

Im Februar hatte die Kommission noch 2,7 Prozent Wachstum für die EU und 2,4 Prozent Wachstum für die Eurozone vorausgesagt. Auch für Österreich hatte die Kommission mit einem stärkeren Rückgang gerechnet, nachdem die Alpenrepublik 2006 mit 3,1 Prozent ihren Wachstumshöhepunkt erreicht hat. So hatte die Kommission in ihrer Herbstprognose im November noch 2,6 Prozent für 2007 bzw. 2,1 Prozent für 2008 vorausgesagt. Für Deutschland erwartet die EU-Kommission 2,5 Prozent BIP-Zuwachs im laufenden Jahr und 2,4 Prozent im nächsten Jahr.

Durch das anhaltend starke Wirtschaftswachstum erwartet die EU-Kommission einen Rückgang der Arbeitslosigkeit in der EU. Die EU wird demnach zwischen 2006 und 2008 neun Millionen Euro neue Jobs schaffen, davon sechs Millionen in den 13 Staaten der Eurozone. Die Inflation soll 2007 und 2008 im Euro-Raum mit jeweils 1,9 Prozent knapp unter der kritischen Marke von 2 Prozent bleiben, schätzt die Kommission. Vor allem die Auswirkungen durch die Anhebung der Mehrwertsteuer in Deutschland seien "weniger dramatisch als erwartet", sagte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquin Almunia am Montag in Brüssel.

Ihrem Ziel zur Schaffung ausgeglichener Haushalte kommen die Finanzminister der Eurozone in diesem und nächsten Jahr näher. Im Durchschnitt der 13 Euro-Länder werden die Defizite 2007 bei 1,0 Prozent liegen, 2008 bei 0,8 Prozent. Dies sei "eine deutliche Verbesserung der Defizitentwicklung", betonte Almunia. Selbst im Falle Portugals, das als einziges der Euro-Mitglieder heuer mit einem Defizit von 3,5 Prozent über der Drei-Prozent-Grenze des Stabilitätspaktes liegt, erkenne die Kommission die "gute Arbeit" der Regierung beim Schuldenabbau an, sagte der Kommissar. Im "roten Bereich" liegen außerdem die für heuer erwarteten Budgetdefizite von Ungarn (6,8 Prozent), Tschechien (3,9 Prozent), Polen (3,4 Prozent) und Rumänien (3,2 Prozent). Almunia kündigte an, die Kommission werde nächste Woche die Defizite von Deutschland, Griechenland und Malta bewerten, und gegen Monatsende Tschechien unter die Lupe nehmen. Im Juni sollen dann Rumänien und Ungarn folgen.

In Österreich werden sich 2007 die Investitionen im Bauwesen und in Anlagen weiter beschleunigen, schätzt die Kommission. Die Exporte dürften ihren Aufwärtstrend beibehalten. Durch rege Investitionen würden 2007 zwar auch die Importe beschleunigt, doch dürfte Österreich in der Handelsbilanz noch einen "behaglichen Überschuss" aufweisen. Trotz Schneemangels in tieferen Lagen werde auch der Tourismus weiter einen positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten.

Der Privatkonsum werde sich durch steigende Beschäftigung beschleunigen. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren würden wahrscheinlich mehr Vollzeitjobs in Österreich geschaffen, vor allem in der verarbeitenden Industrie und im Baugewerbe, schätzt die Kommission. 2007 soll die Beschäftigung um 1,25 Prozent wachsen. Das erweiterte Arbeitskräfteangebot werde jedoch den Rückgang der Arbeitslosigkeit bremsen. Ende 2008 rechnet die EU-Kommission mit einer Arbeitslosigkeit von 4,25 Prozent in Österreich. Die Inflation wird nach Schätzungen der EU-Behörde mit 1,8 und 1,7 Prozent in diesem bzw. im nächsten Jahr moderat bleiben. Das heimische Budgetdefizit wird 2007 auf 0,9 Prozent bzw. 2008 auf 0,8 Prozent zurückgehen. Erstmals seit der Euro-Einführung wird die Staatsverschuldung im Jahr 2008 mit 59,2 Prozent unter die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Obergrenze von 60 Prozent fallen.

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl forderte die Europäische Zentralbank in einer Aussendung dazu auf, den "brummenden Konjunkturmotor nicht zu bremsen". Eine neuerliche Leitzinserhöhung "würde Europas Unternehmen und Arbeitsmarkt ungebührlich belasten". Es wird erwartet, dass der EZB-Rat in Frankfurt den europäischen Leitzinssatz im Juni auf vier Prozent anhebt.

(apa/red)

7.5.2007 14:57