Vom Retter zum gestürzten "Zar": Hannes Kartnigs Regentschaft endete hinter Gitter
- Lebemann führte Sturm zu Titeln und in den Konkurs
- In 70er Jahren Verfahren wegen betrügerischer Krida
·FORMAT: Kartnigs Sucht nach Roulette
Im Casino Graz fast drei Millionen Euro verloren
·Vier Hauptvorwürfe gegen Hannes Kartnig
FORMAT: Auch Vorwürfe wegen Schopp-Transfer
·Von abgehoben bis hin zu sympathisch!
NEWS: Freunde & Spieler über Hannes Kartnig
·Spielschulden mit Vereinsgeld bezahlt?
2 Mio. verschwunden: Kartnig bleibt in U-Haft
·Mitreden: Hannes Kartnig verhaftet!
Sturm weiter in der Krise:
Verhaftung gerechtfertigt?
·Regentschaft des
"Zaren" endet in Haft
Kartnig führte Sturm zu Titeln und in den Konkurs
·Vom Eishockey in
die Champions League
Mäzen des Grazer Sports:
Die Erfolge von Kartnig
Einst ist er als Retter des SK Sturm Graz und als erfolgreichster Klubpräsident der steirischen Fußball-Geschichte gefeiert worden. Seinen Abgang hat sich "Zar" Hannes Kartnig aber anders vorgestellt. Nur etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Konkursverfahrens über den Traditionsverein, das der Ex-Präsident mitzuverantworten hat, bekam Kartnig nun auch persönlich die Quittung für sein Wirtschaften präsentiert.
Der 55-Jährige wurde laut Angaben der Staatsanwaltschaft Graz wegen des Verdachts der Abgabenhinterziehung nach dem Finanzstrafgesetz und wegen Veruntreuung festgenommen. Ein Zusammenhang mit dem Konkurs von Sturm, der im Jänner - zwei Monate nach Kartnigs Rücktritt als Präsident - mit dem Zwangsausgleich geendet hatte, gilt als wahrscheinlich. Die Finanzen von Sturm und Kartnigs Werbeagentur "Perspektiven Ankündigungs GmbH" waren offenbar eng miteinander verflochten.
Kartnig hatte die Vereinsführung von Sturm im Dezember 1992 in einer schweren sportlichen und finanziellen Krise übernommen. Um eine existenzielle abzuwenden, reichte der Selfmade-Millionär, der Sturm 1998 als erstes steirisches Team zum österreichischen Fußball-Meister gemacht hatte, im November 2006 seinen Rücktritt ein. Potente Investoren hatten den Abgang Kartnigs als Bedingung für die Rettung des Klubs gestellt. Neben einem zweiten Meistertitel 1999 gab es in der Kartnig-Ära für Sturm auch drei Cupsiege zu bejubeln.
"Zar" Hannes hatte immer zur Selbstdarstellung geneigt - ob bei der Hochzeit mit seiner zweiten Frau Claudia, zu der er 2003 von seinem Trauzeugen Frank Stronach eine Weltreise geschenkt bekommen hatte, oder im "Golden VIP Club" des damaligen Arnold-Schwarzenegger-Stadions, in dem er die Champions-League-Spiele von Sturm verfolgt hatte. Dreimal hatte Kartnig Sturm in die europäische Königsklasse geführt - 2000/2001 mit dem Gruppensieg sogar bis in die Zwischenrunde.
Doch die Einnahmen aus der Champions League - mehr als 20 Mio. Euro brutto - waren rasch in unpassende und überteuerte Spieler gesteckt. Negatives Highlight: Der Rekord-Transfer von Ghana-Stürmer Charles Amoah für umgerechnet mehr als 3,5 Millionen Euro im Jänner 2001. Doch dem "Sonnenkönig" Kartnig, der mit seiner Firma, in der Sohn Gerald (35) als Prokurist tätig ist, viel Geld in den Verein gesteckt hat, wurde ob seiner Erfolge vieles verziehen - bis der Klub im Vorjahr vor dem endgültigen Aus stand.
Beim Grazer Juwelier Weikhard hatte der Lehrling erste Kontakte zu Vertretern der Werbebranche geknüpft, um wenig später selbst darin sein Glück zu versuchen. Mit der Firma "Kartnig-Werbung" fabrizierte er schon 1976 seinen ersten Konkurs. In weiterer Folge war gegen Kartnig bereits einmal ein gerichtliches Verfahren wegen betrügerischer Krida gelaufen. 30 Jahre später blickt der Ex-Präsident, der von 1989 bis 1996 auch dem Eishockey-Erstligisten EC Graz vorgestanden war, einem weiteren entgegen. (apa/red)
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