Hans Orsolics feiert seinen 60. Geburtstag: Österreichs Box-Champ kann wieder lachen
- "Potschertes" Leben verläuft in geordneten Bahnen
- NEWS: Bewegende Biographie von Sigi Bergmann
·Hansi Orsolics: "Mein potschertes Leben"
NEWS: Box-Legende wird durch neue Bio verewigt

Er war ganz oben und ganz unten - Hans Orsolics hat alles erlebt. "Hansee"-Rufe vor 15.000 Zuschauern in der Wiener Stadthalle, Entziehungskuren nach Alkoholproblemen, Schlägereien und insgesamt 14 Gefängnisaufenthalte. Unbestritten sind die sportlichen Erfolge des ehemaligen Profiboxers, der heute seinen 60. Geburtstag feiert.
Orsolics war einer der erfolgreichsten heimischen Profis. Im Verlauf seiner Karriere bestritt der gebürtige Burgenländer zwischen 1965 und 1974 53 Kämpfe als Berufsboxer, wobei 42 Siegen drei Remis und acht Niederlagen gegenüberstanden.
Hans Orsolics wurde am 14. Mai 1947 in Neuberg geboren. Bereits mit zwölf Jahren begann er zu boxen und wurde mit 16 österreichischer Jugendmeister. Drei Jahre später (6.6.1967) holte der Rauchfangkehrergeselle in Wien mit knapp 20 Jahren vor 10.000 begeisterten Zuschauern durch einen Punktsieg über den deutschen Routinier Conny Rudhoff die EM-Würde im Superleichtgewicht und 17 Jahre nach Joschi Weidinger wieder einen EM-Titel nach Österreich.
"Hansee", in der Folge viele Jahre lang Sportliebling Österreichs, verteidigte diesen zweimal erfolgreich, ehe der Marchart-Schützling den EM-Gürtel am 7. Mai 1968 an den Italiener Bruno Arcari abgeben musste. 1969 stieg er ins Weltergewicht um und eroberte in Wien auf Anhieb den EM-Titel durch einen K.o.-Sieg (4. Runde) gegen den Franzosen Jean Josselin. Abermals verteidigte er seinen Titel zweimal erfolgreich und musste sich erst am 20. November 1970, wieder in Wien, dem Briten Ralph Charles durch k.o. geschlagen geben.
In der Folge stieg der Stadthallen-Liebling nochmals die Gewichtsklassenleiter empor und bestritt drei Kämpfe im Superwelter, konnte jedoch keinen von ihnen gewinnen. Die Niederlage gegen Jose Duran am 5. November 1974 in Berlin war sein elfter und letzter EM-Kampf und der Beginn eines raschen sozialen Abstiegs.
Von "Freunden" um die erboxten Millionen gebracht, eröffnete er in Wien ein Gasthaus ("Der Rauchfangkehrer") und wurde wiederholt in Schlägereien mit Gästen verwickelt. Orsolics musste das Lokal aufgeben. 1986 kam er kurzfristig mit seiner Single "Mei' potschertes Leben", die sich insgesamt 46.000-mal verkaufte und ihm half, seine Schulden zu tilgen, in die Schlagzeilen.
Seither führt er ein geordnetes Leben. Orsolics lebt mit seiner Frau Roswitha ("Ihr verdanke ich viel, wir haben alle Schulden zurückgezahlt") in Wien-Meidling und arbeitet seit mittlerweile 18 Jahren über Vermittlung des ORF-Boxexperten Sigi Bergmann als Hilfskraft in der ORF-Hausdruckerei am Küniglberg.
(apa/red)
