Montag, 7. Mai 2007

Auswirkungen des Klimawandels: Blühen in Österreich bald Zitronen- statt Apfelbäume?

  • Bereits jetzt überleben Palmen den Wiener Winter
  • PLUS: Weine sind nicht mehr spritzig, sondern kräftig

Zitronen statt Weizen, Orangen statt Roggen und Palmen statt Äpfel: Der Klimawandel macht der heimischen Landwirtschaft zu schaffen. Die Bauern kämpfen gegen die Trockenheit, zudem kann die hohe Anzahl der Extremtage über 30 Grad die Ernte zunichte machen. Es ist also durchaus möglich, dass sich die üblichen Obst- und Gemüsesorten in Österreich bald ändern. Laut Erwin Mayer, Klimaexperte bei Greenpeace, können hier zu Lande bald statt Apfel- die Zitronenbäume gedeihen.

Gefahr besteht auch beim Weinbau: "Ein Weinstock ist im Grunde eine extrem anpassungsfähige Pflanze. Nicht umsonst kann er fast überall auf der Welt existieren und Früchte tragen", sagte Jungwinzerin und Wein&Co-Gastronomieleiterin Marion Ebner im APA-Gespräch. "Es ist nicht zu befürchten, dass es zukünftig keinen guten Wein mehr in Österreich geben wird, nur wird sich die Charakteristik völlig ändern", ist sie überzeugt. Auf Grund der Sonneneinstrahlung werden sie nicht mehr spritzig, sondern eher kräftig sein; vergleichbar mit den kalifornischen Weinen.

Südliche Pflanzen gedeihen immer besser"
"Südliche Pflanzen gedeihen in Österreich immer besser", ist Mayer überzeugt. Der Anbau von Kiwi, Orangen und Zitronen sei durchaus denkbar. Auch Palmen überleben den heimischen Winter. Bestes Beispiel sind die Palmen auf dem Grünstreifen der Wagramer Straße in Wien-Donaustadt. Das wäre vor einigen Jahren nicht denkbar gewesen.

Es gibt zwar bereits ein Umdenken bei den Landwirten. Es wird überlegt, was auf Grund der wetterbedingten Umstände besser angebaut und welche Sorten in Österreich aufgegeben werden sollten. Doch dieses Thema sei noch weitgehend unerforscht, sagt Mayer. "Man weiß eher, was nicht gehen wird. Man kennt leider die Probleme besser als die Lösungen." Ganz einfach die gleichen Früchte wie in Italien oder in Spanien anzupflanzen, wäre zu einfach. "Wir sind nicht am Meer und wir haben eine ganz andere Sonneneinstrahlung", so Mayer.

Umstellung noch nicht erforscht
Zwar haben sich laut dem Klimaexperten die Universität für Bodenkultur (Boku) und das Umweltbundesamt (UBA) seit Anfang 2003 mit dem Klimawandel und seinen Auswirkungen im Forschungsprogramms "StartClim" auseinander gesetzt. Doch sind die Erkenntnisse daraus noch im Frühstadium. Daher gebe es Empfehlungen für die Umstellung von Bauern noch nicht, sagte Mayer. So kämpfen die Landwirte weiter gegen Mutter Natur. "Und das kostet einiges", meint der Experte.

Besonders betroffen sind Gräser. Auf Grund des ausbleibenden Regens kommt es zur Versteppung von Wiesen wie etwa in der Region Marchfeld oder in der Pustza in Ungarn. Aber auch das Getreide ist bei Trockenheit besonders heikel. Der Anbau geht immer schlechter. Weizen, Gerste oder Roggen sind dramatisch betroffen, sagt Mayer. "Sie brauchen den regelmäßigen Regen und den wird es nicht geben."

Regelmäßige Feuchtigkeit notwendig
Um eine Pflanze am Leben zu erhalten, braucht sie regelmäßig Feuchtigkeit. Und die bekommt sie zur Zeit in Österreich nicht. "Die Böden sind völlig ausgetrocknet", sagt Greenpeace Klimaexperte Erwin Mayer. Denn ein besonders trockener Boden nimmt Feuchtigkeit gar nicht erst auf, weil er viel zu hart ist. Würde es jetzt regnen, rinnt das Wasser wie bei einem ausgetrockenen Blumenkistl auf der Seite vorbei. Und was ist die Folge? "Die Flüsse schwellen extrem an", so Mayer.

Hinzu kommt, dass die kalten Tage - also unter minus 20 Grad - immer weniger werden. Die Folge: Die Schädlinge überleben. "Wenn der Frost zwei Wochen andauert, dann wird die Population der Schädlinge, wie die Borkenkäfer, viel weniger", erklärt Mayer. Doch bei einem so warmen Herbst und Winter vermehren sich die Tiere eher.

Verlängerte Vegetationsphase
Das positive am Klimawandel ist, dass sich die Vegetationsphase verlängert hat. "Da könnte man tendenziell Früchte öfter ernten", sagt Mayer. Das Phänomen hat auch Jungwinzerin Marion Ebner beobachtet. "Heuer ist es bereits ganz deutlich zu erkennen, dass die Vegetation bereits etwa zwei Wochen im Voraus ist. Wenn es so weiter geht, werden wir heuer früher beginnen zu ernten."

"Die größte Gefahr wird es jedoch sein, das keine ausreichende Wasserversorgung zur Verfügung steht. Wenn es zu wenig regnet, ist der Rebstock einem enormen Stress ausgesetzt. Er muss ums Überleben kämpfen und im schlimmsten Fall setzt eine so genannte Notreife ein. Dann wird mangelhaftes und unreifes Traubenmaterial produziert", erklärt die Winzerin. "Die Beerenhaut ist wie die Haut des Menschen anfällig für direktes Sonnenlicht. Hängt die Traube zu lange in der direkten Bestrahlung, bekommt die Beerenhaut einen Sonnenbrand. Um sich zu schützen, entwickelt sie eine dickere Haut, die besonders viel Gerbstoffe enthält, der wiederum das Geschmacksbild der Weißweine völlig verändert und oft bitter erscheinen lässt", so Ebner.

"Aber solange eine ausreichende Wasserversorgung gewährleistet ist, werden sich die kühleren Regionen sogar über den Klimawandel freuen, da sie voll ausgereiftes Traubenmaterial ernten können", glaubt die Winzerin. Auch die Vegetationsflächen in höher gelegenen Gebieten könnten vergrößert werden, meint Mayer. "Es kann mehr angebaut werden, vorausgesetzt man hat dort Feuchtigkeit, die sich auch hält. Kommt es zu regelmäßigen Niederschlägen ist es gut, kommt es aber zu heftigen Güssen und längeren Trockenperioden, dann wird das nichts."

(apa/red)

7.5.2007 09:43
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