Sonntag, 13. Mai 2007

Rowling, Rooney & Co sammeln für Maddie: Rekordbelohnung für Hinweise auf Entführte

  • Britin blieb auch an 4. Geburtstag verschwunden
  • Am 3. Mai an der portugiesischen Algarve entführt

Zehn Tage nach der Entführung der kleinen Madeleine in Portugal ist eine Rekord-Belohnung für Hinweise auf das britische Mädchen ausgesetzt worden. Zum vierten Geburtstag der Kleinen sammelten Geschäftsleute und Prominente wie die Harry-Potter- Autorin Joanne K. Rowling umgerechnet 3,7 Millionen Euro. Allein 2,2 Millionen Euro kommen von der Sonntagszeitung "News of the World" - die höchste Summe, die eine Zeitung je ausgesetzt hat, berichteten Medien.

Die Kinderbuchautorin Rowling habe den größten Einzelbetrag gespendet, gab die Zeitung bekannt. Rowlings Tochter sei in Portugal geboren, nicht weit von dem Ort, wo Madeleine entführt wurde. Zu den Spendern gehören auch Virgin-Chef Sir Richard Branson und Manchester- United-Fußballer Wayne Rooney. Bereits vergangene Woche hatte ein schottischer Geschäftsmann 1,5 Millionen Euro Belohnung ausgelobt.

Madeleine war am 3. Mai aus einem Zimmer in einer Ferienanlage in Praia da Luz an der Algarve-Küste entführt worden, während ihre Eltern einen Steinwurf entfernt zu Abend aßen. Bisher fehlt jede Spur von "Maddy". Das Schicksal hatte eine Welle der Anteilnahme ausgelöst.

Am Samstag, zu Madeleines viertem Geburtstag, flehten die erschöpften und inzwischen auch abgemagerten Eltern erneut um Hilfe. "Heute ist Madeleines Geburtstag - bitte suchen Sie weiter nach ihr, bitte beten Sie weiter, bitte helfen Sie, sie nach Hause zu bringen", ließen Gerry und Kate McCann verlesen. Beide berieten nach Angaben der Zeitung "Sunday Times" mit Rechtsanwälten, wie sie das Geld, das ihnen von vielen Seiten zur Unterstützung angeboten werde, für eine weltweite Suchkampagne verwenden können.

Nach einem Bericht der portugiesischen Zeitung "Correio da Manha" verdichten sich die Hinweise, dass die Täter Briten sind und möglicherweise aus dem Umfeld der Eltern stammen. Die Entführung sei bereits von langer Hand in Großbritannien geplant worden, berichtete das Blatt unter Berufung auf Polizeikreise. Nach britischen Medienberichten hat die Polizei ein Phantombild von einem Mann, der am Tag der Entführung vor dem Appartment der McCanns gesehen wurde.

Laut der Zeitung "24 Horas" befürchten die Fahnder, dass die blonde Madeleine von den Entführern nach Nordafrika verschleppt worden ist, um dort verkauft zu werden. "Kinder mit dem Aussehen Madeleines sind in arabischen Ländern sehr gefragt", zitiert das Blatt einen Beamten der Kriminalpolizei.

Polizeichef Olegario Sousa erklärte, es gebe bisher keine Verdächtigen. Die zehn Briten, die bislang im Zusammenhang mit der Entführung verhört worden seien, gelten nach seinen Worten nur als Zeugen. Er zeigte sich jedoch überzeugt, dass die Ermittlungen erfolgreich sein werden. "Wir arbeiten alle mit Hochdruck daran, Madeleine lebend nach Hause zu bringen."

Im Wallfahrtsort Fatima, wo rund eine halbe Million Pilger den 90. Jahrestag der Marienerscheinung begingen, wurde auch für eine sichere Rückkehr Madeleines gebetet. Gebete gab es auch am Vorabend in der Kirche von Praia da Luz, wo die Eltern des Mädchens und rund 300 weitere Gläubige zusammenkamen. "Seid stark und betet", sagte der Pfarrer den Eltern. Hunderte Motorradfahrer machten sich mit "Maddy"-Postern auf ihren Fahrzeugen auf die Suche nach dem Mädchen.

In Madeleines Heimatort Rothley im mittelenglischen Leicestershire ließen Bewohner zum Geburtstag des Mädchens rosa Luftballons mit Botschaften aufsteigen, Postkarten und gelbe Bänder sollten Hoffnung vermitteln. Der britische Schatzkanzler und wahrscheinliche künftige Premierminister des Landes, Gordon Brown, sagte, "alle Eltern, die ich kenne, werden an Madeleine denken".

Für Entsetzen sorgte in Portugal auch der Fall einer jungen Frau, die beim Versuch, ihre vier Monate alte Tochter direkt vor einem Supermarkt zu verkaufen, festgenommen wurde. In der Ortschaft Vila Franca de Xira nahe Lissabon habe sie Passanten angesprochen und ihnen das Kind für 15.000 Euro angeboten, berichteten Medien. Ein Ladenbesitzer habe die Szene beobachtet und die Polizei alarmiert. Beamte in Zivil hätten sich daraufhin als Käufer ausgegeben und die aus Osteuropa stammende Frau sowie neun Komplizen festgenommen. Das Baby kam in ein Heim.

(apa/red)

13.5.2007 14:12