Immer mehr Gewalt auch im Kurdengebiet: 50 Tote bei Bombenanschlag im Nordirak
- Offenbar Regierungsgelände im Visier der Attentäter
- 4.000 US-Soldaten suchen drei vermisste Kollegen
Bei Gewalt im Irak sind wieder Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Allein bei einem Selbstmordanschlag im kurdischen Norden des Landes sind mindestens 50 Menschen getötet und 70 weitere verletzt worden. Der Sprengsatz sei in einem Lastwagen versteckt gewesen, teilte der Gouverneur der Provinz Niniveh mit. Die Attentäter hätten in der nahe Arbil gelegenen Stadt Makhmour ein Regierungsgelände treffen wollen, auf dem sich auch das Büro einer kurdischen Partei befinde.
Im vergangenen Monat wurden bei einem Bombenanschlag in Arbil, der Hauptstadt der autonomen Region Kurdistan, mindestens 15 Menschen getötet und etwa 100 verletzt. Der Angriff galt dem kurdischen Innenministerium. Bei weiteren Kämpfen und Anschlägen starben mindestens 19 Menschen. Ein Großaufgebot der US-Armee suchte nach drei mutmaßlich entführten Soldaten. Die USA und der Iran bekräftigten unterdessen ihre Bereitschaft zu Gesprächen über die Situation im Irak.
17 Tote in Bagdad
Bei einem weiteren Anschlag im Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad kamen mindestens 17 Menschen ums Leben, mehr als 40 erlitten nach Polizeiangaben Verletzungen. Der Anschlag richtete sich nach Angaben von Sicherheitskräften gegen den Markt von Sadriya. Dort sei ein geparktes Auto in die Luft gesprengt worden. Auf dem Markt waren zuletzt Mitte April 140 Menschen bei einem Anschlag getötet worden. Bei einem Überfall auf ein Dorf nördlich von Mahmudiya töteten Bewaffnete zudem sieben Zivilisten.
In Bakuba, 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad, warfen bewaffnete Rebellen zwei Männer in Handschellen aus dem Auto und erschossen sie vor den Augen entsetzter Passanten. "Dies ist das Schicksal von Verrätern", riefen die Täter, bevor sie davonfuhren. Die sunnitischen Aufständischen betrachten Soldaten, Polizisten oder Übersetzer für die US-Truppen als Verräter.
Drei US-Soldaten vermisst
In der Gegend um Mahmudiya war die US-Armee mit rund 4.000 Soldaten im Einsatz. Diese suchten nach drei Kameraden. Die US-Soldaten werden seit einem Überfall auf ihre Patrouille vermisst. Dabei waren nach Armeeangaben zudem vier US-Soldaten und ein irakischer Übersetzer getötet worden. Die US-Armee habe Straßensperren errichtet um zu verhindern, dass die Soldaten außerhalb des Gebiets gebracht würden, sagte ein Sprecher der US-Streitkräfte. Die der Al-Kaida zugehörige Gruppe "Islamischer Staat im Irak" bekannte sich im Internet zur Gefangennahme der Soldaten und bezeichnete diese als "Kreuzritter". Beweise für die Verschleppung der amerikanischen Soldaten legte die islamistische Gruppe zunächst nicht vor.
USA: Gespräche mit Iran über Irak
Eine Sprecherin von US-Vizepräsident Dick Cheney bestätigte unterdessen, dass die Vereinigten Staaten zu Gesprächen mit dem Iran über die Lage im Irak bereit seien. Diese könnten auf Botschafterebene stattfinden. Cheney sagte bei einem Besuch in Ägypten, die Kontakte müssten sich aber auf den Irak beschränken. Zuvor hatte auch das iranische Außenministerium seine Bereitschaft zu Gesprächen erklärt. Eine entsprechende US-Anfrage sei von der Schweizer Botschaft in Teheran übermittelt worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Irna. Das Weiße Haus bestätigte, dass die Gesprächen nächste Woche in Bagdad stattfinden sollen. Die USA werfen dem Iran vor, schiitische Aufständische im Irak zu unterstützen.
(apa/red)
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