Freitag, 11. Mai 2007

Benedikt XVI. in Brasilien: Papst warnt
Jugend vor Drogen und Sex vor der Ehe

  • Appell: Nicht von Hass und Gewalt hinreißen lassen
  • Franziskanerpater Galvão wurde heilig gesprochen

Papst Benedikt XVI. hat in Brasilien vor mehr als 30.000 Jugendlichen für traditionelle Familienwerte geworben. In einem Fußballstadion in der Metropole Sao Paulo warnte er seine Anhänger neuerlich vor Sex vor der Ehe und vor Drogen. "Seid Förderer der Lebens, von seinem Anfang bis zu seinem natürlichen Ende", sagte der Papst von einem handgeschnitzten roten Thron aus. Bei einer Messe hat er Franziskanerpater Galvão heilig gesprochen.

Mit Blick auf die hohe Kriminalitätsrate in lateinamerikanischen Metropolen mahnte der Heilige Vater die Jugendlichen, sich nicht "von Hass und Gewalt hinreißen zu lassen" und den Versuchungen der Korruption zu widerstehen. Auch auf den Umweltschutz ging er ein. "Die Zerstörung der Umwelt im Amazonasgebiet" und die damit verbundene Bedrohung für die Naturvölker in dem Gebiet verlange ein verstärktes Engagement.

Die Jugendlichen, die zum Teil stundenlange Busfahrten für die Begegnung auf sich genommen hatten, nahmen die Rede mit gemischten Gefühlen auf. "Die Kirche sollte für den Gebrauch von Kondomen eintreten. Sie sollte realistisch sein", sagte etwa ein Student.

Bereits zuvor hatten scharfe Äußerungen des Papstes zur Abtreibung für Wirbel gesorgt. Vor allem der brasilianische Gesundheitsminister Temporao griff Benedikt an. "Man darf nicht einer ganzen Gesellschaft Dogmen und Gebote einer bestimmten Religion aufzwingen wollen", meinte Temporao. Vielmehr sollte man in Sachen Abtreibung in erster Linie hören, was Frauen zu sagen hätten. Um weiteren Streit zu vermeiden, wurde das Thema Abtreibung beim Gespräch des Papstes mit Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva ausgeklammert.

Bei einer Messe vor Hunderttausenden Gläubigen hat er den "Hedonismus (Genusssucht) unserer Zeit" kritisiert. Die Menschen sollten sich "weigern, sich als Lustobjekte betrachten zu lassen", sagte der Papst. Zugleich richtete er scharfe Kritik an die Massenmedien, die sich über das Keuschheitsgebot der katholischen Kirche lustig machen würden.

"Es ist notwendig, Nein zu diesen Kommunikationsmitteln zu sagen, die die Heiligkeit der Ehe und die Jungfräulichkeit vor der Ehe ins Lächerliche ziehen", sagte der Papst. Der Gottesdienst unter freiem Himmel ist einer der Höhepunkte der sechstägigen Papstreise in das größte katholische Land der Erde. Dabei sprach Benedikt auch den Franziskanerpater Galvão (1739-1822) heilig.

(apa/red)

11.5.2007 16:19