Viel Gedränge im Fundamt um Verlorenes:
"Termiten sind harmlos gegen das hier"
- Sonnenbrillen, Uhren und Elektrogeräte begehrt
- Publikum gemischt: Vom Student bis zum Pensionist
Wenn das Zentrale Fundservice in Wien zu einem Flohmarkt lädt, müssen Besucher damit rechnen, nicht die einzigen Interessenten dort zu sein. Ganz im Gegenteil: Das kleine Foyer im Amtshaus in der Bastiengasse wurde regelrecht gestürmt. "Termiten sind harmlos dagegen", staunte ein Kunde - bevor er sich selbst den Weg zu einem der Wühltische bahnte.
Zahlreiche der angebotenen Fundstücke schaffen es nicht bis dorthin. Sie werden bereits vorher verkauft, aus dem Rollcontainer heraus, mit denen frische Gebrauchtware aus dem Depot herbeigekarrt wird. Rucksäcke, Taschen, Geldbörsen oder Kleidung in allen Größen und Erhaltungszuständen finden so innerhalb von Sekunden neue Abnehmer. Für die Mitarbeiter des Fundamts ist es nicht immer leicht, den Überblick zu bewahren: "Haben sie das schon bezahlt?" - "Nein, aber mach ich gleich!"
Manche Besucher von der eher pingeligen Art nehmen das Angebot auch genauer unter die Lupe. "Wirklich sauber ist das nicht", so ein Kommentar. Dafür ist es billig. Generell kosten die meisten Stücke einen Euro. Es gibt aber auch Mengenrabatt: Nimmt man drei Stücke, sind sie ebenfalls um einen Euro zu haben. Und, natürlich: Gehandelt wird auch. "Das ist höchstens 50 Cent wert", wird da schon einmal ein Verkaufsgespräch eröffnet. Auch teurere Produkte gibt es. Für einen Computermonitor sind immerhin fünf Euro zu berappen.
Als Renner entpuppten sich Brillen, vor allem Sonnenbrillen, Uhren und kleine Elektrogeräte. Letztere waren aber rasch ausverkauft. Kein Wunder: Sogar ein MP3-Player war um einen Euro zu haben. Auch Bücher gehen gut. Wobei zumindest Titel wie "Die Biene Maja", "Gesundheit aus dem Kräutertopf" und "Den letzten beißen die Dämonen" etwas länger auf neue Leser warten mussten.
Das Publikum ist bunt gemischt: Junge Studenten auf der Suche nach witzigen Wohnungs-Accessoires sind in dem Gedränge genauso zu finden wie Pensionisten oder Besucher aus dem benachbarten Ausland. Manche sind Stammkunden, einige sind zum ersten Mal gekommen. "Ich verliere ständig Handschuhe und habe mir gedacht, ich schau mal, ob es hier günstige gibt", meinte eine ältere Dame - die gleich mehrere Paare erstanden hat.
Ob es vorkommt, dass jemand auf dem Flohmarkt etwas sucht, das er verloren hat? "Ja, das passiert öfters", berichtete ein Verkäufer. Er habe jedoch noch nie gehört, dass eine Sache hier wiedergefunden wurde.
Fundstücke werden in Wien ein Jahr lang aufbewahrt, bevor sie im Rahmen eines Flohmarktes veräußert werden (die in etwa alle sechs Monate stattfinden). Wobei nicht alle Findelkinder so lange durchhalten: "Wenn sie verschimpeln, werden sie aber auch vorher weggeworfen", berichtete Andreas Prikoszovich, der Leiter des Zentralen Fundservices. Jährlich werden in Wien rund 45.000 Fundstücke abgegeben. Maximal die Hälfte davon werden von ihren früheren Besitzern innerhalb der Ein-Jahres-Frist wieder abgeholt.
Wirklich wertvolle Exponate gibt es bei den Flohmärkten kaum mehr. Denn Fahrräder oder teurere Elektronikartikel werden inzwischen ins Dorotheum gebracht und dort versteigert.
(apa/red)
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