Freitag, 11. Mai 2007

"Keine Generation von Komatrinkern": SPÖ- Abgeordnete Rudas will Aufklärung forcieren

  • Jugendliche lehnen farbcodierte Ausweise weiter ab
  • Stress und teurer Anti-Alk Gründe für Alkoholkonsum

"Komatrinken" von Jugendlichen wird in Österreich heiß diskutiert. Immer mehr Teenager betrinken sich bis zur Bewusstlosigkeit. SP-Jugendbeauftragte Laura Rudas glaubt aber nicht, dass "wir eine Generation von Komatrinkern haben". Verbot von Alkohol und strengere Gesetze seien nicht der Schlüssel zur Lösung. Auch Jugendliche glauben nicht, dass Verbote Wirkung zeigen würden. Der hohe Alkoholkonsum hänge mit Stressabbau und teuren Anti-Alkoholischen Getränken zusammen, wie sie in einer Diskussionsrunde feststellten.

Rudas möchte mehr in Bildung und Freiraumgestaltung investieren. Weiters sollte man die Betroffenen, also die Jugendlichen einbinden. Auch Aufklärungskampagnen seien ein weiterer Lösungseinsatz.

In einem Bereich waren sich alle Teilnehmer einig: Jugendliche kommen am leichtesten in jenen Lokalen zu Alkohol, in denen es keine Ausweiskontrolle gibt. In manchen Wiener Gaststätten werde man zum Konsum fast schon animiert. Oft sei ein alkoholisches Getränk billiger als ein antialkoholisches.

Die jungen Menschen nutzen die Situation aus und gehen dort hin, wo nicht kontrolliert werde, so eine 17-jährige Schülerin. "Ich war schon zwei Mal im Krankenhaus, weil ich mich beim Trinken selbst überschätzt habe und mein Kreislauf versagt hat", schildert ein Bursch aus Wien. Gesetze müssten in der Gastronomie eingehalten und sollten auch streng kontrolliert werden, nimmt De Beauclair sich die USA als Vorbild.

Trinken wegen Stressabbau
Dennoch verstehen die Jugendlichen die Hysterie um das Komatrinken nicht. Die meisten Teenager trinken, um am Wochenende den Stress zu vergessen, trotzdem haben wichtige Dinge wie Schule und Lernen oberste Priorität, so ein weiblicher Teenager. "Gesetze zu verschärfen, ist nicht sinnvoll, denn wenn die Jugendlichen möchten, kommen sie auch so an Alkohol", so Schmid.

Vom Vorschlag von Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (V), farbcodierte Ausweise nach Altersgruppen vorzuschreiben, hält der Jugendanwalt nicht viel. Durch die verschiedenen Farben entstünden Hierarchien, verstärkte Konkurrenz wirke sich negativ auf die Persönlichkeitsentwicklung aus. Schmid kritisierte, dass Teenager "in unserer Gesellschaft keine Möglichkeit haben jugendlich zu sein". Der Druck in der Schule und die wachsende Konkurrenz werde immer größer.

SPÖ-Aktionsplan gegen Komatrinken
Die SPÖ hat einen eigenen Aktionsplan gegen das "Komatrinken" Jugendlicher vorgestellt. Gegen die Exzesse sollen nach den Vorstellungen von Bundesgeschäftsführer Josef Kalina etwa bundeseinheitliche Scheckkarten für zwölf- bis 18-Jährige zum Einsatz kommen, und die Kontrolle der bestehenden Jugendschutzgesetze ausgebaut werden. Zudem stellt die SPÖ die Entwicklung eines "Jugendgetränks" in Aussicht, das dem Alkohol Konkurrenz machen soll.

Daneben sieht der rote Aktionsplan ein Verbot für die Abgabe von Alkopops an Jugendliche ebenso vor, wie ein Werbeverbot für Flatratepartys. Forciert werden soll auch die schulische und außerschulische Präventionsarbeit.

Studie: Moderates Trinken zu Hause kann helfen
Jugendliche, die mit ihren Eltern zu Hause Alkohol trinken, neigen nach einer Studie weniger zum "Kampftrinken". Das ergab eine Untersuchung der John Moores Universität in Liverpool, bei der Antworten von mehr als 10.000 Jugendlichen im Alter von 15 und 16 Jahren ausgewertet wurden. Demnach kaufte ein Drittel der Befragten selbst Alkohol. Damit waren sie nach den Ergebnissen sechs Mal so gefährdet, in der Öffentlichkeit zu trinken und doppelt so gefährdet, exzessiv zu trinken wie Jugendliche, denen der Alkohol gekauft wird.

Die Frage ist doch, ob die Jugendlichen von ihren Eltern in einem sozial verantwortlichen Umfeld das Trinken lernen, oder ob sie es hinter einem Busch im Park lernen", sagte Professor Mark Bellis. Wenn Jugendliche zu Hause in verantwortlichem Maß tränken, lernten sie sie den Umgang mit Alkohol wesentlich besser.

(apa/red)

11.5.2007 18:18