Freitag, 11. Mai 2007

Schuldsprüche nach versuchter Entführung:
Vier Angeklagte nun in St. Pölten verurteilt

  • Die Männer wollten Geschäftsmann kidnappen
  • Überwältigten falschen Mann und ergriffen Flucht

Mit vier Schuldsprüchen hat ein Prozess um eine versuchte erpresserische Entführung am Landesgericht St. Pölten geendet. Der Erstangeklagte, ein 38-jähriger Autohändler, wurde zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Laut Staatsanwalt Roland Koch wollte er im Dezember 2004 in Bergamo in Italien mit Mittätern einen Geschäftsmann kidnappen. Dabei wurde aber irrtümlich das falsche Opfer überwältigt.

Ein 37-jähriger Elektriker erhielt fünf Jahre Haft, davon 40 Monate auf Bewährung. Ein gleichaltriger Polizist wurde zu drei Jahren unbedingter Freiheitsstrafe verurteilt. Vier Jahre Haft, zur Gänze auf Bewährung, fasste ein 24-jähriger Zimmermann aus. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Der Autohändler war auch des schweren gewerbsmäßigen Betruges angeklagt, dem Polizisten wurde neben der Beteiligung am Entführungsversuch Betrug und Anstiftung zum Amtsmissbrauch zur Last gelegt.

Die Niederösterreicher wollten laut Anklage im Dezember 2004 in Italien einen Geschäftspartner des Erstangeklagten entführen, attackierten jedoch einen dem Geschäftsmann ähnlich sehenden Freund. Als sie die Verwechslung bemerkten und das Opfer um Hilfe schrie, ergriffen drei Beschuldigte die Flucht. Der Polizist sei an der Tat direkt nicht beteiligt gewesen, er habe dafür aber Motorradhauben besorgt, die beim versuchten Kidnapping als Masken dienten.

Der Autohändler gab an, dass er das eigentliche Opfer, den italienischen Geschäftsmann, nicht erpressen wollte. Vielmehr habe er sich sein Geld zurückholen wollen, 400.000 Euro habe ihm der Italiener geschuldet auf Grund nicht bezahlter Pkw sowie Juwelen. Andernfalls hätte der Italiener nach Österreich "gebracht" werden sollen und im Bundesgebiet der Polizei übergeben werden. Als bei der Tat dem Opfer der Mund zugehalten worden sei, habe er gemeinsam mit den zwei weiteren Beschuldigten von dem Unterfangen abgelassen. "Da hab ich gesehen, dass es der falsche Weg ist", so der 37-Jährige. Es tue ihm Leid, dass es "so weit gekommen ist", meinte der Geschäftsmann.

Nur ein Angeklagter, der 24-jährige Zimmermann, bekannte sich in dem zwei Verhandlungstage dauernden Prozess schuldig. Er war es auch, der den Fall ins Rollen brachte, indem er sich mit einem Geständnis an die Polizei wandte. Er habe mit der Causa "abschließen wollen", darum der freiwillige Gang zur Exekutive.

Jener Italiener, der ursprünglich entführt werden hätte sollen, war nicht zur Verhandlung erschienen. Der Mann ist bei der Justiz kein Unbekannter, stellte sich heraus, als der vorsitzende Richter des Geschworenensenats, Peter Kotynski. den Strafregisterauszug des Geschäftspartners des Autohändlers vorlas. Dieser reicht zurück bis ins Jahr 1976: Betrug, Fälschung öffentlicher Urkunden oder das Ausstellen von ungedeckten Schecks wurden dem Italiener angelastet.

(apa/red)

11.5.2007 08:34