Mittwoch, 9. Mai 2007

"Eisheilige" immer seltener: Klimatologen-Meinungen gehen allerdings auseinander

  • Kälteeinbruch vom 11. bis 15. Mai immer seltener

Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia - in dieser Reihenfolge schon mal gehört? Richtig, es sind die "Eisheiligen", die einst von 11. bis 15. Mai relativ regelmäßig für Kälteeinbrüche in Mitteleuropa gesorgt haben. Seit einigen Jahren tun sie das jedoch nicht mehr, sagen zumindest Klimaforscher in Deutschland. Ob dies mit dem Klimawandel zusammenhängt, darüber sind sich aber auch sie nicht sicher. Klimatologe Helmut Derka von der ZAMG in Wien kann diesen Ansichten nicht allzu viel abgewinnen.

Den als "Eisheilige" bekannten Kälteeinbruch Mitte Mai gibt es nach Beobachtungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach immer seltener. In den vergangenen drei Jahrzehnten sei dieses Phänomen nur noch etwa alle fünf Jahre deutlich in Erscheinung getreten, sagte DWD-Sprecher Gerhard Lux der dpa. Vor rund 100 Jahren seien die "Eisheiligen" noch in sieben von zehn Jahren nachweisbar gewesen. Ob dies direkt mit der globalen Erwärmung zusammenhängt, sei unter Klimaforschern umstritten.

"Phänomen der Natur und nicht der Kirche"
"Die Eisheiligen sind ein Phänomen der Natur und nicht der katholischen Kirche. Ich kann solche Studien nur schwer nachvollziehen", ging Derka mit der Expertise seiner deutschen Kollegen nicht konform. Der Kälteeinbruch sei ein regional sehr unterschiedliches Ereignis, darüber hinaus "darf es ja schließlich auch schon am 5. Mai oder erst am 17. Mai kalt sein", so der Wiener Klimatologe. Ein Beispiel: In Puchberg am Schneeberg hatten es die Eisheiligen heuer ziemlich eilig und tauchten dort mit einem eisigen Hauch von minus vier Grad bereits am 2. Mai auf.

Was Derka für problematisch hält: Nur den Zeitraum von 11. bis 15. Mai auf längere Zeit zu beobachten und dann zu sagen, die "Eisheiligen" würden sich immer seltener zeigen. Allgemeine Übereinstimmung herrscht unter den Meteorologen, was das Erscheinungsbild betrifft. Eine typische Eisheiligen-Wetterlage sieht so aus: Zwischen einem Hochdruckgebiet über den Britischen Inseln und einem Tief über dem Baltikum fließt mit nördlicher Strömung arktische Meeresluft nach Mitteleuropa. Dann können die Temperaturen nachts auch unter den Gefrierpunkt fallen und empfindliche Pflanzen schädigen.

Bezeichnung nach kirchlichem Heiligenkalender
Die Bezeichnung "Eisheilige" geht auf den kirchlichen Heiligenkalender und die Prägung des ländlichen Lebens durch die kirchlichen Feste zurück. Mamertus (11. Mai) wird vor allem in Norddeutschland und den Niederlanden zu den Eisheiligen gezählt. Er führte als Bischof des französischen Vienne die dreitägigen Bitttage vor Christi Himmelfahrt ein, die noch heute in der Kirche begangen werden. Er starb um das Jahr 474.

Pankratius (12. Mai) starb im Alter von 14 Jahren unter Kaiser Diokletian um 305 den Märtyrertod. Er wird zu den 14 Nothelfern gezählt und als Patron der jungen Saat und Blüten angerufen. Servatius (13. Mai) war im 4. Jahrhundert Bischof von Tongern und starb am 13. Mai 384 in Maastricht. Sein Grab in der dortigen Servatiuskirche wurde ein vielbesuchtes Wallfahrtsziel.

Bonifatius von Tarsus (14. Mai) ist ein Märtyrer, über den wenig bekannt ist. Er wird oft mit Bonifatius, dem Apostel der Deutschen, verwechselt, dessen Gedenktag am 5. Juni ist. Sophia (15. Mai) wird auch als "kalte Sophie" bezeichnet. Die Heilige starb um das Jahr 305 - wie Pankratius unter Kaiser Diokletian - in Rom als Märtyrerin. (apa)

9.5.2007 15:32